Dienstag, 10.02.2015
Inkasso Forderung

Julien Trombini/Thinkstock/Getty Images

Herausforderung Forderungs-Inkasso: Auf den Wachstumsmärkten China und Russland kommen Unternehmer schwer an ihr Geld.

Zukunftsmärkte
Euler Hermes Inkassostudie

Inkasso im Ausland: Die Top- und Flop-Länder

Unternehmer mit Auslandsgeschäft können ein Lied davon singen: Im Ausland an sein Geld zu kommen ist oft eine besonders mühsame Angelegenheit. Doch zwischen den Ländern gibt es deutliche Unterschiede beim Inkasso.


Das Einziehen von Forderungen ist eine schwierige Aufgabe für Unternehmen. Nicht immer lässt sich die Lieferung nur gegen Vorkasse durchsetzen, dann sind Unternehmer darauf angewiesen, dass ihr Vertragspartner auch verlässlich seine Rechnung begleicht. Noch schwieriger als im Inland ist die Situation im Ausland, wo landesspezifische Besonderheiten das Inkasso oftmals zu einer Herkulesaufgabe werden lassen.

Inkasso-Rangliste: Deutschland auf Platz zwei

Der Kreditversicherer Euler Hermes hat nun in einer Studie 50 Staaten dahingehend überprüft, wie einfach es dort ist, ausstehende Forderungen einzutreiben. Dabei spielten neben der Zahlungsmoral in einem Staat vor allem die Effizienz oder Korruptheit von Gerichten sowie die Schwierigkeit und Erfolgsaussichten von Insolvenzverfahren eine Rolle. Insgesamt flossen über 40 Faktoren in die Bewertung ein. Herausgekommen ist eine Rangliste zum Inkasso-Gesamtschwierigkeitsgrad.

An der Spitze des Rankings liegt Schweden, wo es den Euler Hermes Experten zufolge am einfachsten ist, offene Forderungen einzutreiben. Deutschland auf Platz 2, Österreich auf Platz 3 und die Schweiz auf Platz 4 zeugen davon, dass Unternehmer im deutschsprachigen Raum ihre Forderungen generell recht unkompliziert eintreiben können.

Generell setzt das EU-Recht auch beim Thema Inkasso einheitliche Standards. Dennoch gibt es auch innerhalb der Union Unterschiede zwischen den Ländern. „Italien, Tschechien und Polen gehören aufgrund der schlechten Zahlungsmoral zusammen mit den USA zu den ‚Versetzungsgefährdeten‘ beim Inkasso“, erläutert Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe.

Komplexes Inkasso in China und Russland

Nochmals deutlich schwieriger wird es im außereuropäischen Raum. China, Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Saudi Arabien bilden die Schlusslichter im Inkasso-Ranking. Dass vor allem China schlecht abschneidet, dürfte so manchen Mittelständler nicht sonderlich freuen, ist China doch für viele deutsche Exporteure ein wichtiger Wachstumsmarkt. „Die Zahlungsfristen sind dort jedoch weiterhin übermäßig lang, verspätete Zahlungen nicht effizient geregelt und Gerichten mangelt es an Transparenz. Zudem sieht das Gesetz beispielsweise keinerlei Beschränkungen für einen chinesischen Händler vor, eine neue Gesellschaft zu gründen – obwohl er ein Unternehmen in die Insolvenz getrieben und seine Schulden noch nicht beglichen hat“, sagt Subran.

In anderen Staaten wiederum greifen vertraute Rechtsinstrumente aus Deutschland nicht. So kennen beispielsweise viele Staaten den hierzulande sehr beliebten Eigentumsvorbehalts nicht, bei dem das Eigentum an der gelieferten Ware erst nach Bezahlung des vollständigen Kaufpreises auf den Käufer übergeht und ansonsten wieder zurückgefordert werden kann – selbst dann, wenn die gelieferten Waren bereits weiterverarbeitet sind. Beispielsweise in den USA, den Golfstaaten, Russland, Mexiko und Hongkong sind Vereinbarungen zum Eigentumsvorbehalt gar nicht zugelassen.

Inkasso-Ranking

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