Donnerstag, 08.02.2018
Bei deutschen Banken erhalten Exporteure weiterhin keine Finanzierungen für ihr Geschäft mit dem Iran.

Bildquelle: mariusz_prusaczyk/Thinkstock/Getty Images

Bei deutschen Banken erhalten Exporteure weiterhin keine Finanzierungen für ihr Geschäft mit dem Iran.

Zukunftsmärkte
Abbau von Export-Hürden

Oberbank und Bpifrance ermöglichen Finanzierung von Iran-Geschäft

Österreich und Frankreich sind einen Schritt gegangen, den deutsche Mittelständler auch von der Bundesregierung erwarten: Politische Zusagen im Iran-Handel, damit einheimische Banken Finanzierungen anbieten können. Denn hieran hapert es beim Export weiterhin.

Trotz politischer Proteste bleibt der Iran ein interessanter Markt für deutsche Mittelständler. Die Exporte steigen das zweite Jahr in Folge, liegen jedoch noch weit unter dem Niveau vor den Sanktionen. Denn deutsche Exporteure leiden unter einem Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten.

2016 stand der Iran im Fokus deutscher Exporteure: Nach der Lockerung der Sanktionen, dem Wiederanschluss an den internationalen Zahlungsverkehr (SWIFT) und der Wiederaufnahme der Hermesdeckungen schien eine Rückkehr zu früheren Absatzzahlen möglich. Der Nachholbedarf erschien riesig, frühere Geschäftspartner standen mit offenen Armen bereit. Doch deutsche Banken blieben bei der Finanzierung der Geschäfte sehr zurückhaltend.

Fehlende Transparenz erschwert Compliance im Iran

Sie sehen das Iran-Geschäft weiterhin kritisch, da eine genaue Prüfung der beteiligten Personen und Unternehmen sowie der Finanzdaten nötig ist. Da Informationen im Iran nicht verfügbar sind, ist die Einschätzung von Compliance-Risiken aber schwierig, berichtet die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer (AHK Iran). Zudem besteht weiterhin die Gefahr, dass die US-Behörden Verstöße gegen US-Recht sanktionieren. So sollte beispielsweise die Verwendung des US-Dollar und jeglicher USA-Bezug vermieden werden. Erst recht, da US-Präsident Donald Trump sogar mit einer Verschärfung der Sanktionen droht.

Aktuell unterstützt die Bundesregierung die Projekte deutscher Unternehmen im Iran mit Deckungszusagen. Nach Angaben von Euler Hermes wurden bis Ende 2017 insgesamt 47 Transaktionen im Gesamtwert von 795 Millionen Euro positiv entschieden. Anerkannte iranische Institute sind die Bank of Industry and Mine (generell bis zu einem Obligobetrag von 25 Millionen Euro) sowie Bank Melli, Bank Tejarat, Bank Mellat, Bank Keshavarzi und Middle East Bank auf Einzelfallbasis. Der Bund nimmt Akkreditive dieser Banken in Deckung. Die OECD senkte im Januar 2018 die Länderklassifizierung des Iran von Kategorie 6 auf Kategorie 5. Dadurch werden staatliche Exportdeckungen günstiger.

AHK-Chef Tockuss: Politische Unterstützung nötig

Eine längerfristige Finanzierung des Iran-Geschäfts wäre mit einer stärkeren politischen Unterstützung möglich, glaubt Michael Tockuss, Geschäftsführer der IHK Iran in Hamburg. So habe beispielsweise die österreichische Oberbank im Herbst 2017 ein Rahmenkreditabkommen mit 14 iranischen Banken vereinbart, um Exporte österreichischer Unternehmen mit staatlicher Deckungszusage der OeKB über einen Zeitraum von zwei bis zehn Jahren zu finanzieren.

Allerdings ist das Thema nach Auskunft von Claudia Raml, Stellvertretende Leiterin der Abteilung Corporate & International Finance der Oberbank, derzeit „on hold“. Im Gespräch mit dem „Exportmanager“ verweist sie auf die Rechtsunsicherheit und die Komplexität der Projekte, die Finanzierungen erschwerten. Zahlungsverkehr und Dokumentengeschäft funktionierten jedoch bereits seit langem.

Der deutschen Regierung schlägt Tockuss vor, dass eine staatliche Bank wie die KfW dem Iran eine Finanzierung von 1 Milliarde Euro zusichert. Dann wären auch andere deutsche Banken bereit, Finanzierungen anzubieten, und die verfügbaren Hermesdeckungen könnten tatsächlich genutzt werden.

Iran-Geschäft trotzdem mit zweistelligen Zuwächsen

Die französische Regierung ist diesen Schritt bereits gegangen und wird über die staatseigene Bpifrance auf Euro lautende Exportgarantien von bis zu 1,5 Milliarden Euro für iranische Käufer französischer Waren und Dienstleistungen übernehmen. Dabei werden die Finanzierungen so strukturiert, dass ein Bezug zu den USA und dem US-Dollar ausgeschlossen ist.

Deutsche Exporteure haben die Hoffnung, dass Deutschland nachzieht, nun da zwei europäische Nachbarn den Schritt gegangen sind. Denn weiterhin gibt es viel Potential im Markt. Auch wenn die erhofften Sprünge im Iran-Handel ausgeblieben sind, hat sich der deutsche Export doch bereits ordentlich entwickelt. Die Lieferungen in den Iran stiegen in den ersten zehn Monaten 2017 um 19,7 Prozent auf rund 2,4 Milliarden Euro und könnten im Gesamtjahr 3 Milliarden Euro erreichen. Diese Marke wurde zuletzt 2011 überschritten. Im Jahr 2016 waren die deutschen Exporte bereits um 25,3 Prozent gewachsen und betrugen knapp 2,6 Millionen Euro.