Montag, 23.09.2019
Nur auf den ersten Blick harmlos: Doch wer Chinesisch kann, entdeckt hier den Industriespion.

Illustration: Markt und Mittelstand

Nur auf den ersten Blick harmlos: Doch wer Chinesisch kann, entdeckt hier den Industriespion.

Zukunftsmärkte
Gefahr durch Geheimdienste

Wirtschaftsspionage auf Dienstreisen: Der Laptop bleibt zu Hause

Geschäftsreisende, die die Internationalisierung vorantreiben, bieten Nachrichtendiensten eine reiche Beute. Nicht nur in China ist Vorsicht geboten. Wenigstens ein bisschen vor Wirtschaftsspionage schützen können sich Geschäftsleute auf Dienstreise mit einem einfachen Tipp.

100 Milliarden Euro: Auf diese Summe schätzt die Bundesregierung den Schaden, der deutschen Unternehmen jedes Jahr durch Wirtschaftsspionage entsteht. Ein großer Teil davon dürfte auf Spionage durch Konkurrenzunternehmen entfallen. Unbestritten ist aber auch, dass viele Nachrichten- und Geheimdienste staatlich gestützte Wirtschaftsspionage betreiben. Zahlreichen Geheimdiensten in aller Welt wird Wirtschaftsspionage vorgeworfen, seit den Enthüllungen Edward Snowdens vor allem der amerikanischen NSA. Ein Verdächtiger sticht allerdings immer wieder heraus: Die Volksrepublik China habe sich im Zeitalter der Digitalisierung zu einer regelrechten „DDR auf Doping“ entwickelt, zitierte zum Beispiel die F.A.Z. im März einen nicht weiter benannten Manager. Und im Gegensatz zu vielen anderen Ländern vermuten viele Beobachter, dass die chinesischen Geheimdienste die Informationen direkt an die Staatskonzerne weitergeben. 

Dass betroffene Manager sich in Zeitungsberichten nur anonym äußern wollen (eine Erfahrung, die auch „Markt und Mittelstand“ gemacht hat), hat gute Gründe: Ein erfolgreicher Angriff ist immer auch ein Imageschaden für das angegriffene Unternehmen – umso mehr, wenn vertrauliche Daten betroffen sind. Vor allem schrecken die Unternehmen davor zurück, die Behörden des ausländischen Staates zu kritisieren, auf die sie vor Ort und bei Projekten angewiesen sind. „Öffentliche Kritik wäre da kontraproduktiv“, bestätigt Christian Schaaf. Der ehemalige Ermittler in einem Kommissariat für Wirtschaftskriminalität ist heute Geschäftsführer von Corporate Trust, einem Unternehmen, das sich auf die Spionageabwehr spezialisiert hat.

Es gibt keine validen Zahlen

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das in Deutschland unter anderem für die Spionageabwehr zuständig ist, bestätigt, dass es regelmäßig Fälle gebe, in denen Unternehmen von staatlichen Spionen ausgespäht werden. Wie viele es sind, weiß man aber auch dort nicht. „Es gibt keine validen Zahlen“, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. Neben der Zurückhaltung betroffener Unternehmen liege das daran, dass viele Firmen die Spionage oft gar nicht bemerkten – und sich oft erst Jahre später – wenn sie ihre Internationalisierung weiter vorantrieben – wunderten, wenn sie erschreckend exakte Plagiate ihrer eigenen Produkte auf ausländischen Märkten entdeckten. Dann nachzuweisen, dass es staatliche Spione waren, ist schwer.

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Aber wie kommen die Spione an ihre Datenbeute? Ein typisches Angriffsszenario gibt es nicht, sagt Security-Experte Schaaf. Neben dem „klassischen Hacking“ des Firmennetzes droht vor allem auf Dienstreisen Gefahr. Denn die Behörden in China (und mehreren anderen Ländern) dürfen von Gesetzes wegen bei der Einreise Zugriff auf elektronische Geräte verlangen – inklusive einer Entschlüsselung der gespeicherten Daten. Dadurch stehen dem Aufspielen von Spionageprogrammen Tür und Tor offen. Deshalb raten Verfassungsschutz und Experten zu einer einfachen Lösung: „Man sollte sich vor einer Reise in kritische Länder immer fragen, ob man wirklich seinen Bürolaptop mitnehmen muss“, sagt Christian Schaaf. Eine Frage, die zumindest er selbst meist mit Nein beantwortet. Oft sei es vollkommen ausreichend, mit einem minimalkonfigurierten Rechner ohne direkten Zugriff auf das Firmennetz auf Geschäftsreise zu gehen.

Natürlich sollten dieselben Regeln sollten auch bei Smartphones befolgt werden, auch wenn diese grundsätzlich besser geschützt seien, sagt Schaaf. Und ebenso selbstverständlich sollte es sein, die Geräte besser nicht im Hotelzimmer zurückzulassen, wenn man seine Unterkunft verlässt. Denn immer wieder wird aus China berichtet, dass Zimmer verwanzt und Hotelsafes geknackt würden, sobald die Gäste außer Haus seien. 

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