Dienstag, 16.02.2016
Indonesiens Mittelschicht bildet einen guten Absatzmarkt für deutsche Waren. Mit Änderung der Auslandskapital-Regelungen können deutsche Firmen sie noch besser erreichen.

Fotoquelle: Easy Company/iStock/Getty Images

Indonesiens Mittelschicht bildet einen guten Absatzmarkt für deutsche Waren. Mit Änderung der Auslandskapital-Regelungen können deutsche Firmen sie noch besser erreichen.

Zukunftsmärkte
Profitable Kehrtwende

Indonesien öffnet sich wieder für Auslandskapital

In Indonesien steht eine Trendwende bevor. Während die dortige Regierung ausländische Firmen zuletzt auf Abstand gehalten hat, erlaubt sie nun in vielen Geschäftsfeldern einen höheren Auslandskapital-Anteil.

Recht überraschend öffnet Indonesien einige Geschäftsfelder weiter für ausländische Investoren. 20 Sektoren, in denen ausländische Firmen zuvor gar nicht investieren oder nur Minderheitsanteile erwerben durften, sollen nun zugänglich werden. Dazu gehören die Gesundheitsbranche, das Abfallmanagement und der Tourismus.

Dieser Schritt steht im Gegensatz zu den protektionistischen Maßnahmen, die zuletzt die indonesische Wirtschaft bestimmt haben. So war Firmen die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer erschwert worden. Zudem müssen seit Juli 2015 sämtliche Geschäfte auf indonesischem Boden in der lokalen Währung Rupiah abgewickelt werden, was Wechselkursrisiken für ausländische Firmen verschärft.

„Diesen Protektionismus hält die indonesische Regierung nun scheinbar nicht mehr für den richtigen Weg“, freut sich Philipp Kersting, Indonesien-Experte der Wirtschaftskanzlei Luther. „Daher signalisiert sie mit der Ausweitung des Auslandskapital-Anteils eine Öffnung.“

Indonesien: Mehr Kontrolle im Vertrieb für Ausländer

Für den deutschen Mittelstand sind das gute Nachrichten. Denn der indonesische Markt ist ein sehr lohnender Absatzmarkt für Konsumgüter jeder Art. Die 240 Millionen Indonesier sind meist jung und die solvente Mittelschicht wächst.

Nahezu am bedeutendsten ist die Ausweitung des Auslandskapital-Anteils im Distributionssektor, meint Kersting. Derzeit können deutsche Unternehmen zwar 100-prozentige Tochtergesellschaften in Indonesien gründen, die Produkte aus dem Ausland importieren dürfen. Jedoch ist ihnen der Vertrieb an Endkunden verboten; er muss über indonesische Vertriebler gehen. „Der deutsche Hersteller hat so keine Kontrolle über den Kontakt zum Endkunden, das ist für Investoren mehr als unbefriedigend und hat in der Vergangenheit oft ein Engagement verhindert“, kritisiert er.

Nun wird sich das ändern. Denn sobald die Regelung rechtskräftig wird, darf ein ausländisches Unternehmen bis zu 67 Prozent an einer lokalen Vertriebsniederlassung halten. „Für die 33 Prozent, die der indonesische Partner dann noch halten muss, findet ein deutscher Unternehmer vielleicht sogar einen Investor, der nicht zwingend aktiv im Tagesgeschäft des Joint Ventures mitwirken möchte“, erläutert Philipp Kersting.

Bestehende Joint Ventures in Indonesien prüfen

Noch ist die Ausweitung des Auslandskapital-Anteils freilich nur angekündigt. Die rechtliche Einführung steht aus. „Länger als zwei Monate wird es hoffentlich aber nicht mehr dauern“, meint Kersting. Deutsche Firmen, die bereits in Indonesien gegründet haben, sollten ihre Joint Ventures auf Grundlage der neuen Regelungen daher schon bald überprüfen. „Sprechen Sie mit Ihrem indonesischen Partner“, rät Kersting. Eventuell sei es möglich, auch in bestehenden Joint Ventures die Verteilung der Anteile im Rahmen der neuen Vorgaben zugunsten des ausländischen Investors umzustrukturieren.

Firmen, die kurz vor einem Engagement in Indonesien stehen, sollten derweil abwarten, bis die Öffnung der Geschäftszweige rechtlich verabschiedet ist, bevor sie ihre Pläne in die Tat umsetzen. Auch Mittelständler, die bereits eine Repräsentanz in Indonesien haben, können eine Geschäftsgründung ins Auge fassen, sobald die neuen Regelungen greifen.

Langfristig kann sich Kersting sogar eine schrittweise Reduzierung  der Negativliste auf ein regional vergleichbares Niveau vorstellen. „Indonesien hat auch signalisiert, Freihandelsabkommen wie TPP beitreten zu wollen sowie intensiv an einem Indonesien-EU CEPA und einem Freihandelsabkommen mit der EFTA zu arbeiten“, berichtet er. Das seien eindeutige Signale hin zu einer Öffnung. Indonesien selbst kann davon nur profitieren. Denn durch die Einbindung ausländischen Kapitals und innovativer Technologien wird auch die lokale Wirtschaft konkurrenzfähiger.

 

 

Info
Diese Geschäftsfelder öffnet Indonesien für Auslandskapital

100 Prozent der Anteile erlaubt in:
  • Tourismus
  • Filmindustrie
  • Mautstraßenmanagement
  • Abfallmanagement
  • Pharmazieprodukte
  • Betrieb von Onlineplattformen 

67 Prozent der Anteil erlaubt in:
  • Vertrieb und Lagerhaltung 
  • Messeorganisation
  • Berufsausbildung
  • Lufttransport
  • Baubranche
  • Telekommunikation