Dienstag, 17.11.2015

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Sobald die Handelsbeschränkungen gegen den Iran fallen, soll der Iran-Handel großen Aufschwung bekommen und der hiesige Mittelstand profitieren. Doch die Hürden sind noch lange nicht weg.

Zukunftsmärkte
Noch sechs Monate bis zum Implementation Day

Iran-Handel: Die große Wiederbelebung hat Tücken

Der Weg ist frei zur Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran. Doch noch sind nicht alle Hürden weggeräumt. Markt und Mittelstand erklärt, wo Mittelständler weiterhin vorsichtig sein müssen. Und welche Güter schon jetzt besonders gefragt sind.

Deutsche Exporteure stehen in den Startlöchern, um von den neuen Absatzmöglichkeiten im Iran zu profitieren. Noch 2007 war Deutschland wichtigster Lieferant des Iran. Nun soll die zwischenzeitlich verhängten Sanktionen gelockert werden. Insbesondere Finanzbeschränkungen, Exportverbote sowie Personenlistungen werden abgebaut. Doch bis zum Implementation Day gelten die bisherigen Beschränkungen unverändert weiter.

Investitionsgüter stehen im Iran auf der Wunschliste oben

Wenn im kommenden Jahr die Sanktionen abgebaut werden – gerechnet wird mit einem Termin im zweiten Quartal nächsten Jahres –, dürften vor allem die Bestellungen für zuvor schwer erhältliche Ersatzteile und Investitionsgüter innerhalb des Iran-Handels spürbar zunehmen. Der Iran muss seine Ölförderungsanlagen und die verarbeitende Industrie modernisieren. Auch gute Chancen werden für KFZ-Zulieferer erwartet.

Gleichzeitig werden aber auch Nahrungsmittel und Konsumgüter benötigt, um den Nachholbedarf der Bevölkerung zu decken. Die Möglichkeiten für deutsche Anbieter sind entsprechend groß: Unternehmen verschiedenster Wirtschaftszweige wie Lebensmittel- und Getränkehersteller, Produzenten für Drogerie und Parfümprodukte könnten profitieren.

Iran-Handel: Erschwerte Finanzierung der Lieferung

In einem ersten Kommentar zur Lockerung der Iran-Sanktionen durch die EU bemängelt der Maschinenbauverband VDMA das weiter bestehende Ausfuhrverbot für bestimmte Güter im Iran-Handel, selbst wenn diese eindeutig zivilen Zwecken dienten.

Auch seien weiterhin zahlreiche Genehmigungen für harmlose Massengüter erforderlich. Exportkontrollanwalt Dr. Harald Hohmann bemängelt, dass zwar das Lieferverbot zahlreicher Güter in eine Genehmigungspflicht umgewandelt worden sei, dabei werde aber die Zuordnung der Güter zu den neuen Sanktionslisten durch fehlende Zolltarifnummern und Ausfuhrlistenpositionen erschwert.

Als besonders schwierig beschreiben Exporteure die Finanzierung ihrer Lieferungen in den Iran. Insbesondere Geschäftsbanken mit bedeutendem US-Geschäft hätten die Finanzierung des Iran-Handels wegen der harten Sanktionen der USA eingestellt. Die Aufhebung der Finanzsanktionen der EU werden diese Banken erst zur Neuaufnahme des Iran-Geschäfts veranlassen, wenn auch die USA mitziehen.

Iran: Importrückgang vor der großen Öffnung

Die ersten Annäherungssignale an den Iran haben die deutschen Exporte im vergangenen Jahr deutlich steigen lassen. Das Plus von 30 Prozent wurde aber bereits in den ersten acht Monaten 2015 von einem Rückgang um 15 Prozent abgelöst. Dabei folgten die deutschen Lieferungen der Importentwicklung des Iran, die von Januar bis August 2015 ein Minus von 17 Prozent verzeichnete. Gekauft wurden vor allem Nahrungs- und Futtermittel sowie Fahrzeuge. Hauptlieferanten waren China, die Vereinigten Arabische Emiraten, Südkorea, die Türkei und Indien.

Info

Tipps für das Iran-Geschäft:

  • Lieferverträge für bislang sanktionierte Güter sollten erst nach dem Implementation Day (voraussichtlich im Frühjahr 2016) geschlossen werden. Bis dahin gelten die bisherigen Bestimmungen des EU-Iran-Embargos weiter.
  • Finanzierungen und Absicherungen sollten Mittelständler frühzeitig bei ihrer Hausbank anfragen. Sollte sich die Bank mit Blick auf die weiterhin restriktiven US-Bestimmungen zurückhaltend zeigen, lohnt sich ein Bankwechsel.


Eine ausführliche Darstellung der rechtlichen Auswirkungen der neuen EU-VO zum Iran-Embargo hat unsere Schwesterpublikation ExportManager veröffentlicht: Hier finden Sie weitere Infos dazu.

  • Merkblatt zu den Entwicklungen des Iran Embargos vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle finden Sie hier.
  • Aktuelle Information (19.10.2015) zum Embargo gegen die Islamische Republik Iran vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle finden Sie hier.