Dienstag, 01.03.2016
Fachkräfte in Mexiko können deutsche Mittelständler über gute Ausbildungsmöglichkeiten für sich gewinnen.

Bildquelle: Creatas/Thinkstock/Getty Images

Fachkräfte in Mexiko können deutsche Mittelständler über gute Ausbildungsmöglichkeiten für sich gewinnen.

Zukunftsmärkte
Harte Konkurrenz mit Konzernen

Mexiko: Deutsche Mittelständler kämpfen um Fachkräfte

Der Standortboom in Mexiko hat deutschen Mittelständlern ein großes Problem eingebrockt: Sie investieren Milliarden, bekommen aber nicht die nötigen Fachkräfte. Mit in Deutschland Bewährtem versuchen manche Unternehmer, das Blatt zu wenden.
Die gute Konjunkturlage in den USA lässt Mexiko zu einem der begehrtesten Standorte auf dem amerikanischen Kontinent werden. Denn aus dem südlichen US-Nachbarland sind zollvergünstigte Lieferungen innerhalb der Freihandelszone Nafta möglich.

Auch deutsche Konzerne und  Mittelständler drängen daher in das Boomland, eröffnen Fabriken und Vertriebsniederlassungen. So baut das niedersächsische Familienunternehmen Harting im mexikanischen Silao ein Werk auf. Auch der Elektronikkonzern Hirschvogel folgt seinen Top-Kunden BMW, VW, Daimler und Bosch nach Mexiko und will 2018 seine erste Fabrik in dem Land eröffnen.

Eine Schwierigkeit, mit der nahezu alle deutschen Investoren in Mexiko kämpfen müssen: Fachkräfte für die Arbeit vor Ort aus Deutschland mitzubringen, lohnt sich selten. Doch Mitarbeiter vor Ort zu rekrutieren, ist schwierig, denn wie in allen Schwellenländern sind gute Fachkräfte in Mexiko rar. Und die Fachkräfte, die es gibt, streben meist eine Anstellung bei einem Konzern an. Dort sind die Jobs meist besser bezahlt, außerdem sind die Arbeitgeber in der Öffentlichkeit besser bekannt. 

Suche nach Fachkräften in Mexiko: Gehalt ist nicht alles

„Wir spüren eine starke Konkurrenz“, gibt Joachim Eckerle, Geschäftsführer des mittelständischen Automobilzulieferers Eckerle, zu. „Allein über das Gehalt können wir potentielle Mitarbeiter daher nicht gewinnen“, sagt der Mittelständler.

Trotzdem ist das Gehalt ein regelmäßiger Streitpunkt mit mexikanischen Fachkräften. Ihre Loyalität zum Arbeitgeber ist gering, und wenn eine andere Firma ihnen mehr Gehalt bietet, wechseln sie kurzfristig den Job, wie viele Unternehmen klagen. Mittelständler müssen daher über andere Initiativen punkten.

Eckerle treibt duale Fachkräfte-Ausbildung in Mexiko voran

Eckerle setzt unter anderem auf Ausbildungsangebote für junge Leute. In seinem Werk in Querétaro bildet er angehende Facharbeiter dual aus. So sorgt er dafür, dass seine künftigen Mitarbeiter spezielle Praxis- und Branchenkenntnisse früh erwerben. Außerdem versucht er ihnen damit zu demonstrieren,  dass er in ihre Zukunft investiert und sie nicht bloß eine Nummer im Personalsystem sind – wie das laut Mittelständlern bei manchen Konzernen der Fall ist.

Unterstützt wird die Eckerle-Gruppe bei ihren Ausbildungsprogrammen von der Deutsch-Mexikanischen Handelskammer Camexa, die Initiativen zur dualen Ausbildung vorantreibt. „Den Verantwortlichen in der Regierung ist bewusst geworden, dass Facharbeiter sehr wichtig sind und das Land nicht nur Ingenieure braucht“, sagt Firmenchef Eckerle.

Immer mehr Mittelständler machen es inzwischen genauso: Sie bilden junge Fachkräfte praxisnah aus und binden sie so früh ans eigene Unternehmen – das klassische Weg Lockmittel des deutschen Mittelstands im Kampf um die begehrten Fachkräfte auch in vielen anderen Weltregionen.

Auch Fachkräfte in Mexiko überzeugt gute Firmenkultur

Einen weiteren Trumpf sieht Eckerle in der mittelständischen Firmenkultur, deren Vermittlung er auch in Mexiko als eminent wichtig betrachtet: „Sie nutzt uns nachweislich bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung“, so der Unternehmer.

Der Vorteil: Weder in mexikanischen Firmen noch in internationalen Konzernen ist es üblich, Mitarbeiter als Teil der Familie zu begreifen. In diese Lücke versuchen die deutschen Mittelständler zu stoßen und sich so von den Mitbewerbern um Fachkräfte abzuheben. Ihre Hoffnung: Wenn sich mexikanische Mitarbeiter darüber persönlich wertgeschätzt fühlen, steigt ihre Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber.