Dienstag, 07.07.2015

KfW-Bildarchiv/photothek.net

Viel medizintechnisches Gerät in Südafrika stammt bereits jetzt von deutschen Herstellern.

Zukunftsmärkte
Südafrikas Krankenversicherung beschert deutschen Firmen neue Aufträge

Medizintechnikfirmen freuen sich über NHI

Mit Einführung der neuen Krankenversicherung NIH eröffnen sich neue Geschäftschancen für deutsche Medizintechnikhersteller in Südafrika. Gut 18 Milliarden Euro investiert die Regierung bis 2025 in den Gesundheitssektor.

Röntgengeräte, Krankenhausbetten und Skalpelle: Schon jetzt stattet der deutsche Mittelstand südafrikanische Krankenhäuser aus. Für knapp 135 Millionen Euro kam im Jahr 2013 medizintechnisches Equipment ans Kap. Mit Einführung der nationalen Krankenversicherung NHI wird das Verkaufsvolumen für deutsche Firmen nochmals zunehmen. Denn um künftig einen größeren Anteil der Bevölkerung versorgen zu können, zieht die Regierung im ganzen Land neue Krankenhäuser hoch.

255,8 Milliarden Rand hat das südafrikanische Gesundheitsministerium für die Einführung der NHI bis 2025 veranschlagt, umgerechnet 18,8 Milliarden Euro. Zwischen März 2013 und Februar 2014 lagen die öffentlichen Gesundheitsausgaben im Vergleich dazu bei 142 Milliarden Rand.

Auch abseits der Krankenversicherung sagen Experten dem südafrikanischen Medizintechnikmarkt ein solides Wachstum voraus. Laut Berechnungen des örtlichen Branchenverbands SAMed sind jährliche Raten von 6 bis 7 Prozent realistisch.

Verbindliche Mitgliedschaft für Südafrikaner

2011 begann die Einführung der NHI, 2025 soll das System stehen. Dann ist die Mitgliedschaft für alle Südafrikaner verbindlich. Berufstätige über einer bestimmten Einkommensschwelle müssen eine monatliche Versicherungsgebühr entrichten, die Rate für Arbeitslose übernimmt die Regierung.

Über den sogenannten NHI Fund werden dann Arzt- oder Krankenhausbesuche abgerechnet. Dadurch soll das ungerechte System, das „den Menschen mit dem größten Bedarf den geringsten Zugang zur Versorgung“ gibt, abgeschafft werden, formuliert das NHI-Grundsatzpapier.

Klinikneubau mit deutschen Entwicklern

Die ersten fünf Jahre der Einführung dienen als Vorbereitungsphase. Währenddessen soll „der Gesundheitssektor gestärkt werden“, heißt es in den Plänen. Neubauten von Kliniken und Modernisierung von bereits bestehenden Krankenhäusern sollen das Fundament für den optimistischen Plan legen. 2016 ist diese Vorbereitungszeit vorbei. Bis dahin dürfte nochmal eifrige Geschäftigkeit ausbrechen.

Kurzfristig braucht Südafrika dafür die Unterstützung von Krankenhausplanern, Architekten und Entwicklern, die beim Bau und der Modernisierung der Klinikbauten beraten. Mittelfristig dürften die Aufträge für Lieferanten von Klinikausstattung in die Höhe schießen. Und langfristig wird der Sektor mehr Pharmaprodukte, Instrumente und medizintechnisches Gerät nachfragen.

Markenaffinität von Vorteil für deutsche Zulieferer

Über die Auftragsflut werden sich nicht nur deutsche Firmen freuen, sondern auch die Konkurrenz. Sie besteht in Südafrika hauptsächlich aus US-amerikanischen Pharmazie- oder Medizintechnikkonzernen, die Waren gleicher Qualität liefern. Zudem drängen vermehrt chinesische und türkische Billiganbieter in den Markt, die aber bis dato keine nachhaltigen Erfolge erzielen können.

Deutschen Herstellern kommt zugute, dass Kliniken im Einkauf auf bekannte Marken achten. Die Qualitätsansprüche, die daraus entstehen, sollten Medizintechnikhersteller in jedem Falle ernst nehmen. Sonst verspielen sie leichtsinnig die eigene Vormachtstellung.