Freitag, 06.04.2018
Bunte Stempel erhalten Deutsche auf Geschäftsreise, wenn sie ein gültiges Visum haben.

Bildquelle: MicrovOne/Thinkstock/Getty Images

Bunte Stempel erhalten Deutsche auf Geschäftsreise, wenn sie ein gültiges Visum haben.

Zukunftsmärkte
Visumsregularien

In diesen Ländern brauchen Geschäftsreisende ein Visum

Für Privatreisen brauchen Deutsche kaum noch Visa. Sich daher auch bedenkenlos auf Geschäftsreise zu begeben, wäre aber ein Fehler. Denn in vielen Ländern ist die Visumspflicht für berufliche Aufenthalte sehr strikt.

Der mächtigste Pass der Welt sei der deut­sche, loben Reisefreunde häufig. Denn er gewährt aktuell visumsfreien Zugang zu 177 Ländern welt­weit. Was private Reisen gehörig vereinfacht, gilt jedoch häufig nicht für berufliche Aufenthalte. Im Gegenteil: Deutsche Geschäftsreisende müssen außerhalb der EU je nach Anlass und Ziel der Reise aufwendige Visumsregularien durchlaufen.

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„Sobald eine Geschäftsreise geplant wird, soll­ten Unternehmen sich mit den geltenden Einreise­vorschriften beschäftigen“, rät Alexander Langhans, Geschäftsführer des Visumsdienstleisters Visum­point. Zwar böten viele Länder auch Expressvisa innerhalb von einem Tag an, jedoch müsse man Zeit für Rückfragen oder die Einreichung nachgeforder­ter Dokumente einkalkulieren. „Visumsregularien sind Teil der diplomatischen Beziehung zweier Län­der und ändern sich daher häufig“, gibt der Experte zu bedenken. Auch bei regelmäßigen Reisen in ein Land sollten Geschäftsreisende daher jedes Mal aufs Neue checken, welche Visumspflichten bestehen.

Visa sind personengebunden, werden also auf denjenigen Mitarbeiter ausgestellt, der die Geschäftsreise unternimmt. In den Formularen müssen persönliche Angaben gemacht und häufig nähere Informationen zu der Reise gegeben wer­den. „Da eine erfolgreiche Geschäftsreise im Inter­esse des Arbeitgebers liegt, sollte er ein Auge darauf haben, dass alle Visumsformalien korrekt laufen“, rät Langhans. Denn im Zweifel trägt das entsendende Unternehmen die Konsequenzen, wenn der Mitar­beiter wegen fehlender Dokumente oder falscher Angaben an der Grenze abgewiesen wird.

Gültiger Reisepass, vollständig ausgefüllt Formulare

Der Reisepass des Geschäftsreisenden muss mindestens für die gesamte Aufenthaltsdauer gül­tig sein, also bis einschließlich zum Tag der Aus­reise. Manche Länder verlangen noch eine längere Gültigkeitsdauer: Russland beispielsweise bis sechs Monate nach Ausreise. In der Türkei muss der mit­geführte Reisepass noch mindestens eine leere Seite für Stempel haben, in Südafrika sogar zwei. Diese Formalien gilt es im Rahmen der Visumsbeantra­gung abzuklären, um nicht am Einreiseflughafen Probleme zu bekommen.

Zu unterscheiden ist bei der Beantragung des Visums zwischen Geschäftsreise und Arbeitsaufent­halt. Während Erstere in einigen Ländern visumsfrei möglich ist, sind Arbeitsaufenthalte nahezu immer visumspflichtig. „Welcher Termin vor Ort in welche Kategorie fällt, ist je nach Land unterschiedlich“, gibt Langhans zu bedenken. Auskunft über die speziel­len Regeln erhalten Reisende bei den Länderkonsu­laten in Deutschland oder über deutsche Auslands­handelskammern im jeweiligen Land. Einen Über­blick über ausgewählte Länder gibt „Markt und Mit­telstand“ im Folgenden.

Mexiko

Deutsche Geschäftsreisende können sich bis zu 180 Tage visumsfrei in Mexiko aufhalten. Auch für Montageeinsätze braucht es kein spezielles Visum. „Bei der Einreise nach Mexiko per Flug oder an anderen Grenzübergangsstellen erhalten Geschäftsreisende eine Touristenkarte (‚FMM‘) für maximal 180 Tage“, erklärt Frank Panizza, Lateinamerika-Experte der IHK Pfalz. Beim Grenzübertritt wird die Karte gestempelt und der Gültigkeitszeitraum eingetragen. Die FMM muss jeder Ausländer in Mexiko immer bei sich führen, da Personenkontrollen zur Überprüfung des legalen Aufenthalts in Mexiko häufig sind, warnt das Auswärtige Amt.

