Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Zukunftsmärkte > Großbritannien als Drittland

Brexit: Das ändert sich in Zukunft bei der Exportfinanzierung

Ab Februar gehört Großbritannien nicht länger der Europäischen Union an. Auch bei der Exportfinanzierung ändert sich durch den Brexit einiges. Patrick Kupitz, Gründer und CFO des Exportfinanzierungsanbieters Handex, wagt den Blick voraus.

Was sind die Folgen des Brexit für den deutschen Mittelstand?

Seit 2016 ist das Handelsvolumen der beiden Länder bereits um 7 Prozent zurückgegangen. Die unternehmerischen Unsicherheiten wiegen schwer. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Investitionen in Großbritannien gedrosselt und warten erst einmal ab, was im Detail passiert.

Durch den Brexit wird Großbritannien zum Drittland. Was bedeutet das für die Finanzierung deutscher Exporte an britische Kunden?

Wie die Rechtslage aussehen wird, ist bislang noch völlig unklar – das wollen die beiden Seiten im Laufe des Jahres erst aushandeln. Die anhaltende Unsicherheit wird sich möglicherweise weiterhin negativ auf Unternehmen auswirken. Die Wahrscheinlichkeit, dass britische Kunden ihre Schulden an deutsche Unternehmen somit nicht mehr zurückzahlen können, dürfte steigen.

Wie können sich deutsche Unternehmen dagegen absichern?

Das hängt davon ab, wie die Drittland-Regeln gefasst werden. Wenn private Kreditversicherer für Exporte nach Großbritannien künftig höhere Gebühren verlangen oder zurückhaltender Policen ausgeben, könnten Exporteure auf staatliche Absicherungsinstrumente zurückgreifen müssen, sogenannte Hermesdeckungen.

Das Warten auf die politischen Entscheidungen lähmt viele Unternehmen. Was können und sollten sie jetzt sofort tun?

Bis rechtliche Klarheit besteht, sollten Unternehmen alle potenziell strittigen Punkte in ihren bilateralen Verträgen regeln. Dabei sollten sie auch die Möglichkeit mitdenken, dass während einer Handelskooperation auf einmal Zollschranken eingezogen werden. Vor allem die Investitionsgüterbranche mit ihren langen Fertigungszeiten könnte davon betroffen sein. Teil jedes Vertrags deutscher Maschinenbauer mit britischen Kunden sollte daher ein Passus sein, wer gegebenenfalls die Zolllast trägt: Lieferant oder Importeur. Darüber hinaus kann sich aber auch der Abschluss spezieller Gewerbeversicherungen lohnen – wie zum Beispiel private Kreditversicherungen gegen den Zahlungsausfall eines Kunden.

Das Hamburger Fintech Handex bietet deutschen Mittelständlern Zugang zu Forfaitierungen und vermittelt deren Kunden Bestellerkredite für Handelsgeschäfte in Schwellen- und Entwicklungsländer. Das Geld stammt aus der Partnerschaft mit der Varengold Bank. 

Wann erwarten Sie Klarheit in den EU-UK-Beziehungen?

Das Hin und Her der vergangenen Monate und Jahre hat mich skeptisch gemacht, dass London und Brüssel schnelle Ergebnisse erzielen werden. Aber ich würde mir wünschen, dass wir bis zur Jahresmitte Klarheit über die Spielregen haben. wünschen. Die lange Lähmung ist wahrscheinlich geschäftsschädigender, als es ein sofortiger No-Deal-Brexit 2016 gewesen wäre.

Ähnliche Artikel