Dienstag, 30.08.2016
Viele deutsche Mittelständler sind in der türkischen Fahrzeugproduktion aktiv. Durch die politischen Verwerfungen ergeben sich für keine direkten Änderungen.

Bildquelle: Mikhail Malyshev/Thinkstock/Getty Images

Viele deutsche Mittelständler sind in der türkischen Fahrzeugproduktion aktiv. Durch die politischen Verwerfungen ergeben sich für keine direkten Änderungen.

Zukunftsmärkte
Politische Unruhen

Keine Gefahr für Mittelstand in der Türkei

Die politische Situation in der Türkei erfordert vorerst kein Umdenken für deutsche Mittelständler vor Ort. Das Potential des Marktes bleibt bestehen, sagen Türkei-Kenner.
Die politischen Entwicklungen in der Türkei beobachtet auch der deutsche Mittelstand mit Argwohn. Die Befürchtung ist, dass einer der wichtigsten Exportmärkte unsicher wird. Diese Sorge hält Ahmet Yilmaz für unbegründet. „Die Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei gerät durch die aktuelle Situation nicht in Gefahr, denn man muss Politik und Wirtschaft ganz klar trennen“, erklärt der Geschäftsführer des Automobilzulieferers Extim. „Am Potential des Standortes ändert sich erst einmal nichts.“

Für Unsicherheit gesorgt hatten unter anderem eine Meldung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der zufolge deutsche Unternehmen Investitionen in Milliardenhöhe verschoben haben. „Diese Angaben sind jedoch nicht ganz präzise“, so Yilmaz. „Mittelständler planen vorausschauender und vorsichtiger als große, finanzstarke Konzerne. Vor einem Auslandsengagement nehmen sie sich Zeit, den Zielmarkt sorgfältig zu beobachten und zu schauen, wohin er sich entwickelt.“ Genau das passiere derzeit in der Türkei, mit der aktuellen Krise habe das wenig zu tun.

Mittelstand sollte Türkei genau beobachten

Auch die Meldung der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P), die die Türkei mittlerweile als Hochrisikoland einstuft, erhielt viel Aufmerksamkeit in den Medien. Muhammed Altunkaya warnt allerdings, dass man dies im Zusammenhang sehen müsse.  „S&P bewertet die Türkei schon seit einigen Jahren kritisch, weil sie seit 2013 von offizieller türkischer Seite keine aktuellen Wirtschaftsdaten mehr erhält“, berichtet der Rechtsanwalt bei Schultze & Braun. „Andere Ratingagenturen wie Moody’s und Fitch bekommen diese Informationen weiterhin, und sie haben ihr Rating nicht geändert.“

Kurzfristig raten beide Experten deutschen Mittelständlern dazu, sich ein eigenes Bild der Situation zu machen. „Firmen sollten die Entwicklung für mindestens ein halbes Jahr genauestens beobachten und sich mit ihren türkischen Geschäftspartnern und den Wirtschaftsverbänden austauschen“, sagt Altunkaya. „Die Länderanalysen in der bundesdeutschen Presse sind politisch oft tendenziös“, findet Yilmaz. „Für Unternehmen ist es daher oft aufschlussreicher, sich die Wirtschaftsdaten direkt anzuschauen.“ Über die OECD etwa seien sie frei verfügbar.

Türkei: Weiterhin wichtig für Mittelstand

Einige Firmen beherzigen das bereits. Unmittelbar nach dem Putschversuch haben etliche internationale Unternehmen öffentlich betont, dass sie ihre Geschäfte in der Türkei unvermindert weiterführen. Auch drei Viertel der von der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer befragten deutschen Unternehmen gaben an, trotz der angespannten Lage an ihren Jahreszielen festzuhalten.

7.000 deutsche Mittelständler sind laut Deutsch-Türkischer Wirtschaftsvereinigung in der Türkei aktiv. Mit einem 2015 erzielten Volumen von 37 Milliarden Euro steht Deutschland an der Spitze der türkischen Handelspartner.
Info

Ein ausführliches Gespräch mit Ahmet Yilmaz und Muhammed Altunkaya lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Markt und Mittelstand.