Donnerstag, 26.09.2013
Zulieferer aus dem Mittelstand profitieren vom Wachstum am Automobilmarkt Russland.

GM Company

Tolle Wachstumsaussichten für den Automobilmarkt Russland. Auch Zulieferer aus dem Mittelstand profitieren vom Wachstum.

Zukunftsmärkte
Studie zum Automobilmarkt Russland ortet grosse Chancen

Markt für Zulieferer: Automobil-Sektor in Russland nimmt Fahrt auf

2025 sollen am Automobilmarkt Russland 4,4 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge abgesetzt werden. Das wäre ein Zuwachs um 50 Prozent gegenüber 2012 – große Marktchancen somit auch für Zulieferer aus dem Mittelstand. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der lokalen Produktion.

Seit der Automobilmarkt in Europa seit Jahren stagniert oder sogar schrumpft, machen sich Hersteller zunehmend auf die Suche nach neuen Absatzmärkten für ihre Fahrzeuge. Diese finden sie vor allem in den Wachstumsmärkten China und Brasilien. Wachstum war zuletzt auch wieder in den USA zu verzeichnen. Aber auch der Automobilmarkt in Russland kommt wieder in Fahrt. Für die kommenden Jahre gibt es sehr positive Aussichten für Automobilhersteller und damit auch ihre Zulieferer.

Laut einer aktuellen Studie von Raiffeisen Research sollen sowohl Produktion als auch der Absatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in Russland in den kommenden Jahren merklich zulegen. Im Jahr 2025 rechnen die Experten mit 4,4 Millionen verkauften Einheiten. 62 Millionen Fahrzeuge sollen dann auf den Straßen in Russland fahren. Aktuell liegt Russland auf Platz 6 der globalen Absatzländer, noch knapp hinter Deutschland. Längerfristig wird das Land allerdings beim Absatz am Heimatmarkt vorbeiziehen und damit Europas wichtigster Absatzmarkt werden. „In den kommenden Jahren wird die Produktion aber deutlich stärker als der Absatz ansteigen“, sagt Richard Malzer, Analyst bei Raiffeisen Research und Mitautor der Studie. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass in den nächsten drei Jahren bis 2016 der Absatz um 18 Prozent auf 3,3 Millionen, die Produktion jedoch um 38 Prozent auf 2,8 Millionen Einheiten ansteigen. Damit werden zunehmend mehr Fahrzeuge, die im Land verkauft werden, auch dort produziert.

Russland: Geringer Motorisierungsgrad als Hebel

Obwohl das Land seit vergangenem Jahr Mitglied in der WTO ist, kämpfen deutsche Unternehmen nach wie vor mit Handelsbarrieren im täglichen Geschäft. Der Export an sich ist schon kompliziert, Strafzölle wegen angeblichen Preisdumpings oder eine Recyclinggebühr auf ausländische Import-Fahrzeuge haben die WTO-Ziele konterkariert und deutsche Unternehmen im Land enttäuscht. Auch Local Content Vorschriften erschweren den Vertrieb ausländischer Hersteller im Land. Hinter diesen protektionistischen Maßnahmen steht das Ziel der russischen Regierung, den ausländischen Import zu verringern und die lokale Produktion zu modernisieren. „Das ist auch der Grund, warum die lokale Produktion in den kommenden Jahren deutlich stärker wachsen wird als der Absatz“, sagt Malzer.

Vor allem ausländische Hersteller werden von dem prognostizierten Wachstum profitieren. Sie werden 2016 beinahe dreimal so viele Fahrzeuge produzieren wie russische Hersteller. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 war deren Anteil noch beinahe null. Auch der Absatz von Fahrzeugen ausländischer Hersteller lag im Jahr 2000 bei nur 7 Prozent. Bis 2008 stieg der Anteil aufs Zehnfache an, russische Hersteller im Markt wurden zurückgedrängt. „Ausländische Marken punkten mit zeitgemäßem Design und hochentwickelter Technik und sind Statussymbole“, sagt Analyst Malzer. Die hohe Nachfrage nach Fahrzeugen ist auf die wachsende Mittelschicht in Russland zurückzuführen, die noch vergleichsweise schwach motorisiert ist. „Auf 1.000 Einwohner kommen in Russland 260 Fahrzeuge, eine Sättigung des Marktes ist da lange noch nicht erreicht“, ergänzt Malzer. Zum Vergleich: In den USA beträgt dieser Wert 641, in Deutschland 532. Hinzu kommt, dass viele Menschen, die bereits ein Fahrzeug haben, in naher Zukunft wohl über einen Ersatzkauf nachdenken werden. Die Hälfte aller Pkw und leichten Nutzfahrzeuge ist älter als 10 Jahre.

Import-Barrieren fördern Produktion in Russland

Von diesem wachsenden Automobilmarkt Russland möchten auch deutsche Unternehmen profitieren. Viele Firmen, darunter auch Zulieferer aus dem Mittelstand, sind bereits heute am Markt in Russland aktiv. Diese können besonders von der lokalen Produktion profitieren. Russische Hersteller haben historisch eine sehr hohe Fertigungstiefe, das heißt, die Zuliefer-Industrie im Land ist schwach ausgeprägt, der Wettbewerb dementsprechend gering. Vor allem Tier 2 und Tier 3 Lieferanten fehlen. Gleichzeitig kämpfen deutsche Unternehmen jedoch noch mit niedrigen Skaleneffekten. Weil eine Vielzahl ausländischer Hersteller vertreten ist, wird nur eine geringe Anzahl an Fahrzeugen je Plattform gefertigt. Das macht die Produktion teuer. Lokal gefertigte Teile der Zulieferer waren 2010 noch 20 Prozent teurer als jene Teile, die im Heimatland gefertigt wurden. Mittlerweile ist dieser Wert auf 13 Prozent gesunken. „Mit der Reduzierung der Fertigungstiefe auf OEM-Seite sowie mit dem Anlauf neuer Modelle werden die produzierten Einheiten jedoch mehr und die Produktionskosten werden weiter sinken“, erklärt Analyst Malzer von Raiffeisen Research. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich der Import von PKW und leichten Nutzfahrzeugen bereits um 15 Prozent verringert, der Export ist im gleichen Zeitraum um 18 Prozent gewachsen.

Die wichtigsten Absatzländer im Automobil-MarktRussland liegt auf Platz 6, wird langfristig allerdings an Deutschland vorbeiziehen, seinerseits jedoch auch von Indien überholt werden. Quelle: Raiffeisen ResearchLeichter Dämpfer im Automobil-AbsatzRussland musste bislang im Jahr 2013 einen leichten Rückgang des Absatzes hinnehmen. In China und Brasilien wächst der Markt auch in diesem Jahr. Quelle: Raiffeisen ResearchAb 2014 soll Absatz wieder anziehenDer Absatz von Fahrzeugen soll bis 2025 im 50 Prozent gegenüber 2012 zunehmen. Quelle: Raiffeisen ResearchAusländische Automobil-Marken auf dem VormarschBereits heute sind 8 von 10 verkaufte Fahrzeuge von ausländischen Herstellern, die entweder durch Import ins Land gebracht oder bereits in Russland gefertigt werden. Quelle: Raiffeisen ResearchVom Import-Markt zum ProduktionsmarktIn den kommenden Jahren wird die Produktion in Russland deutlich stärker als der Absatz ansteigen. Quelle: Raiffeisen ResearchAusländische Marken dominieren ProduktionAusländischer Marken werden ihre Produktion in den kommenden drei Jahren immer weiter steigern können. Die Produktion russischer Marken stagniert. Quelle: Raiffeisen Research