USA

Gemäß dem US-Visa-Waiver-Programm können deutsche Geschäftsreisende für Meetings oder Verhandlungen visumsfrei in die USA einreisen. Voraussetzungen dafür sind eine gültige elektronische Einreisegenehmigung (Esta), die die US-Grenzschutzbehörde (CBP) ausstellt, sowie ein Rückflugticket. Die Esta gilt ab der Erteilung für beliebig viele Einreisen von je maximal 90 Tagen innerhalb von zwei Jahren. „Für Aufenthalte, während derer konkrete Arbeiten erfolgen, müssen Reisende jedoch ein Arbeitsvisum beantragen“, sagt Morgan Hangartner, U.S. Attorney at Law bei der Winheller Rechtsanwaltsgesellschaft. Ausnahmen gelten zum Beispiel bei der Erfüllung der vertraglich vereinbarten Inbetriebnahme oder Wartung einer aus Deutschland in die USA verkauften Anlage. Dafür müssen reisende Techniker beim Grenzübertritt den Verkaufsvertrag vorlegen, besondere Fachkenntnisse haben, die für die Inbetriebnahme oder Wartung unerlässlich sind, und zudem beweisen, dass sie in den Vereinigten Staaten keine Vergütung erhalten werden. Deutsche Geschäftsreisende, die neben der deutschen auch die iranische, irakische, syrische oder sudanesische Staatsangehörigkeit besitzen oder sich seit 2011 privat oder geschäftlich in einem dieser Länder beziehungsweise in Libyen, Jemen oder Soma­lia aufgehalten haben, sind vom US-Visa-Waiver-Programm ausgeschlossen und müssen für alle Anlässe ein B1-Visum.

China

Für eine Geschäftsreise nach China ist ein Geschäftsreisevisum (Typ M) erforderlich, bei dessen Beantragung eine Einladung des chinesischen Partners vorgelegt werden muss. Antragsteller, deren Reisepass nach dem 1. Januar 2015 ausgestellt wurde, müssen häufig auch den vorherigen, abgelaufenen Pass vorzeigen, gibt das Auswärtige Amt zu bedenken. Sollte der alte Pass eingezogen worden sein, ist eine unterschriebene Erklärung über den Zeitpunkt und den Ort des Verbleibs vorzulegen. „Bei der Visumsbeantragung müssen Geschäftsreisende zudem erklären, welche Länder sie in den zurückliegenden drei Jahren besucht haben, sowie die Dauer des jeweiligen Aufenthaltes angeben“, sagt Alexander Langhans von Visumpoint. Das M-Visum gilt auch für Montage- und Servicearbeiten an abgenommenen Anlagen, eine Baustellenaufsicht sowie die Entsen­dung von Mitarbeitern zu Tochterunternehmen. Für Forschungstätigkeiten braucht es ein Kulturvisum (Typ F).

Indien

Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Indien ein Visum. Das „E-Visum“, das eigentlich für Touristen gedacht ist, berechtigt aber auch zu „Casual Business Visits“ bei indischen Geschäftspartnern. Außendienstler oder Firmenchefs, die einen Vertragsabschluss planen, brauchen dafür ein Geschäftsreisevisum („Business Visa“). „Dessen Beantragung kann sich auch für deutsche Unternehmer lohnen, die regelmäßig aus geschäftlichen Gründen nach Indien reisen“, rät Anne Krieckhaus von der Deutsch-Indischen Handelskammer. „Denn es berechtigt zu mehrfacher Einreise innerhalb von maximal vier Jahren.“ Ingenieure oder Monteure dürfen vor Ort nur mit Arbeitsvisum („Employ­ment Visa“) tätig werden, das in der Regel für 180 Tage ausgestellt wird. Dafür muss der Antragsteller Einladungen, Verträge und Bestätigungen sowohl seines deutschen Arbeitgebers als auch des indischen Geschäftspartners vorlegen. Für einen Aufenthalt von mehr als 183 Tagen muss sich der Reisende direkt nach der Einreise beim Foreigner Registration Office registrieren. Geschäftsreisende sollten darauf achten, dass ihr Pass bei der Einreise gestempelt wird, denn ohne Stempel kommt es bei der Ausreise zu erheblichen Schwierigkeiten, warnt das Auswärtige Amt.

