Donnerstag, 17.09.2015

Bildquelle: Halfpoint/Thinkstock/Getty Images

Die industrielle Basis ist in den meisten N-11-Märkten noch sehr schwach. Aber die Kaufkraft zur Anschaffung von Investitionsgütern nimmt zu.

Zukunftsmärkte
Marktchance abseits von BRIC

Next Eleven bieten große Chancen

Während die BRIC-Staaten mit Börsencrashs, Wirtschaftssanktionen und korrupten Eliten kämpfen, punkten die Next Eleven als profitable Zielmärkte für den deutschen Mittelstand.

In China kollabierte Ende August die Börse, die russische Wirtschaft wird von den Sanktionen der EU hart getroffen und Brasilien hat die Chefs nahezu aller großen Industriekonzerne wegen Verdachts auf Korruption festgesetzt – die Lage in den ehemals so hochgehandelten BRIC-Staaten ist nicht mehr sonderlich attraktiv für deutsche Firmen.

Daher treten andere Länder ins Blickfeld des deutschen Mittelstandes. Etwa die Ländergruppe der Next Eleven (N-11).

Hinter dieser Kennung verbergen sich Ägypten, Bangladesch, Indonesien, der Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, die Philippinen, Südkorea, die Türkei und Vietnam. „Sie alle werden in den kommenden Jahren ein Wachstum erreichen, das die Weltwirtschaft nachhaltig beeinflusst“, erklärt Christoph Witte, Deutschlandchef des Kreditversicherers Credimundi. Bis spätestens 2050 wird auch das letzte dieser elf Entwicklungsländer den Rückstand zu den Industrienationen aufgeholt haben, prognostizierte Global Sachs schon vor zehn Jahren.

Konsumgüter und Maschinen für N-11

Aussichtsreich sind die Märkte unter anderem für Hersteller von Konsumgütern. Denn die Bevölkerung der N-11-Länder ist jung und kaufkräftig. Auch Exporteure von Kapitalgütern können am Aufschwung mitwirken. Mit Ausnahme von Südkorea ist die Industrie in nahezu allen der N-11-Staaten unterentwickelt. „Der Bedarf für deutsche Maschinen und Automatisierungstechnik ist groß, und langsam kommt auch das Geld rein, um sie anzuschaffen“, rechnet Witte vor.

In die Kosten-Nutzen-Rechnung einbeziehen müssen deutsche Firmen jedoch die politischen Schwierigkeiten vor Ort. Denn in nahezu allen N-11-Ländern schwelen Konflikte. So befindet sich Pakistan im Grenzkrieg mit dem Nachbar Indien und im Iran herrscht eine wenig säkulare Riege aus „Revolutionsführern“ und Expertenrat.

„Auch die protektionistischen Tendenzen, die in einigen Ländern der N-11-Gruppe zutage treten, müssen Unternehmer bedenken“, meint Witte. So hat Nigeria im Frühsommer den Import einiger Waren beschränkt, um nach eigenen Angaben mehr auf Selbstversorgung zu setzen, und in Indonesien ist es seit Sommer dieses Jahres nicht mehr möglich, Geschäfte in internationalen Währungen abzuwickeln.

Politische Umwälzung ist Chance für die Wirtschaft

Diese Risiken sollte keiner verharmlosen. Aber sich von ihnen abschrecken zu lassen, hält Witte auch für falsch. Denn dagegen könne man sich absichern.

Zudem sind politische Umwälzungen auch eine Chance für die Wirtschaft. Sie bringen Bewegung in den Markt und bieten Ansatzpunkte für ausländische Firmen. Schon jetzt gibt es auch gute Nachrichten aus den N-11: Der Iran wird bald ein freizugänglicher Exportmarkt sein, da seine Führungsriege im Atomstreit mit den USA eine Einigung erzielt hat; die Wahlen in Nigeria Anfang des Jahres verliefen weitgehend friedlich. Und so treten die N-11 nach und nach doch ins Blickfeld deutscher Firmen.

Info

Informationen über Ausschreibungen oder Förderprogramme in den N-11-Märkten erhalten deutsche Firmen im Portal von Germany Trade and Invest: www.gtai.de/projekte-ausschreibungen