Donnerstag, 17.05.2018
Dunklere Wolken über Teheran: Das Ende des Atomvertrags betrifft auch deutsche Mittelständler.

Foto: Murchundra/Thinkstock/Getty Images

Dunklere Wolken über Teheran: Das Ende des Atomvertrags betrifft auch deutsche Mittelständler.

Zukunftsmärkte
Angst vor Sanktionen

Iran: Kündigung des Atomvertrags sorgt für Unsicherheit

„Sie können nur abwarten“: Viele deutsche Mittelständler sind besorgt, weil Donald Trump den Iran-Atomvertrag gekündigt hat. Doch viel können die Unternehmen derzeit nicht unternehmen, sagt Iran-Experte Kaveh Taghizadeh.

Vor gut zwei Jahren feierte die deutsche Wirtschaft den Wegfall der Iran-Sanktionen. Nun hat US-Präsident Donald Trump den Atomvertrag einseitig gekündigt. Ob und wie ein Handel mit dem Iran künftig möglich ist, scheint derzeit völlig unklar. Deutsche Mittelständler sollten die politischen Diskussionen nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnt Iran-Experte Kaveh Taghizadeh.

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Wie beunruhigt ist der deutsche Mittelstand von der Diskussion um den Atomvertrag?
Sehr – und das zurecht. Donald Trump droht, all diejenigen Unternehmen vom US-Markt  auszuschließen, die mit dem Iran Geschäfte machen. Da die USA einer der wichtigsten Auslandsmärkte für deutsche Mittelständler sind, steht viel auf dem Spiel.

Kaveh Taghizadeh ist Leiter des Iran-Geschäfts von KPMG in Deutschland

Foto: KPMG

Kaveh Taghizadeh ist Leiter des Iran-Geschäfts von KPMG in Deutschland.

Nun läuft eine 60-tägige Frist, nach deren Ablauf der Iran von der EU Garantien erwartet. Wird es dazu kommen?
Eine Antwort auf diese Frage wäre spekulativ. Die EU wird vermutlich versuchen, am Atomvertrag festzuhalten und trotzdem auch mit den USA eine Einigung zu erzielen. Mehr kann man aktuell nicht sagen.

Wie sollen sich deutsche Unternehmer bis dahin verhalten?
Im Grunde können sie nichts tun außer abzuwarten. Die USA wollen, dass auch europäische Unternehmen ihr gesamtes  Iran-Geschäft – abhängig von einer Vielzahl von Regelungen und Sonderfällen – innerhalb von 90 beziehungsweise 180 Tagen herunterfahren. Ob das rechtlich durchsetzbar sein wird, kann niemand abschätzen. Gleichwohl kann man vermuten, dass deutsche Unternehmen im Iran erst einmal kein Neugeschäft abschließen, weil sie ihre Handelsbeziehungen mit den USA nicht gefährden möchten.

Was geschieht mit bereits erteilten Aufträgen?
Bereits laufende Aufträge können innerhalb der entsprechenden Fristen abgewickelt werden. Weitere Details wird es hoffentlich bald geben.

Die Finanzierung des Iran-Geschäfts war immer schon ein Problem. Das wird nicht besser werden, oder?
Das ist leider richtig. Auch viele deutsche Privatbanken haben US-Geschäft, das sie nicht riskieren möchten. Derzeit sind aber drei iranische Banken dabei, Ableger in Deutschland zu gründen. Wenn sich die EU und der Iran politisch einigen, wären die Finanzierungen dieser Banken eine große Erleichterung für deutsche Mittelständler.