Montag, 03.02.2014
Industrie geschwächt: Russland hatte sich lange nur auf den Export von fossiler Energie fokussiert.

Quelle: Thinkstock / Getty Images

Industrie geschwächt: Russland hatte sich lange nur auf den Export von fossiler Energie fokussiert.

Zukunftsmärkte
Schwierige Zeiten für Wachstumsmärkte

Länderausblick - was tut sich 2014 in den BRIC-Staaten?

Die BRIC-Staaten haben 2014 mit Problemen zu kämpfen: Brasilien und Russland leiden unter der Preisentwicklung von Rohstoffen, China steht der Öffnung des Finanzmarkts gegenüber.

Die wirtschaftlichen Aussichten der Wachstumsmärkte Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) für 2014 sind aktuell nicht die besten. Brasilien, Russland, Indien und China befinden sich in einer Rezession, was das Vertrauen der Investoren zurückgehen lässt. Jedes dieser Länder befindet sich inmitten mehrerer Reformen zu mehr nachhaltigen Wachstumsmodellen, einer neuen Preispolitik oder wie Brasilien beispielsweise in einer öffentlichen Verschuldungskrise, berichtet der aktuelle „Global Economic Outlook 2014“ der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Deloitte.

Reformen in China für eine marktorientierte Preispolitik

China will seinen strukturellen Herausforderungen mithilfe von Reformen begegnen, die nicht nur das Zurückfahren von Staatsunternehmen und mehr Wettbewerb beinhalten,  sondern auch eine marktorientierte Preispolitik und die Öffnung des Finanzmarkts für Privatbanken. Langfristiges Ziel ist außerdem ein verbesserter Eigentumsschutz. Bisher äußerte sich die chinesische Regierung nicht darüber, ab wann diese Änderungen geltend gemacht werden sollen. Fest steht jedenfalls, dass die Wirtschaft in China wesentlich langsamer wächst, als noch in den letzten Jahren, weswegen eins der Hauptziele der Reformen ist, das Wirtschaftswachstum wieder zu beschleunigen.

Russland: Negative Preisentwicklung bei Rohstoffen

Russlands größtes Problem ist seine einseitige Ausrichtung auf den Export fossiler Energie. Die Industrie ist geschwächt und eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht, weil dafür unter anderem eine Diversifizierung der Wirtschaft unter Ausweitung des Privatsektors nötig wäre. Die Einmischung des Staats in die Wirtschaft Russlands und die weitverbreitete Korruption sind die Hauptgründe, warum Russland an globaler Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Doch obwohl Russland die Trennung von Staat und Wirtschaft bereits in Angriff genommen hat, sind aktuell die Reformen Russlands zu mager, um dem Ziel von Regierungschef Wladimir Putin, in den nächsten Jahren auf Platz 20 der attraktivsten Länder für Investitionen zu stehen, näher zu kommen.

Brasilien steht unter enormen Druck

In Brasilien kommen bei enorm nachlassendem BIP-Wachstum eine hohe Inflation sowie die öffentliche Verschuldung hinzu, die eine Reduktion staatlicher Investitionen zur Folge hat. Dadurch ist das Wachstum der Industrie langsamer geworden. Investitionen der Regierung in die Infrastruktur des Landes haben kurzzeitig die Wachstumsaussichten gestärkt, doch weitere Investitionen in beispielsweise Wasserkraftwerke, für eine stabilere Stromversorgung, die die Industrie für eine reibungslose Produktion braucht, fehlen noch.
Deshalb steht die brasilianische Regierung auch im Hinblick auf die Fußball Weltmeisterschaft unter Druck: Die seit Monaten anhaltenden Proteste der Einwohner, die Unverständnis dafür haben, dass so viel in ein Sportevent investiert wird und nicht ins Gesundheitswesen und der Bildung, sorgen für die zögerliche Fertigstellung.

Politische Instabilität in Indien

Die Zeiten des Wachstums scheinen auch in Indien vorbei, die Inflation ist hoch, genauso wie das Defizit. was zu schwindendem Vertrauen unter den Investoren führt. Hinzu kommt eine, angesichts der nahenden Wahlen, instabile politische Situation. Die größte Herausforderung ist die Etablierung eines nachhaltigen Wachstumsmodells des Landes.
Eine große Sorge der indischen Regierung ist zudem die unverhältnismäßige Proportion des nationalen Umsatzes: Der größte Teil stammt aus der IT-Branche und der Software-Industrie, in beiden Sektoren gibt es nicht viele Arbeitsplätze, während die Umsätze aus Produktion und der Dienstleistungsbranche, wo viele Inder arbeiten, zurückgehen. Da die indische Bevölkerungszahl sehr schnell wächst, kann dies in den nächsten Jahren zu einem immer größer werdenden Missverhältnis führen.

Info

 

Umfassende Berichte über die Aussichten der BRIC-Staaten

und über die Eurozone finden Sie hier.


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