Mittwoch, 10.10.2018
Profitabler Markt: Deutsche Mittelständler sind in Mexiko prominent vertreten. Einen rigiden Wechsel in der Wirtschaftspolitik müssen sie unter dem künftigen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador nicht befürchten.

Foto: UlrikeStein/Thinkstock/Getty Images

Profitabler Markt: Deutsche Mittelständler sind in Mexiko prominent vertreten. Einen rigiden Wechsel in der Wirtschaftspolitik müssen sie unter dem künftigen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador nicht befürchten.

Zukunftsmärkte
„Kein neuer Chavez“

Mexikos neuer Präsident will Staatsapparat verschlanken

Im Dezember tritt Andrés Manuel López Obrador sein Amt an. Der neue Präsident Mexikos ist zwar Mitglied der linksgerichteten Morena-Partei. Trotzdem sind seine Vorhaben wirtschaftsfreundlich, berichtet Unternehmensberater Thomas Wagner.

Mexiko ist prominentes Exportziel deutscher Produkte und wichtiger Standort für deutsche Mittelständler. 1.900 Unternehmen mit deutschem Kapital sind laut Deutsch-Mexikanischer Industrie- und Handelskammer (AHK) vor Ort registriert. Sie stammen unter anderem aus Automobil-, Chemie- und Elektronikindustrie. Unter dem derzeitigen mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto profitierten sie von Investitionsförderungen und der Privatisierung einiger Wirtschaftszweige. 

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Müssen deutsche Mittelständler um ihr Unter­nehmen fürchten, wenn mit López Obra­dor ein Linker an die Macht kommt?
Auf keinen Fall. Schon im Wahl­kampf hat López Obrador gesagt, dass er kein mexikanischer Hugo Chavez wer­den will, sondern die Wirtschaft stärken möchte. Außerdem will er den Staatsap­parat verschlanken, statt ihn aufzublasen.

Thomas Wagner ist Geschäftsführer der Beratungsfirma WMP Mexico Advisors.

Foto: WMP

Thomas Wagner ist Geschäftsführer der Beratungsfirma WMP Mexico Advisors.

Was plant er konkret?
Im Moment importiert Mexiko viele Nahrungsmittel, die eigentlich auch im Land selbst produziert werden könnten. Das liegt unter anderem daran, dass die Bauern bei den Banken nur schwer an Kredite kommen, um in moderne Agrar­technologie zu investieren. Das möchte López Obrador ändern. Für deutsche Hersteller von Landwirtschaftsmaschi­nen sind das zum Beispiel gute Nach­richten. Zudem will der neue Präsident in den Gas- und Ölsektor investieren, den Tourismus stärken, die Korruption abbauen und die öffentliche Vergabe von Aufträgen transparenter gestalten.

Mexiko ist wirtschaftlich eng mit den USA verflochten, die geltende Zollfrei­heit ist ein wichtiger Grund für deut­sche Mittelständler, in Mexiko zu pro­duzieren. Mit Donald Trump jedoch kam Unruhe in die Beziehungen. Wird Mexiko vor diesem Hintergrund versu­chen, aus der Abhängigkeit der Vereinig­ten Staaten ausbrechen?
Schon der aktuelle mexikanische Prä­sident Enrique Peña Nieto hat begonnen, die Handelsbeziehungen seines Lan­des zu diversifizieren, um eben nicht so abhängig von einem Exportland zu sein. Ergebnis sind 40 Freihandelsabkommen Mexikos mit Staaten in aller Welt. Auch mit der EU gilt bereits ein Freihandelsab­kommen, von dem deutsche Unterneh­men direkt profitieren. Weitere Abkom­men sind in Vorbereitung.

Die protektionistische Handelspolitik Trumps schreckt viele deutsche Unter­nehmen von einem (verstärkten) Enga­gement in den USA ab. Könnte Mexiko eine gute Alternative sein?
In der Tat sind die Vereinigten Staa­ten derzeit kein Land für ein stabiles Investment. Da die meisten Konzerne von ihren Zulieferern aber fordern, in den drei großen Wirtschaftsregionen – Nordamerika, Asien, Europa – vertreten zu sein, kann sich auch kein Mittelständ­ler ganz von den nordamerikanischen Ländern abwenden. In Mexiko finden sie investitionsfreundliche Bedingungen und qualifizierte Arbeitskräfte. Daher halte ich das Land für die bessere Alter­native zu den USA.