Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Einkauf, Marketing und Marken > Gastronomie > Coffee to go

LAP Coffee: Wie die Berliner Kaffee-Kette Hamburg im Sturm erobert – und die Café-Szene spaltet

| The Economist

Ein Espresso für 1,50 €, Yoga im Laden und Kritik an Gentrifizierung: Warum LAP Coffee Hamburgs Café-Szene aufmischt.

Screenshot Webseite LAP
LAP Coffee eröffnet in Hamburg: Junge Marke mit Billig-Espresso, Lifestyle-Events und Kritik als Symbol urbaner Gentrifizierung. (Foto: screenshot LAP)

25.9.2025 aus: The Economist

Neue Coffeeshops schaffen es selten in die Abendnachrichten. Doch in diesem Monat war LAP Coffee Thema in den Tagesthemen, einer der meistgesehenen Nachrichtensendungen Deutschlands. Das Unternehmen eröffnete seine erste Filiale in Hamburg, im trendigen Schanzenviertel, zusätzlich zu den 16 Filialen in Berlin und vier in München, die es in nur zwei Jahren aufgebaut hat.

Warum sorgt LAP—Life Among People, gegründet von Ralph Hage und Tonalli Arreola, zwei Veteranen der Berliner Start-up-Szene—für Aufsehen? Für seine Fans, meist Menschen in den Zwanzigern und Dreißigern, ist es ein hipper Ort mit großartigem Kaffee zu niedrigen Preisen. LAP verkauft einen Espresso für nur 1,50 €, einen Cappuccino für 2,50 € und einen Flat White für 3 €. Die ausgefallenen Specials (aktuelles Angebot: Blueberry Matcha, Yuzu-Limonade, Protein-Kaffee) sind besonders bei jungen Kunden beliebt.

Ideologische und politische Schlagseiten

„Wir wollen eine Lifestyle-Marke für Coffee to go sein“, sagt Herr Hage, der im Libanon aufwuchs, wo sich das gesellschaftliche Leben traditionell um Kaffeehäuser dreht. Außerdem will er eine Community aus „Fahrradkurieren, Gen-Z-Studierenden und Künstlern“ im Kiez fördern, indem er seine Läden für Yogakurse, Konzerte, Buchpräsentationen und Ausstellungen lokaler Maler öffnet.

Doch LAP ist nicht jedermanns Sache. Für seine Kritiker, die sich vor allem online besonders lautstark äußern, ist es ein Symbol urbanen Turbokapitalismus, das Gentrifizierung fördert, alteingesessene Cafés unterbietet und sie in den Ruin treibt. Gegner haben bereits Graffiti an LAP-Läden gesprüht und Mitarbeiter beschimpft. Hage glaubt, dass diese Gegner nie in einer seiner Filialen gewesen sind. Mit wenigen Sitzplätzen in kleinen Räumen laden sie nicht zum Verweilen ein – und nehmen damit klassischen Cafés, in denen man stundenlang sitzt, keine Kundschaft weg.

Hage und Arreola haben sich einen schwierigen Markt ausgesucht. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg tranken die meisten Deutschen Blümchenkaffee, so dünn, dass man die kleinen Blumen am Boden der Tassen sehen konnte. Auch heute noch sind sie ein sparsames Volk, das bei Aldi, Lidl und anderen Discountern einkauft. Rund 90 % ihres Kaffees trinken sie zu Hause oder im Büro (Italiener nur 70 %).

Herr Hage möchte mehr dieser Zuhause-Trinker für LAP gewinnen. Er erklärt, er halte die Preise niedrig und erwirtschafte dennoch Gewinn, indem er sich auf das Wesentliche konzentriert: Kaffee wird mit vollautomatischen Maschinen zubereitet, während das Personal die Milch von Hand aufschäumt. In der LAP-Filiale an der Kantstraße in Berlin bekam die Korrespondentin ihren Cappuccino in einer Tasse ohne Untertasse oder Löffel serviert. Er schmeckte gut und kostete ungefähr die Hälfte im Vergleich zu drei schicken Cafés in der Nähe. Hätte sie länger bleiben wollen, wäre sie allerdings in eines von ihnen gegangen. 

 

Faktenbox

Name: LAP – Life Among People
Gründer: Ralph Hage (Libanon) & Tonalli Arreola (Mexiko), beide aus der Berliner Start-up-Szene
Gegründet: ca. 2022 (erste Filiale in Berlin)
Standorte:

  • 16 in Berlin

  • 4 in München

  • 1 in Hamburg (Schanzenviertel)
    → insgesamt 21 Filialen (Stand: 2024/25)

Konzept:

  • Coffee to go als Lifestyle-Marke

  • Fokus auf junge urbane Kundschaft (20–30 Jahre)

  • Minimalistisches Konzept: wenige Sitzplätze, kleine Flächen

  • Veranstaltungen wie Yoga, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen

Preise:

  • Espresso: 1,50 €

  • Cappuccino: 2,50 €

  • Flat White: 3 €

  • Specials: z. B. Blueberry Matcha, Yuzu-Limonade, Protein Coffee

Besonderheiten:

  • Kaffee aus vollautomatischen Maschinen, Milch wird per Hand aufgeschäumt

  • Preise bewusst niedrig, um auch „Zuhause-Trinker“ zu locken

  • Will eine Community für Fahrradkuriere, Studierende, Künstler schaffen

Kritik:

  • Vorwürfe: Symbol für Gentrifizierung, drängt traditionelle Cafés aus dem Markt

  • Angriffe: Graffiti an Filialen, Beschimpfungen von Mitarbeitern

  • LAP kontert: keine Konkurrenz für klassische Cafés, da keine Aufenthaltsqualität

© 2025 The Economist Newspaper Limited. All rights reserved.

Aus The Economist, übersetzt von der Markt & Mittelstand Redaktion, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

Ähnliche Artikel