Montag, 31.10.2011
Zukunftsmärkte
Mittelstand und Mitbestimmung

Meinung: Klugheit und Mitbestimmung

Für viele Mittelständler ist der Begriff „Mitbestimmung“ ein rotes Tuch. Seit einem samstäglichen Fernseherlebnis bringt Markt und Mittelstand-Redakteurin Stefanie Gerdsmeier Verständnis für diese Sichtweise auf und rät Unternehmern, immer wieder zu überprüfen, wann die Meinung vieler die Qualität einer Entscheidung verbessert.

Für viele Mittelständler ist der Begriff „Mitbestimmung“ ein rotes Tuch. Seit einem samstäglichen Fernseherlebnis bringt Markt und Mittelstand-Redakteurin Stefanie Gerdsmeier Verständnis für diese Sichtweise auf und rät Unternehmern, immer wieder zu überprüfen, wann die Meinung vieler die Qualität einer Entscheidung verbessert.

Es ging darum, den „Klügsten Deutschen“ zu wählen. Allerlei Unlogisches hatten sich die Macher der Sendung einfallen lassen, um den „Klügsten“ aus der Kandidatengruppe zu finden: Da wurden Kandidaten mit völlig unterschiedlichen Aufgaben konfrontiert, ihre Lösung wie Äpfel und Birnen miteinander verglichen und so der Kreis der Titelanwärter nach und nach verringert. Nur einmal duellierten sich die letzten Verbliebenen im direkten Vergleich. Aber statt den klaren Sieger mit dem Preis von der Bühne zu schicken wurde abgestimmt: Das SMS-schreibende Publikum entschied sich, wer hätte das gedacht, nicht für älteren Herrn im grauen Anzug, sondern für den flotten Jungen, eben den Typ, der in anderen Castingshows auch gewonnen hätte. Nur mit dem Unterschied, dass das Sympathiewettrennen im Sender mit dem Bildungsauftrag „wissenschaftlich“ erklärt wurde: durch Schwarmintelligenz. Um das Sendekonzept ad absurdum und die Einnahmen des Senders in die Höhe zu treiben, musste die Masse der Zuschauer herhalten, um zu wählen, wer den „klügsten Eindruck“ auf sie gemacht hatte.

Ein Mittelständler verriet neulich, er habe die Rechtsform seines Unternehmens gewechselt, um Mitbestimmung zu vermeiden. Das war ihm mehrere hunderttausend Euro wert. Er möchte gewisse Dinge selbst entscheiden, ohne den Schwarm im Rücken.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Partizipation ist gut, solange sie sinnvoll eingesetzt wird. Das Entscheidende ist, ein Gespür dafür zu entwickeln wann gemeinsame Lösungen gefragt sind und wann eine Entscheidung durch das Wissen vieler bereichert wird. Mittelständler sollten sich täglich Zeit nehmen, ihre Sensibilität hierfür zu trainieren.