Donnerstag, 21.02.2013
Zukunftsmärkte
Plagiate

Immer mehr Plagiate aus Deutschland

China ist weltweit illegaler Kopierer Nummer eins. Immer mehr Plagiate kommen allerdings aus Deutschland. Vier von fünf Unternehmen sind jährlich betroffen.

Geht es um die Herkunft von Plagiaten, blicken Unternehmen hierzulande reflexartig zu allererst nach China. Plagiate kommen jedoch zunehmend nicht aus Fernost, sondern aus deutschen Unternehmen. Heimische Plagiate legten 2012 deutlich zu, wie eine Studie des VDMA zeigt. Bereits 26 Prozent der an der Studie teilnehmenden Maschinenbauer nennen Deutschland als Herkunftsland von Plagiaten. 2010 waren es noch 19 Prozent. Auch Hochdruckreiniger-Hersteller Kärcher wurde bereits Opfer von Plagiatoren aus der Nachbarschaft. „Plagiate sind ein weltweites Problem. In China werden sie nur durch den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre besonders spürbar“, sagt Hartmut Jenner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kärcher. Die Tendenz zu mehr Plagiaten aus dem Inland bestätigt auch Christine Lacroix, Geschäftsführerin der Plagiarius Consultancy GmbH: „Die Skrupel, Plagiate herzustellen oder zu vertreiben, sind auch hierzulande geringer geworden.“

Gründe für Plagiate

Hintergrund ist meist der Preisdruck, unter dem „Made in Germany“-Hersteller stehen. Zum einen gibt es Fälle, wo Plagiate von deutschen Unternehmen in Auftrag gegeben werden. Der Kopierer ist billiger als der Hersteller des Originalprodukts. Die Gewinnspanne im Vertrieb wird dadurch höher. Der Schraubenhändler Würth etwa bezog eine Gehrungsschere lange Jahre vom Originalhersteller aus Kiel. Später fand sich das Plagiat aus Taiwan ohne entsprechende Kennzeichnung in den Regalen von Würth. Eine Sprecherin von Würth sagte, dass das Produkt seit 1995 im Sortiment sei und seit 2003 auch aus Taiwan bezogen werde. Bei dem Produkt handle es sich ihrer Meinung nach um Standardtechnik. Im anderen, häufigeren Fall beziehen Unternehmen Plagiate durch einen Importeur aus dem Ausland – wissend oder unwissend. Die Unternehmen lassen sich zwar bestätigen, dass die Waren frei von Rechten Dritter sind, doch kann das in der Praxis oft nicht überprüft werden. „Galeria Kaufhof wurde im Februar 2012 vom Originalhersteller auf das Plagiat im Sortiment hingewiesen. Trotz Beteuerung, dieses ‚unverzüglich im April 2012 aus dem Sortiment genommen zu haben‘, konnte man das Plagiat nachweislich im September 2012 noch online kaufen“, schildert Lacroix. Laut VDMA entsteht durch die illegalen Kopien ein Schaden von knapp 8 Milliarden Euro. Die meisten hergestellten Plagiate, nämlich 38 Prozent, sind heute bereits für den weitweiten Vertrieb vorgesehen. Für den Absatzmarkt China sind 37 Prozent bestimmt, für den Markt in Deutschland 17 Prozent.

Erfolgreiche Plagiate-Abwehr

Patente und Gebrauchsmuster anzumelden ist wichtig, aber kein ausreichender Schutz gegen Plagiate. Bewusstseinsbildung ist wichtig. Unternehmen wie Kärcher oder Hansgrohe gehen offensiv gegen Plagiate vor und machen auch vor Klagen nicht Halt. Denn Produktpiraten stecken heutzutage viel Geld und Personal in die Produktion von Plagiaten „Gegen Produktpiraten muss man mit System vorgehen. Unser Produkt wurde mit einem 3D-Scanner kopiert, welcher rund eine Million Euro kostet“, schildert Jenner die Erfahrung bei Kärcher. Wichtig sei es auch, den Prozess medial zu unterstützen, um auf die Bedeutung des eigenen Unternehmens aufmerksam zu machen. Bei einer Klage sollte man unbedingt auch alle rechtlich erlaubten Mittel ausschöpfen. Das kann durchaus ein Vorteil sein, wie Jenner berichtet: „In China können zum Beispiel versteckt gemachte Film- und Fotoaufnahmen vor Gericht verwertet werden. Das erleichtert die Beweiswürdigung in vielen Fällen natürlich.“ Ebenso ist es wichtig, den Markt täglich zu überblicken und nach möglichen illegalen Kopien Ausschau halten. Oftmals werden allerdings nicht nur Design und Technik der Produkte selbst übernommen, sondern gleich die gesamte Website oder die Fabrik des Originalherstellers kopiert.

China Spitzenreiter bei Kopien

Der weltweite Handel mit Fälschungen wird von der OECD mit 250 Milliarden Dollar jährlich beziffert. Tatsächlich ist China nach wie vor Kopierland Nummer eins. Über 70 Prozent der vom VDMA befragten Unternehmen nennen China als Herkunftsland für gefälschte Produkte. Kopiert werden vorrangig Komponenten von Maschinen sowie ganze Maschinen. Zuletzt hatte etwa Kärcher einen Prozess gegen einen chinesischen Produktpiraten vor einem Gericht in China gewonnen. Der Produktpirat darf den Hochdruckreiniger nicht weiter herstellen und muss eine Kompensationszahlung an das schwäbische Familienunternehmen leisten. Der Nachbau des Kärcher Reinigungsgeräts war so gut gemacht, dass sogar die Original-Ersatzteile passten. Die Fabrik des Fälschers wurde von den chinesischen Behörden geschlossen. Auch gegen die Fälschung eines Fenstersaugers wurde bereits eine Klage in China eingereicht.


In China steigt mittlerweile allerdings das Unrechtsbewusstsein für illegale Kopien. 2012 konnte ein Rückgang gefälschter Produkte aus China um 6 Prozent verzeichnet werden. Die Erfolgsaussichten von Klagen ausländischer Unternehmen steigen, weil auch chinesische Unternehmen zunehmend Opfer von illegalen Nachahmern aus dem eigenen Land werden. Dagegen möchte die chinesische Regierung vorgehen. 90 Prozent aller Rechtsstreitigkeiten zum Immaterialgüterrecht werden unter Inländern geführt. Kärcher ist eines der ersten deutschen Unternehmen, das mit einer Klage in China Erfolg hatte.

2020 © Markt und Mittelstand · Alle Rechte vorbehalten.

Der Newsletter für Unternehmer – jeden Donnerstag in Ihr Postfach

NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN