Freitag, 16.10.2015

Bildquelle: KfW-Bildarchiv/photothek.net

Voraussetzung für die Förderung über MIIM ist, dass ein Projekt Arbeitsplätze für die indische Bevölkerung schafft.

Zukunftsmärkte
Förderprogramm "Make in India Mittelstand"

Indien buhlt mit MIIM um deutschen Mittelstand

Mit der Initiative „Make in India Mittelstand“ wirbt die indische Regierung sehr offensiv deutsche Firmen an. Unter der Voraussetzung, dass sie Arbeitsplätze im Land schaffen, sollen öffentliche Stellen Mittelständlern das Geschäft vor Ort erleichtern. Die Laufzeit des Programms ist vorerst begrenzt.

Eine belastbare Industriebasis aufzubauen ist das erklärte Ziel der indischen Regierung. Erreichen möchte sie es mit der Unterstützung des deutschen Mittelstandes. Deswegen zielt die neueste Initiative Indiens auf deutsche Firmen des produzierenden und verarbeitenden Gewerbes.

Konkret verspricht „Make in India Mittelstand“ (MIIM) deutschen Firmen Hilfe bei mit der Ansiedlung verbundenen Behördengängen. „Anträge von MIIM-Programminvestoren werden bevorzugt behandelt, ihre Genehmigungsverfahren beschleunigt“, erklärt Martin Wörlein, Leiter des Indien-Teams von Rödl & Partner, dessen Kanzlei MIIM als offizieller Rechts- und Steuerpartner begleitet.

MIIM beschleunigt Genehmigungsverfahren

MIIM treffe damit sehr genau den Nerv deutscher Mittelständler mit Interesse an Indien, so Wörlein. Denn die schwerfällige Bürokratie sei die größte Hürde für eine Ansiedlung im Land. Monate kann es dauern, bis der Antrag für die Ansiedlung eines Werks auch nur bearbeitet wird – dann reichen ihn die Stellen in Neu Delhi an die verantwortlichen Bundesstaaten weiter und das Warten geht von vorn los.

Wenn MIIM hält, was es verspricht, müssen sich deutsche Mittelständler darum künftig keine Sorgen mehr machen. Als Programminvestor erhalten sie eine politische Flankierung, die von Berlin über Neu Delhi bis in die indischen Provinzstädte reicht. „Und die im engen Austausch dafür sorgt, dass das Vorhaben vor Ort schnell erfolgreich ist“, so Wörlein.

Für alle Industriefirmen offen

Um eine Teilnahme an MIIM bewerben kann sich jede deutsche Firma. Voraussetzung ist, dass sie Arbeitsplätze im Land schafft und vor Ort sowohl für den heimischen als auch für Exportmärkte produzieren möchte. Wichtig ist jedoch, dass die deutsche Firma ein ernsthaftes Interesse am indischen Markt hat, warnt Wörlein. „Auch über MIIM kommt man nicht weiter, wenn man die Ansiedlung in Indien nur mal so nebenher betreibt.“ Dafür sei der indische Markt zu komplex.

Info

So profitieren Sie von MIIM
Auf der Programm-Website erläutert die indische Regierung Ziele und Vorgehen von "Make in India Mittelstand". Über einen Twitter-Account und den Hashtag #makeinindia informiert sie über Neuigkeiten.

Betreut wird das Programm von der indischen Botschaft in Berlin. Per Mail können sich deutsche Firmen dort um eine Teilnahme bewerben: miim@indianembassy.de
Auch eine Hotline ist eingerichtet: +49 (0) 30 25 79 55 14

Der Fokus auf Deutschland ist von der indischen Regierung sehr bewusst gewählt. Denn die Regierung um Narendra Modi möchte das produzierende und verarbeitende Gewerbe in Indien stärken. „Man hat erkannt, dass die Fokussierung auf Outsourcing-Services, mit denen die indische Wirtschaft großgeworden ist, nicht reicht, um die Menge an Arbeitskräften unterzubringen, die der demographische Wandel Indien beschert“, meint Wörlein.

Schon auf der Hannover Messe im April stellte die indische Regierung daher das Programm „Make in India“ vor, das jetzt zusätzlich auf den deutschen Mittelstand zugeschnitten wurde. Auch um wirtschaftlich weiter zu wachsen, will Modi eine industrielle Basis aufbauen und produzierende Gewerke fördern.

Vorsprung zur europäischen Konkurrenz

Damit Investoren vielfältiger Branchen ins Land kommen, könnte MIIM im nächsten Schritt in andere europäische Länder ausgerollt werden. „Das hängt ebenso wie die Verlängerung des Programms aber von dessen Erfolg ab“, wendet Wörlein ein. Zunächst ist die Bewerbungsphase für deutsche Firmen daher auf ein Jahr begrenzt, danach wird die Initiative evaluiert. Wenn es keine nachweisbaren Erfolge gibt, könnte die Unterstützung dann beendet werden.

Darauf deutet jedoch wenig hin. „Ich erlebe MIIM gerade als sehr dynamisch, einige Programminvestoren sind bereits ausgewählt und neue Bewerbungen werden sehr schnell bearbeitet“, freut sich Wörlein. Deutsche Firmen sollten die Gunst der Stunde nutzen. Und einen Schritt früher als ihre europäischen Wettbewerber nach Indien gehen.