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Zukunftsmärkte > Trendwende naht

Playmobil stoppt Produktion in Deutschland – die Industrie wächst dennoch

| Thorsten Giersch | Lesezeit: 3 Min.

Im verarbeitenden Gewerbe gibt es sehr gute Zahlen beim Auftragseingang. Die Industrie kann diese gute Nachricht gebrauchen. Das Beispiel Playmobil zeigt aber, warum es Betriebe hierzulande so schwer haben.

Playmobil-Figuren Foto: Shutterstock
Seit Generationen sind Kinderzimmer mit den fröhlichen Figuren von Playmobil gefüllt. Jetzt wurde trotz guter Auftragslage das Aus für Playmobil "Made in Germany verkündet: der Hersteller produziert nur noch im Ausland und steht damit sinnbildlich für die Ambivalenz des Industriestandorts Deutschland, wo wachsende Nachfrage auf strukturelle Kostenprobleme trifft. Foto: Shutterstock

06.02.2026 Von Thorsten Giersch

Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun, heißt es so schön. Und wie das genau geht, ließ sich am Donnerstag beobachten: Wer die Überschrift liest „Playmobil stellt Produktion in Deutschland ein“ bekommt ein ganz anderes Gefühl für unseren Standort als Leserinnen und Leser der Zeile „Die Industrie steht vor einer Erholung“. Dummerweise wird die Playmobil-Nachricht besser geklickt – auch wenn die zweite Nachricht deutlich relevanter ist.

 

Zweckoptimismus oder Schubumkehr?

Trendwende auszurufen ist immer ein gefährliches Spiel, aber tatsächlich könnte der Jahreswechsel 2025/26 für die Industrie eine sein. Das Statistische Bundesamt vermeldet am Donnerstag für Dezember einen Anstieg des Auftragseingangs im verarbeitenden Gewerbe um 7,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Zahl an sich ist schonmal ermunternd und rang Ökonomen Jubelworte ab.

Vor allem aber die Begründung hatte es in sich: Die Zahl der Großaufträge schoss in die Höhe – und die kamen beileibe nicht nur vom Staat und seinen Milliardeninvestitionen. Volkswirte sprechen von einer der „schärfsten konjunkturellen Erholung seit der Wiedervereinigung“. Die Aufträge aus dem Inland sprangen mit rund 11 Prozent stärker an als die Aufträge aus dem Ausland.

Standortkosten nicht wettbewerbsfähig

Wer Wasser in den Wein gießen will, mag auf die jüngst veröffentlichten Umfragen verweisen: Der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts hatte sich am Jahresende eingetrübt. Und dann gibt es da ja auch noch Playmobil: Das Traditionsunternehmen gibt die Produktion der Spielfiguren in Deutschland auf. Bisher laufen die noch im bayerischen Dietenhofen vom Band, damit soll spätestens Ende Juni 2026 Schluss sein, wie die Horst Brandstätter Group (HBG) verkündete. 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen dort nicht, wie es genau weitergeht.

Das allein ist es nicht, was Gewerkschaft IGBCE erzürnt. Aus ihrer Sicht sei gegenüber der Belegschaft und dem Betriebsrat eine Betriebsschließung eigentlich ausgeschlossen worden. Zudem hatte Playmobil, das seit längerem in der Krise steckt und sich neu aufstellt, in den vergangenen Wochen reichlich Optimismus verbreitet – vor allem auf der Spielwarenmesse in Nürnberg.

Der Zeitpunkt für die Nachricht irritiert also genauso wie der Inhalt. Die Produktion übernehmen nun andere Werke, ihre größten unterhält Playmobil in Malta und der Tschechischen Republik. Dort liegen die Arbeitskosten pro Stunde bei weniger als der Hälfte als hierzulande. Das Gros der Spielfiguren wurde ohnehin schon im Ausland gefertigt und den allermeisten Kunden dürfte es egal sein, aber dennoch ist die Nachricht Gift fürs Image. Und ein Beleg dafür, dass Beschäftigte in der Produktion für Fehler im Management büßen müssen. Branchenexperten betonen immer wieder, dass es Playmobil – anders als zum Beispiel Lego – lange an pfiffigen Produktideen vermissen ließ.

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