Freitag, 03.05.2013
Zukunftsmärkte
Neue Märkte: Mexiko und die Pazifik-Allianz

Pazifik-Allianz bringt neue Perspektiven bei Auslands-Expansion

In Lateinamerika entsteht ein neues Bündnis. Die Pazifik-Allianz hat viel vor. „Wir möchten mit der ganzen Welt handeln“, erzählt der mexikanische Botschafter in Deutschland, Francisco N. González Díaz im Markt und Mittelstand-Interview.

Markt und Mittelstand: Herr Botschafter, wie wird die Pazifik-Allianz den Wirtschaftsstandort Mexiko verändern?
Francisco N. González Díaz: Durch die Pazifik-Allianz werden wir noch stärker zur Drehscheibe zwischen Nord und Süd und zwischen West und Ost. Mexiko verbindet aufgrund seiner geografisch günstigen Lage die Länder des Atlantiks mit jenen des Pazifiks. Kern dieser Allianz ist eine Freihandelszone der vier Länder Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile. Dadurch entsteht ein Markt von etwa 200 Millionen Einwohnern.

MuM: Welche Vorteile ergeben sich für deutsche Mittelständler in Mexiko durch die Pazifik-Allianz?
González Díaz: Wir haben bessere Konditionen als andere Länder vor Ort. Mexiko hat als einziges Land Südamerikas ein Doppelbesteuerungsabkommen, ein Freihandelsabkommen und ein Investitionsschutzabkommen mit Deutschland. Güter können so problemlos von Europa nach Mexiko und umgekehrt transportiert werden. Hinzu kommen wichtige Abkommen mit Ländern der Region im für uns sehr wichtigen Automobilsektor. Audi baut gerade ein neues Werk in Mexiko. Das zeigt die Attraktivität des Standorts für deutsche Unternehmen, auch für Mittelständler. Deutsche Unternehmen investieren heute 25 Milliarden US-Dollar in Mexiko.

Pazifik-Allianz für Unternehmens-Expansion attraktiv

Botschafter von Mexiko in Deutschland

Francisco N. González Díaz ist der Botschafter von Mexiko in Deutschland.

MuM: Was genau ist das attraktive daran?
González Díaz: Schon heute können Unternehmen, die sich in Mexiko ansiedeln, durch das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA zollfrei in die USA exportieren. Hinzu kommt die Brücke Mexikos nach Lateinamerika, etwa zu den Allianz-Ländern Peru, Chile und Kolumbien. Mexiko investiert in diesen drei Ländern ebenfalls 25 Milliarden US-Dollar. Die Exportquote Mexikos liegt bei 70 Prozent.

MuM: Die vier Mitglieder der Pazifik-Allianz haben erklärt, 90 Prozent der Zölle untereinander abbauen zu wollen. Wie sieht die konkrete Umsetzung aus?
González Díaz: Innerhalb der nächsten zwei Monate sollen 90 Prozent der Güter zollfrei zwischen den vier Bündnispartnern zirkulieren können. Außerdem wird ein Abkommen über die Ursprungsbezeichnungen abgeschlossen, was die ebenso zollfreie Weiterverarbeitung von Waren eines Landes der Pazifik-Allianz in einem anderen ermöglicht. Das sind ehrgeizige Ziele, aber ich bin mir sicher, dass wir das schaffen werden.

MuM: Welche Möglichkeiten bietet die Pazifik-Allianz außerdem?
González Díaz: Die Pazifik-Allianz möchte neben dem freien Austausch von Gütern auch noch den freien Verkehr von Personen und Kapital ermöglichen. So wurden Arbeitsvisa bereits abgeschafft, was bedeutet, dass Mitarbeiter eines Unternehmens in einem Land auch in einem anderen Mitgliedsland der Pazifik-Allianz arbeiten können. Darüber hinaus wird auch die duale Ausbildung nach deutschem Vorbild erweitert, der Austausch von Azubis ermöglicht sowie jährlich 100 Stipendien für Studierende vergeben. Schließlich werden die vier Länder mit MILA eine Börsenunion untereinander schließen.

Expansion und Blick nach Asien

MuM: Durch die Aufnahme in die Trans Pacific Partnership (TPP), einem Freihandelsbündnis zwischen den ASEAN-Staaten, den USA und den Ländern der Pazifik-Allianz, kommt noch ein weiterer Markt hinzu – nämlich der asiatische. Sehen Sie hier keine Gefahr, dass Mexiko nur mehr interessant ist, weil ein Unternehmen von dort aus den asiatischen Markt bedienen kann?
González Díaz: Nein, wir sehen unsere geografische Lage als Chance für den Freihandel. Wir möchten mit der ganzen Welt handeln. Darin liegt der Vorteil dieser Mitgliedschaft. Die USA und Kanada haben uns deshalb dazu eingeladen.

MuM: Bündnisse sind in Lateinamerika nicht unbedingt eine Neuigkeit. Andere, wie zum Beispiel der Mercosur oder ALBA, haben aber nie richtig funktioniert. Was macht Sie so sicher, dass das bei der Pazifik-Allianz anders wird?
González Díaz: Mit der Abschaffung der Visa und mit weltweiten gegenseitigen Vertretungen in Ländern, in denen nicht alle Bündnispartner über eine Botschaft verfügen sind bereits erste Ergebnisse vorhanden. Hinzu kommt, dass die vier Länder der Pazifik-Allianz eine kulturelle Verbindung haben und die gleichen Werte teilen. In manch anderen Bündnissen werden wirtschaftliche und politische Ziele vermischt. Bei der Pazifik-Allianz handelt es sich jedoch um kein politisches Bündnis, sondern um ein wirtschaftliches. Das vereinfacht die ganze Sache.

MuM: Auch jenseits des Atlantiks haben Staaten bereits Interesse an dem Bündnis angemeldet. Spanien hat bereits Beobachterstatus, die Schweiz hat diesen beantragt. Haben noch andere Länder Interesse gezeigt?
González Díaz: Auch Deutschland haben wir bereits offiziell eingeladen, Beobachter zu werden. In diesem Status ist man näher dran an den Entwicklungen und kann Unternehmen leichter Hilfestellung anbieten, die in der Region wirtschaftlich aktiv sind.

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