Dienstag, 11.10.2016
Nicht nur in Teheran: In einigen Branchen sind schon Kooperationsprojekte zwischen iranischen und europäischen Firmen angelaufen. Der Iran-Handel bleibt aber schwierig.

Fotoquelle: mazzzur/Thinkstock/Getty Images

Nicht nur in Teheran: In einigen Branchen sind schon Kooperationsprojekte zwischen iranischen und europäischen Firmen angelaufen. Der Iran-Handel bleibt aber schwierig.

Zukunftsmärkte
Kritik der deutschen Wirtschaft

Mittelstand wartet noch auf Boom im Iran-Handel

Im Januar fielen die Sanktionen gegen den Iran, seitdem sind viele Wirtschaftsdelegationen in den Golfstaat gereist. Doch handfeste Projekte sind erst in begrenztem Umfang angelaufen. Ein Zwischenbericht.
Anfang des Jahres als aussichtsreicher Wachstumsmarkt gefeiert, wartet der Iran noch immer auf den ganz großen Durchbruch. In einigen Branchen sind bereits Kooperationsprojekte angelaufen. In anderen hemmt die Möglichkeit von Sekundärsanktionen der USA Firmen, ins Iran-Geschäft einzusteigen. Auch laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) entwickeln sich die Handelsbeziehungen mit dem Iran „leider zäher als gedacht“.

Volkswirtschaftlich  geht es dem Iran ausgesprochen gut: Für das Gesamtjahr 2016 rechnet die Regierung in Teheran mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 5 Prozent. Der Internationale Währungsfond (IWF) prognostiziert für die kommenden fünf Jahre jeweils ein Plus von 4 Prozent.

Iran-Handel: Automobilsektor und Ölbranche interessant

Im Automobil-Bereich laufen bereits Kooperationsprojekte mit europäischen Partnern. So hat der französische Autobauer Renault kürzlich zugesagt, eine Fabrik im Iran zu errichten. Da der Import von Fahrzeugen vom iranischen Zoll mit hohen Einfuhrabgaben belegt ist, ist die Produktion vor Ort eine vielversprechende Möglichkeit, den eigenen Marktanteil auszubauen. Auch Mercedes und Volkswagen führen bereits Gespräche.

Im Öl- und Gassektor – der wichtigsten Branche des Iran – hoffen lokale Firmen auf die Kooperation mit europäischen Partnern. Durch den Einsatz von ihnen eingebrachter moderner Technologien wollen die Ölfirmen den Ausstoß ihrer aktiven Ölfelder steigern oder neue Vorkommen erschließen. Gespräche über die Lieferung von Anlagen oder Technologien führt der Iran unter anderem mit Linde und Siemens.

Geschäft im Iran eigentlich recht risikoarm

In den meisten Branchen ist für ein Engagement im Iran für europäische Firmen jedoch ein Joint Venture mit einem lokalen Partner Voraussetzung – auch das erschwert den Geschäftsaufbau. Der ausländische Partner darf maximal einen Anteil von 49 Prozent an der lokalen Firma halten. Einen Großteil des Investitionsbudgets muss er im Iran ausgeben.

Nachdem die Finanzierungshürden im März gefallen sind und Ende Juni auch Hermes-Exportversicherungen für Lieferungen in den Iran möglich wurden, sind Geschäftstätigkeiten für deutsche Firmen eigentlich relativ risikoarm. Bei Verletzung der Einigung im Atomprogramm von Juli 2015 jedoch kann das Sanktionsregime laut „Snap-Back Option“ wieder eingeführt werden.