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Produktionsverlagerung in die USA – Lehren für den Mittelstand

| Markt und Mittelstand Redaktion

Lindt reagiert auf US-Zölle mit US-Produktion. Ein Lehrstück für Mittelständler im Umgang mit handelspolitischen Risiken.

Übergroßes Lindt-Bonbon hängt in Confisereie-Geschäft
Lindt & Sprüngli prüft Millionen-Investition in US-Produktion, um 15-Prozent-Zölle auf Schokolade zu umgehen. (Foto: shutterstock)

Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli erwägt eine signifikante Umstrukturierung seiner globalen Produktion. Grund dafür sind die von der Trump-Administration verhängten Importzölle von 15 Prozent auf bestimmte Schokoladenprodukte.

Bloomberg berichtete am 15. August 2025, dass Lindt erwäge, bis zu 10 Millionen US‑Dollar in die Produktion von hohlen Figuren (z. B. Goldhasen, Weihnachtsmänner) in den USA zu investieren, um Importzölle zu umgehen.

Lindt selbst äußerte sich zwar nicht zu konkreten Plänen, bestätigte aber grundsätzlich, dass die Effizienz der Produktion und Lokalisierung regelmäßig überprüft wird. Ein Sprecher sagte: We are continuously reviewing which products are manufactured at which production sites and for which markets. (Wir überprüfen fortlaufend, welche Produkte an welchen Produktionsstandorten und für welche Märkte hergestellt werden.)

Zollumgehung durch Standortverlagerung

Von den im Frühjahr 2025 wurden von Seiten des US-Regimes verhängten  Einfuhrzölle von bis zu 15 % auf EU‑Schokolade waren vor allem Produkte wie die beliebten Goldhasen aus dem deutschen Werk Aachen betroffen.

Im gleichen Zuge setzten auch Kanada Gegenmaßnahmen um – man reagierte mit 25 % Strafzöllen auf US‑Importe, was ebenfalls Lindt in Bedrängnis brachte, da rund 50 % der für Kanada bestimmten Schokolade aus US‑Fabriken stammten

Die strategische Entscheidung zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit auf dem wichtigen US-Markt zu erhalten. Bislang werden die betroffenen Produkte in Deutschland hergestellt. 

Gleichzeitig erwägt das Unternehmen, die Produktion für den kanadischen Markt vom Werk in Boston nach Europa zu verlagern. Dieser Schritt wäre eine Reaktion auf kanadische Vergeltungszölle gegen die USA, die die Attraktivität des amerikanischen Produktionsstandorts für den kanadischen Markt mindern.

Globale Neuausrichtung der Produktionslandschaft

Die geplanten Maßnahmen verdeutlichen die weitreichenden Auswirkungen der aktuellen Handelspolitik auf globale Produktionsstrukturen. Selbst traditionelle Süßwarenhersteller sehen sich gezwungen, ihre etablierten Lieferketten und Produktionsstandorte zu überdenken. Im Fokus stehen dabei:

  • Effizienz – durch Reduktion von Zollkosten und Transportwegen für US‑Marktprodukte,

  • Marktnähe – Produktion innerhalb der USA erlaubt schnellere Reaktionen auf Nachfragezyklen,

  • Absicherung gegen mögliche Gegenmaßnahmen – etwa durch Vorratshaltung in anderen Märkten.

Markt und Mittelstand Praxischeck

Was bedeutet das konkret?

Unternehmen müssen ihre globalen Produktionsstrategien angesichts volatiler Handelspolitiken neu bewerten. Die Entscheidung zwischen lokaler Produktion und Zentralisierung wird komplexer. Standortverlagerungen können Zölle umgehen, erfordern aber signifikante Investitionen und bergen operative Risiken.

Handlungsempfehlungen:

  • Führen Sie eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse für potenzielle Standortverlagerungen durch.
  • Evaluieren Sie Ihre Lieferketten auf Zollrisiken und identifizieren Sie Alternativrouten.
  • Investieren Sie in flexible Produktionstechnologien, die schnelle Anpassungen ermöglichen.
  • Entwickeln Sie Szenarien für verschiedene handelspolitische Entwicklungen.
  •  Prüfen Sie Möglichkeiten zur Produktionsautomatisierung als Alternative zur Verlagerung.

Kritische Würdigung:

Standortverlagerungen bergen neben Chancen auch Risiken durch hohe Initialkosten und mögliche Qualitätsschwankungen. Eine sorgfältige Abwägung zwischen kurzfristigen Zolleinsparungen und langfristiger strategischer Positionierung ist unerlässlich.

Infokasten: Lindt & Sprüngli – Strategische Produktionsverlagerung im Zollstreit

Unternehmen: Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG, Kilchberg (Schweiz)
Branche: Premium-Schokolade, Süßwaren
Jahresumsatz: rund 5,2 Mrd. CHF (2024)
Hauptmärkte: Europa, Nordamerika, Asien-Pazifik

Auslöser der Neuausrichtung:

  • US-Importzölle: 15 % auf bestimmte Schokoladenprodukte aus der EU (seit Frühjahr 2025) und Kanadische Vergeltungszölle: 25 % auf US-Schokolade.

Geplante Maßnahmen:

  • Investition von bis zu 10 Mio. US-Dollar in US-Produktionskapazitäten

  • Verlagerung der Fertigung von Goldhasen und anderen Hohlfiguren in die USA, um Zölle zu umgehen

  • Prüfung einer Produktionsrückverlagerung für Kanada von Boston (USA) nach Europa

Strategische Ziele:

  • Zollkosten reduzieren und Preiskonkurrenzfähigkeit sichern

  • Marktnähe erhöhen und Lieferzeiten verkürzen

  • Flexibilität bei handelspolitischen Veränderungen wahren.

 

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