Türkei

Deutsche Geschäftsreisende können sich für die Teilnahme an Meetings, Geschäftsverhandlungen oder Beratungstätigkeiten visumsfrei in der Türkei aufhalten. Erlaubt ist dies bis zu 90 Tage in einem Zeitraum von 180 Tagen (einzelne Aufenthalte werden addiert). Für die Inbetriebnahme oder Wartung von Anlagen ist die visumsfreie Einreise nicht zulässig, Techniker müssen ein spezielles Montagevisum beantragen. Geschäftstätigkeiten, die über diese Arbeiten hinausgehen, erfordern ein Arbeitsvisum. „Die erste Arbeitserlaubnis wird höchstens für ein Jahr ausgestellt und kann nach einem Jahr für die gleiche Beschäftigung in demselben Betrieb auf bis zu drei Jahre verlängert werden“, erklärt Satı Gör Tekbaş, Wirtschaftsjuristin bei der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer. Das Montagevisum hat hingegen eine Gültigkeit von drei Monaten, ab dem Tag der Einreise kann man damit innerhalb von 365 Tagen mehrfach in die Türkei einreisen. Bis das Visum erteilt ist, kann es bis zu zwei Monate dauern – eine rechtzeitige Beantragung ist daher wichtig.

Russland

Für deutsche Staatsangehörige besteht in Russland Visumspflicht. Bei der Beantragung müssen Geschäftsreisende einen Versicherungsschein ihrer Auslandskrankenversicherung vorlegen, ebenso wie eine Einladung des Geschäftspartners und Gehaltsnachweise des deutschen Arbeitgebers. Bei der Einreise stellt der Grenzdienst eine Migrationskarte aus, die vom Reisenden zu unterzeichnen, im Pass mitzuführen und bei der Ausreisekontrolle wieder abzugeben ist. „Innerhalb von sieben Werktagen nach Einreise muss der einladende russische Geschäftspartner die Ankunft des ausländischen Gasts bei der zuständigen Migrationsbehörde (UWM) melden“, erklärt Alexander Langhans von Visumpoint. Dem entsprechenden Formular muss er eine Passkopie des deutschen Geschäftsreisenden mit Visum und die Migrationskarte beilegen. Reisende, die von dem im Visum genannten Aufenthaltsort aus eine mehrtägige Reise planen, etwa zu einem anderen Standort ihres Geschäftspartners, müssen sich entsprechend bei den Migrationsbehörden abmelden. Bei einem Aufenthalt an einem Ort von mehr als sieben Tagen muss dort eine weitere Anmeldung erfolgen – bei Abreise die entsprechende Abmeldung.

Südafrika

Für Geschäftstreffen, Konferenzteilnahmen und Forschungs- oder Studienaufenthalte in Südafrika benötigen deutsche Staatsangehörige kein Visum. Bei der Einreise wird eine Besuchsgenehmigung („Visitor’s Visa“) für den Zeitraum der Reise ausgestellt. Voraussetzung ist, dass der Reisende ein gültiges Rückflugticket vorzeigen kann. Maximal gibt es ein Visitor’s Visa für einen Aufenthalt von 90 Tagen, um weitere 90 Tage kann es vor Ort verlängert werden. „Wer die Aufenthaltsdauer überschreitet, kann und wird im Regelfall mit einer Einreisesperre belegt“, warnt Matthias Boddenberg, Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Besuchsgenehmigung auch für Montagetätigkeiten ausreichen. Dafür muss der Monteur Bescheinigungen des auftraggebenden südafrikanischen Unternehmens sowie seines deutschen Arbeitgebers vorlegen, aus denen sein Arbeitsauftrag hervorgeht. Zudem muss er Kontoauszüge der vergangenen drei Monate vorlegen sowie einen Kontostand von mindestens 3.000 Rand (etwa 205 Euro) zum Zeitpunkt der Abreise nach Südafrika nachweisen. Für Geschäftsreisen, deren Zweck über die oben genannten hinausgeht, brauchen Deutsche eine ausdrückliche Aufenthaltsgenehmigung. 

Brasilien

Dank eines Visaabkommens zwischen der EU und Brasilien genießen deutsche Staatsangehörige Visumsfreiheit für geschäftliche Reisen nach Brasilien. Für Marktanalysen, Verhandlungen und Messebesuche dürfen sie sich 90 Tage innerhalb eines Jahres dort aufhalten. „Für die Erbringung technischer Dienstleistungen ist aber ein spezielles Visum (‚Vitem V‘) erforderlich“, wendet Frank Panizza ein, Lateinamerika-Experte der IHK Pfalz. Bei Arbeitseinsätzen deutscher Fachkräfte, die bei einem brasilianischen Unternehmen angestellt werden, ist ein spezielles Zeitvisum notwendig. Dafür muss das brasilianische Unternehmen zunächst eine Arbeitsgenehmigung einholen. „Im Visumsantrag muss die Qualifikation des eingesetzten Technikers mit geeigneten Dokumenten nachgewiesen werden“, erklärt Panizza. Ein Zeitvisum berechtigt für einen Aufenthalt von bis zu zwei Jahren.


Dieser Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 04/2018. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.