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Ein Aufschwung unter Vorbehalt

| The Economist | Lesezeit: 4 Min.

Der Krieg mit dem Iran wirft einen Schatten auf die zarte Erholung von BASF. Die Sanierung des deutschen Chemieriesen ist weiterhin ein Prozess im Werden.

BASF Logo Foto: Shutterstock
Die Chemieproduktion in Europa steht unter geopolitischem Druck – BASF kämpft zwischen Umbau, Energiekrise und globaler Unsicherheit. Foto: Shutterstock

23.03.2026 The Economist

Wenn Vorstandschefs von einem „Übergangsjahr“ sprechen, signalisieren sie Investoren meist schwierige zwölf Monate. So auch Markus Kamieth am 27. Februar bei der Vorstellung der BASF-Jahreszahlen: 2026 werde „voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr“, in dem die Branche mit erheblichem Gegenwind rechnen müsse. Zugleich gab er sich vorsichtig optimistisch: Gegen Jahresende dürfte sich die globale Nachfrage erholen, 2027 sogar deutlich stärker. Für BASF, das einige harte Jahre hinter sich hat, wäre das eine gute Nachricht.

Sanierung mit Tempo und Risiko

Doch schon am Tag nach dieser Prognose griffen die USA und Israel den Iran an. Je nach Dauer des Konflikts könnte das die erhoffte Erholung gefährden. Als Kamieth im April 2024 die Führung übernahm, erbte er einen Konzern, der noch unter den Folgen des Ukrainekriegs litt. BASF, einst größter industrieller Abnehmer russischen Gases in Deutschland, wurde vom Wegfall günstiger Lieferungen hart getroffen und verlor seine Spitzenposition als weltweit größter Chemiekonzern nach Umsatz an einen chinesischen Rivalen.

Kamieth reagierte mit einem umfassenden Umbau: Werke in Ludwigshafen, Knapsack und Frankfurt wurden geschlossen, Kosten drastisch gesenkt. 2025 sparte BASF 1,7 Milliarden Euro ein – mehr als geplant – und peilt 2026 weitere 2,3 Milliarden an. Zudem veräußerte der Konzern 60 Prozent seines Beschichtungsgeschäfts für 7,7 Milliarden Euro und plant den Börsengang der Agrarsparte. Erste Erfolge sind sichtbar: Nach einem Verlust im Vorjahr erzielte BASF im vierten Quartal 2025 wieder einen Gewinn. Investoren zeigten sich zunehmend zuversichtlich.

 

Krieg als globaler Stresstest

Doch der Konflikt im Nahen Osten bringt neue Unsicherheiten. Zwar ist BASF bislang kaum direkt betroffen – es betreibt keine Werke im Golfraum und produziert zunehmend regional für regionale Märkte. Auch die Energieversorgung ist heute stärker diversifiziert. Dennoch könnten steigende Energiepreise Teile des Geschäfts belasten. Gleichzeitig könnten Engpässe bei Wettbewerbern BASF in einzelnen Segmenten sogar zusätzliche Gewinne bescheren.

Gravierender ist jedoch die indirekte Wirkung: eine mögliche Abschwächung der globalen Nachfrage. Schon ein kurzer Krieg könnte die Ergebnisprognosen deutlich drücken. Damit bleibt 2026 ein schwieriges Jahr, während sich die Hoffnungen auf 2027 konzentrieren. Langfristig dürfte sich die europäische Chemiebranche weiter konsolidieren – und BASF eher als Käufer denn als Übernahmekandidat auftreten. Doch der Erfolg hängt entscheidend davon ab, ob der Umbau gelingt und neue Projekte wie das Werk in China endlich profitabel werden. Der Krieg im Golf macht diese Aufgabe nicht leichter.

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Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

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