Freitag, 25.05.2018
Die Automatisierung der Industrie in afrikanischen Märkten hat gerade erst begonnen. Geschäftschancen für den deutschen Mittelstand gibt es daher zuhauf.

Bildquelle: Wavebreakmedia/Thinkstock/Getty Images

Die Automatisierung der Industrie in afrikanischen Märkten hat gerade erst begonnen. Geschäftschancen für den deutschen Mittelstand gibt es daher zuhauf.

Zukunftsmärkte
Politisches Momentum nutzen

„Mittelstand kann Aufschwung in Afrika mitgestalten“

Viele Mittelständler, die neue Absatzmärkte suchen, richten den Blick auf Afrika. Das ist vor dem Hintergrund stabiler Wachstumszahlen in den Ländern südlich der Sahara nicht nur wirtschaftlich sinnvoll. Sondern auch politisch gewollt.

Spätestens seit der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 arbeiten die europäischen Regierungen mit Hochdruck am Ruf der afrikanischen Märkte. Zahlreiche Partnerschaftsprogramme wurden aufgelegt, man will nun die Wirtschaft vor Ort fördern statt Entwicklungshilfe zu betreiben. „Fluchtursachen bekämpfen“, nennt das die Politik, Perspektiven haben im eigenen Land statt auswandern nach Europa.

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Dass die europäische Privatwirtschaft diese Entwicklung mittragen und gestalten muss, ist den politischen Verantwortlichen klar. Daher liest sich ein Teil der Programme auch als Werbekampagne. Afrika soll von Unternehmern als Chancenkontinent wahrgenommen werden, nicht als investitionsfressender Abgrund, so das Ziel der Politik.

Angst vor rechtlichen Unsicherheiten

„Noch ist die öffentliche Wahrnehmung Afrikas häufig von den drei K geprägt: Kriege, Krankheiten, Korruption“, kritisiert Christian Lindfeld, Afrika-Experte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der selbst einige Jahre in afrikanischen Ländern gearbeitet und zahlreiche Mittelständler bei Investitionen vor Ort unterstützt hat. Vor dem Markteintritt scheuten viele zurück, weil sie rechtliche Unsicherheiten und politische Instabilität fürchten. „In dieser Pauschalität zu Unrecht“, so Lindfeld.


Denn auch aus Unternehmersicht sei die Orientierung gen Afrika sehr sinnvoll, findet der Experte. Vor allem die afrikanischen Länder südlich der Sahara („Subsahara-Afrika“) verzeichnen seit Jahren ansehnliche Wachstumsquoten. Hier bildet sich eine Mittelschicht, die gut ausgebildet ist und Geld hat, um gehobene Bedarfe zu befriedigen. Industrie und Landwirtschaft sind noch kaum automatisiert – Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Maschinenbauer und Industrieausrüster entstehen dadurch zuhauf. 

Stabile Investitionsbedingungen

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung verbessern sich auch die Investitionsbedingungen in vielen Ländern, berichtet Lindfeld. „Viele Länder in Subsahara-Afrika sind schon seit Jahren politisch sehr stabil, dort gibt es breite Netzwerke der deutschen Unternehmerschaft über die AHKs, an die Neuankömmlinge anknüpfen können.“

Schon trägt die Arbeit am Ruf Afrikas erste Früchte: Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) plant jedes zehnte deutsche Industrieunternehmen eine Investition in afrikanischen Märkten. Delegationsreisen und Wirtschaftskonferenzen in die aufstrebenden Staaten sind schnell ausgebucht, berichten deren Ausrichter. Und auch Lindfeld beobachtet wachsendes Interesse: Seit Jahresbeginn hat er schon mit mehr Mittelständlern zu Afrika-Engagements gesprochen als in den vergangenen beiden Jahren.

Wettbewerb mit anderen Investoren nicht scheuen

Den Einstieg erleichtert deutschen Mittelständlern auch die Tatsache, dass afrikanische Unternehmer kaum warten können, mit ihnen ins Geschäft zu kommen. „Deutsche Produkte und Unternehmen haben auch in afrikanischen Märkten einen hervorragenden Ruf“, meint Lindfeld.

Auch den Wettbewerb mit anderen Investoren müssen deutsche Unternehmen in Afrika nicht scheuen. Die in vielen Bereichen dominanten chinesischen Investoren haben mittlerweile einen schlechten Ruf. Denn sie schaffen keine lokalen Arbeitsplätze und erzeugen keine nachhaltige Entwicklung, berichten Unternehmer aus Gesprächen vor Ort. Mittelständische Betriebe legen ihr Engagement langfristig aus, so Lindfeld. Das nutzt den Zielmärkten. Und tut seinen Teil, die Perspektiven in afrikanischen Märkten dauerhaft zu verbessern.