Dienstag, 07.02.2017
Servicetechniker und Ingenieure suchen Mittelständler besonders häufig im Ausland. Kontakte zu guten Leuten schmieden sie über Kooperationen mit Universitäten und Fachschulen.

Bildquelle: Minerva Studio/Thinkstock/Getty Images

Servicetechniker und Ingenieure suchen Mittelständler besonders häufig im Ausland. Kontakte zu guten Leuten schmieden sie über Kooperationen mit Universitäten und Fachschulen.

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Mit Kooperationen gegen Fachkräftemangel im Ausland

Deutsche Mittelständler stehen bei Fachkräften im Ausland nicht ganz oben auf der Wunscharbeitgeber-Liste. Um es dorthin zu schaffen, lohnen sich Kooperationen mit Universitäten und Fachschulen. So wie es der Mittelstand in Deutschland schon praktiziert.
Mitarbeiter zu finden ist für Mittelständler auch im Ausland eine große Herausforderung. „Vor allem die mittleren Positionen der Facharbeiter und Servicetechniker machen uns Schwierigkeiten“, berichtet Gunther Wobser, Geschäftsführender Gesellschafter des Temperiertechnikherstellers Lauda Dr. R. Wobser. Um die Fachkräftelücke zu schließen, nutzt er unter anderem Kooperationen mit lokalen Ausbildungsinstituten.

In Deutschland pflegen viele Mittelständler engen Kontakt zu nahegelegenen Universitäten oder Fachhochschulen, um angehende Ingenieure oder Facharbeiter früh für das eigene Unternehmen zu begeistern und nach dem Abschluss für sich gewinnen zu können. Das Beispiel von Lauda Wobser zeigt, dass diese Praxis auch im Ausland Schule machen kann. 

Auf Jobmesse bei örtlicher Fachschule präsentieren

In den USA beispielsweise unterhält das baden-württembergische Unternehmen seit einigen Jahren eine aktive Kooperation mit der Pennco Tech, einer technischen Schule in Pennsylvania. Dort werden Techniker ausgebildet, teils auf dem zweiten Bildungsweg. Für die Betreuung seiner lokalen Kunden sowie für die Montage der Temperiergeräte vor Ort bringen die Schulabgänger wichtige Qualifikationen mit, berichtet Wobser.

Regelmäßig stellt er mit seinem Unternehmen daher auf Jobbörsen an der Fachschule aus. Zusätzlich dazu bietet Lauda Wobser den Schülern im Rahmen der Ausbildung Praxisschulungen an. „Die Kooperation läuft mittlerweile gut, wir machen uns einen Namen als potentieller Arbeitgeber und haben auf diesem Weg schon einige Mitarbeiter gefunden“, freut sich Geschäftsführer Wobser, der an jedem seiner vier ausländischen Produktionsstandorte für den weltweiten Markt fertigt.

Professoren vermitteln Praktikum für Ingenieursstudenten

Auch an seinem Spanien-Standort in Barcelona unterhält er eine ähnliche Kooperation. „Die Stadt ist mit fünf Universitäten ein akademisches Paradies“, berichtet er. „Und so bedauerlich die hohe Akademiker-Arbeitslosigkeit für Spanien ist – für uns sind das gute Bedingungen.“ Wobser und sein Team stehen dort im ständigen Austausch mit den Lehrstühlen für Ingenieursstudiengänge an der Autonomen Universität Katalonien.

Deren Professoren vermitteln Studenten regelmäßig ein Praktikum bei dem Messtechnikhersteller. Da Lauda Wobser auch regionale Entwicklungsabteilungen an seinen Auslandsstandorten betreibt, entstehen viele unterschiedliche Vakanzen, die für angehende Ingenieure spannend sind.

Kooperation präzise auf Personalsuche abstimmen

Die genaue Art der Kooperation müssen Mittelständler präzise auf ihre lokalen Personalanforderungen abstimmen. Denn je nachdem, ob sie Fachkräfte für die Fertigung suchen, Vertriebsexperten oder Entwickler, entscheidet der richtige Kanal über die Erfolgsaussichten der Zusammenarbeit.

Auch Wobser passt seine Kooperation mit Bildungseinrichtungen entsprechend an. Den breiten Auftritt, den er an der Pennco Tech mit Jobmessen-Ausstellungen praktiziert, hält er in Barcelona für die falsche Strategie. In den USA braucht er jedes Jahr mehrere Servicetechniker, in Spanien in der gleichen Zeitspanne lediglich ein bis zwei Ingenieure. „Eine Jobmessen-Präsenz wäre in Barcelona daher wie auf Spatzen mit Schrotflinten zu schießen“, meint er.
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