Montag, 12.07.2021

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Michael Ambros: Er ist Chef von eKomi, einem 200 Mitarbeiter starken weltweit agierenden Software-Unternehmen.

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Michael Ambros kämpft für den Erhalt der Kreativität

Die einen nervt er, die anderen macht er glücklich: Michael Ambros leitet ein Bewertungsportal. Wie er Fake-Bewertungen verhindert, und warum er gar nichts von Homeoffice hält, erklärt er im Gespräch.

Er sei, sagt Michael Ambros und verzichtet auf jegliches Understatement, ein Vollblutunternehmer. Und als solcher ist es völlig normal mit 22 ein Unternehmen zu gründen, das er heute, 13 Jahre später, immer noch leitet und das inzwischen in seiner Branche zu den weltweiten Marktführern gehört.

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Seine Branche – das ist eine, die die einen nervt, die für andere aber unverzichtbar ist: Es geht um Bewertungsportale. Diejenigen also, die zuverlässig nach jedem Einkauf im Netz fragen: "Wie war’s?" Ambros ist Chef von eKomi, einem 200 Mitarbeiter starken weltweit agierenden Software-Unternehmen, das seine Dienste Firmen anbietet, die ihre Produkte und Dienstleistungen von Kunden bewertet haben möchten. Und zwar so, dass die Bewertungen echt sind, und es die Kunden der bewerteten Firmen nicht nervt. "Nichts", sagt Ambros, "ist nervender, als die Mail: ´Nehmen sie sich eine Minute Zeit, um unsere Dienstleistung zu bewerten´ und anschließend in Dutzenden von Multiple-Choice-Fragen zu ertrinken." Nichts sei außerdem fragwürdiger, als Bewertungen, die allesamt gut bis sehr gut ausfallen, weil sie ein Unternehmen möglicherweise selbst in Auftrag gegeben habe. Nichts, so fügt er hinzu, ersetze allerdings authentische Bewertungen. Nur so gebe es überhaupt die Chance, von Suchmaschinen wie Google ernstgenommen zu werden. eKomi ist eines von weltweit 15 Unternehmen, dessen Gütesiegel von Google anerkannt wird.

Kunden, Klienten oder Gäste beeinflussen mit ihrer Bewertung Kaufentscheidungen. Was andere über ein Produkt oder eine Dienstleistung sagen, empfinden Erstkäufer oft als glaubwürdiger, als das, was ein Unternehmen mittels Werbebotschaft selbst verbreitet. Werbung allein erzeugt bei möglichen Kunden noch kein ausreichendes Vertrauen, stehen ein Produkt oder eine Dienstleistung doch in Konkurrenz zu vielen ähnlichen Mitbewerbern. Unternehmen und Nutzer können derzeit zwischen mehr als 400 Bewertungsportalen im Internet wählen – wobei Ambros diese Zahl nicht gelten lässt. Er unterscheidet: Es gibt Meinungsportale, auf denen jeder seinen Senf zu etwas geben kann, was er gar nicht kennen muss: ein chinesisches Lokal, das Hotel sonstwo oder die Reise in die Karibik. Echte Bewertungsportale dagegen enthielten keine Kommentare, sondern Beschreibungen eines Produkts oder einer Dienstleistung, die der Bewerter auch gekauft oder in Anspruch genommen hat. "Wir stellen erstmal sicher, ob überhaupt jemand etwas erworben hat", sagt Ambros. Zweiter Schritt ist dann die Bewertung selbst. Sie sollte so einfach sein, wie "Danke" zu sagen, meint der Bewertungs-Profi.

Und weil sich immer mehr Kundinnen und Kunden auf Bewertungen verlassen, floriert eKomi. In mehr als 20 Ländern sind die Berliner mittlerweile unterwegs, in einigen sind sie Marktführer. Finanziert wird das Wachstum aus eigener Tasche. Ambros hat die Investoren rausgekauft, einen Börsengang hat er derzeit nicht vor. Die Pandemie hat eKomi nicht behindert – nur die Sache mit dem Homeoffice hält ausgerechnet Software-Unternehmer Ambros für total daneben. "Ich würde nie ein Unternehmen führen, bei dem ich nicht wüsste, ob alle Truppen an Bord sind", sagt er. Homeoffice sei "wie Koma": Das Unternehmen werde am Leben erhalten, aber jede Kreativität gehe verloren. Und es klingt, als würde der Bewertungsprofi dieser Arbeitsform, wenn er müsste, höchstens einen Stern verleihen.

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