Donnerstag, 05.07.2012
Zukunftsmärkte
Wirtschaftsentwicklung

Krise bremst deutsche Wirtschaft

Die Krise im Euroraum macht der deutschen Wirtschaft stärker als bisher angenommen zu schaffen. Die Konjunktur wird weiter hauptsächlich durch die Binnenwirtschaft gestützt, erst zum Jahresende wird auch der Export wieder anziehen

Lediglich um ein Prozent wird die deutsche Wirtschaft im Jahresdurchschnitt 2012 wachsen. Für das nächste Jahr erwarten Experten ein Wachstum von knapp zwei Prozent. Diese Zahlen gehen aus den  den Ergebnissen der „Sommergrundlinien 2012“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Noch skeptischer sieht das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung die Konjunkturentwicklung: Für 2012 werden 0,6 Prozent Wachstum erwartet, für 2013 lediglich 0,3 Prozent.

Euroraum und USA mit schwacher Nachfrage

„Die Krise im Euroraum holt die deutsche Wirtschaft ein“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Daran werden auch die Gipfelbeschlüsse von vergangener Woche kurzfristig nicht viel verändern.“ Insgesamt wird die Nachfrage nach deutschen Produkten aus dem Euroraum aufgrund der anhaltenden Rezession weiter schwach bleiben. Schuld sind die Schuldenprobleme und die Unsicherheit an den Finanzmärkten. Zudem erwarten die Experten auch von den USA einen stärkeren Sparkurs nach den Präsidentschaftswahlen im November.  Lediglich Schwellenländer wie Brasilien oder China könnten dem deutschen Export zum Jahreswechsel neue Impulse verleihen.

Schnelle Maßnahmen nötig

"Der Versuch, sich durch einen harten Austeritätskurs das Vertrauen der Finanzmärkte auf Kosten der Konjunktur herbeizusparen, ist gescheitert. Das erkennen auch immer mehr Politiker. Aber der überfällige Kurswechsel bleibt bislang aus", erklärt Prof. Dr. Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK. Das DIW Berlin begrüßt dagegen zumindest einige der aktuellen Gipfelbeschlüsse: „Wir halten es für richtig, dass den europäischen Finanzmärkten eine echte europäische Aufsichtsbehörde gegenübergestellt werden soll“, sagt Fichtner. Diese Aufsichtsbehörde in kurzer Zeit mit ausreichenden Kompetenzen auszustatten, erscheint den Experten aber unrealistisch. Die direkte Hilfe für Banken sei im Prinzip ebenfalls richtig, allerdings sollte diese die „ultima ratio“ bleiben, das Haftungsprinzip dürfe nicht völlig ausgehebelt werden. Zudem rechnet das DIW Berlin zusätzlich mit politischen Konflikten bei der Umsetzung der Gipfelbeschlüsse, die eine schnelle Beruhigung der Finanzmärkte zusätzlich erschweren werden. 

Schwäche am Arbeitsmarkt

Nicht zuletzt wird sich die schwache konjunkturelle Entwicklung auch auf den Arbeitsmarkt auswirken. Das DIW Berlin rechnet hier zunächst mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung und einer Arbeitslosenquote von etwa sieben Prozent dieses und nächstes Jahr. Gleichzeitig dürften die privaten Haushalte die wirtschaftliche Entwicklung aber weiter stärken: „Die Menschen in Deutschland sind zwar auch verunsichert und legen mehr Geld zurück“, sagt DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. „Die Einkommen dürften in diesem Jahr aber kräftig steigen, das regt die Konsumnachfrage an.“ Insgesamt erwartet das DIW Berlin für Deutschland daher keine Rezession wie in weiten Teilen des restlichen Euroraums.

Quelle: DIW Berlin, IMK, Markt und Mittelstand

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