Dienstag, 13.12.2016
Die neu geregelte Langzeit-Lieferantenerklärung empfinden viele Unternehmer als Hürde im Export.

Bildquelle: takenobu/Thinkstock/Getty Images

Die neu geregelte Langzeit-Lieferantenerklärung empfinden viele Unternehmer als Hürde im Export.

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Neue Langzeit-Lieferantenerklärung verteuert Export

Seit Mai müssen Exporteure für unterjährige Aufträge zwei Lieferantenerklärungen ausstellen: Eine rückwirkende und eine in Zukunft gültige. Das treibt Abwicklungskosten und Bürokratieaufwand.

Schon ein halbes Jahr nach ihrer Einführung haben Exportbetriebe Probleme mit der neuen Langzeit-Lieferantenerklärung (LLE). Die Erklärung zu erstellen dauere erheblich länger und mache die Exportabwicklung teurer, kritisieren Unternehmen. Zudem behindere die geänderte Gültigkeitsdauer eine flexible Auftragsbearbeitung.

Seit dem 1. Mai 2016 kann eine LLE nur rückwirkend oder für einen Zeitraum in der Zukunft ausgestellt werden. Am Ausstellungsdatum ist die Langzeit-Lieferantenerklärung noch nicht gültig. Das macht die zuvor gängige Praxis, Lieferantenerklärungen zu beantragen, während ein Auftrag schon läuft, unmöglich. Exporteure müssen nun längerfristig planen und verlieren viel Flexibilität bei der Bearbeitung von Kundenaufträgen. 

IHK-Umfrage: Kosten pro LLE um Hälfte höher

In einer Umfrage der IHK Stuttgart gaben 94 Prozent der 1.200 befragten Unternehmen an, von diesen Neuerungen betroffen zu sein. Mehr als zwei Drittel der Betriebe gab an, unterjährige Langzeit-Lieferantenerklärungen für das laufende Kalenderjahr auszustellen. Diese Praxis werden sie nun ändern müssen.

Zusätzlich dazu kritisieren die befragten Betriebe den erhöhten Verwaltungsaufwand durch die neuen LLE-Regeln. 86 Prozent der Betriebe gaben an, dass die Ausstellung der neuen Langzeit-Lieferantenerklärung mehr Arbeitszeit erfordere. Denn für einen unterjährig eingehenden Kundenauftrag müssen sie nun zwei Lieferantenerklärungen ausstellen – einen rückwirkend gültigen und einen, der in die Zukunft reicht. Die Kosten pro LLE sind laut ihren Aussagen seit 2012 um etwa die Hälfte gestiegen. 

Lieferantenerklärung nur noch auf Anfrage

Kunden diese Zusatzkosten in Rechnung zu stellen, sehen die befragten Unternehmen nicht als Option. Die Ausstellung von Lieferantenerklärungen gehöre zum Service, geben die von der IHK Stuttgart befragten Betriebe an. 95 Prozent von ihnen wollen Lieferantenerklärungen aber nur noch auf Anforderung des Kunden ausstellen, nicht mehr standardmäßig.

Lieferantenerklärungen sind praktische Voraussetzung dafür, Zollvorteile internationaler Handelsabkommen nutzen zu können. Langzeit-Lieferantenerklärungen dokumentieren den erforderlichen Ursprungsnachweis für einen längeren Zeitraum entlang der Lieferkette.

Eine zögerlichere Ausstellung von Lieferantenerklärungen könnte laut Einschätzung der IHK Stuttgart zur Folge haben, dass Unternehmen internationale Präferenzabkommen weniger für sich nutzen. Die fortschreitende globale Zollerleichterung erhielte dadurch einen Dämpfer.