Donnerstag, 07.12.2017

Foto: MariuszPrusaczyk/Thinkstock/GettyImages

Hinter verschlossenen Kuppeln: Noch immer hat sich der iranische Markt für deutsche Unternehmen nicht komplett geöffnet. Der Grund: Die fehlende Sicherheit bei der Finanzierung von Geschäften.

Zukunftsmärkte
Alle Institutionen unter einem Dach

Neue Anlaufstelle für deutsche Mittelständler im Iran

Mittelständler sollen leichter in den Iran expandieren können. Um die Anbahnung von Geschäftskontakten zu erleichtern, hat die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer ein Business-Center eingerichtet. Mit dabei sind viele weitere Institutionen.

Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer (AHK Iran) hat vor Kurzem ihr neues Business-Center in der iranischen Hauptstadt Teheran eingeweiht. Neben der AHK sitzen nun auch Verbände der deutschen Wirtschaft, etwa der VDMA, die Konsularabteilung der deutschen Botschaft und Dependancen deutscher Unternehmen unter einem Dach. Von der Beantragung eines Visums über die Markteintrittsberatung bis hin zur Suche nach Geschäftspartnern – das Business-Center soll Unternehmen eine einzige Anlaufstelle für verschiedene Dienst- und Beratungsleistungen bieten.

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Damit will die AHK sowohl deutschen als auch iranischen Unternehmern die Anbahnung von Geschäftskontakten erleichtern, sagt Amir Alizadeh, stellvertretender Geschäftsführer der Auslandshandelskammer. Deutschen Unternehmen, die im Iran noch keine eigene Tochtergesellschaft gründen können oder wollen, bietet die Handelskammer darüber hinaus temporäre Büroflächen an. Angaben der AHK zufolge wenden sich deutsche Unternehmen immer öfter mit konkreteren Anfragen an die Kammer. Sie erhoffen sich Hilfe, wenn es darum geht, ihre Expansion in den Markt zu planen. 

Warenaustausch immer noch unter den Erwartungen

Jahrelang hat der Iran unter strengen Wirtschaftssanktionen gelitten, war international isoliert. Vor zwei Jahren dann kam der Abschluss des Atomabkommens. Der Iran betrat wieder die internationale Wirtschaftsbühne. Damals rechneten Wirtschaftsexperten damit, dass die deutschen Exporte innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre auf 10 Milliarden Euro klettern könnten. „Nach Abschluss des Atomabkommens vor zwei Jahren waren die Erwartungen bei manchen Unternehmen sicher zu hoch“, räumt Alizadeh ein.

Dass der bilaterale Warenaustausch immer noch unter den Erwartungen liege, sei auch der schwierigen Finanzierung von Geschäften geschuldet. Hinzu komme das Klima der Unsicherheit, das US-Präsident Donald Trump schüre, indem er mit einem Ausstieg aus dem Atomabkommen drohe. „Persönlich halte ich dieses Risiko zwar für gering“, sagt Alizadeh, „aber mit seinen ständigen Drohungen schafft Trump ein Klima der Unsicherheit, das sich negativ auf die Wirtschaft niederschlägt.“ Auch ausländische Banken seien verunsichert und scheuten sich, Geschäfte mit dem Land zu finanzieren.

Sobald die Frage der Finanzierung gelöst sei, könne der bilaterale Handel schnell an Fahrt gewinnen, glaubt Alizadeh. Mittelfristig rechnet der AHK-Experte damit, dass der Außenhandel Deutschlands mit dem Iran wieder das Niveau aus dem Jahr 2005 erreichen werde: Damals summierte sich das bilaterale Handelsvolumen auf 5 Milliarden Euro. Geschäftschancen für deutsche Mittelständler bietet die iranische Wirtschaft vor allem in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Aber auch der Bereich der erneuerbaren Energien weist ein hohes Wachstumspotential auf.