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Playmobil wird 50: Vom Möbeltischler zur globalen Kultmarke

| Midia Nuri

Vom Bauarbeiter zur Lizenzikone: Playmobil wird 50 – und feiert ein halbes Jahrhundert Fantasie, Wandel und Sammlerleidenschaft.

5 unterschiedliche Playmobil-Figuren stehen nebeneinander vo weißem Grund
In der bunten Welt von Playmobil ist (fast) alles möglich – seit 50 Jahren. (Foto: Playmobil)

von Midia Nuri für Markt und Mittelstand

Die Welt ist bunt. Und noch bunter ist die Welt bei Playmobil. Von der Internetseite lächelt ein Playmo-Mädchen unter ihrem maigrünen Helm auf ihrer maigrünen Vespa sitzend den Nutzer am Schirm an. „Sammlungen für das Kind in dir“, verspricht die Startseite und darunter rast Playmobil-Magnum in seinem roten Cabrio durch eine dem Serien-Intro nachempfundene Szenerie „Zurück in die 80er“. Ein paar Klicks weiter das Prinzenpaar, ein viktorianisch anmutendes Puppenhaus sowie Engelchen & Teufelchen, Meerjungfrauen, Bauernhof natürlich, und: Wo ist das legendäre Piratenschiff? 

2024 feierte Playmobil 50. Geburtstag. Und nicht immer waren die Figuren so wandelbar und bunt. Entwickelt hat sie Hans Beck, ein gelernter Möbeltischler mit Faible für Modellbau. Den hatte Horst Brandstätter bereits Ende der 50er-Jahre als Entwickler ins Familienunternehmen Geobra Brandstätter im bayerischen Zirndorf geholt. Brandstätter schwebte eine Serie von Kinderfahrzeugen vor. Doch Beck entwarf Figürchen mit beweglichen Armen und Beinen. 

Bauarbeiter, Ritter und Indianer sind die ersten im Playmobil-Universum. Das Patent für die 7,5 Zentimeter große Playmobil-Figur meldet Geobra Brandstätter 1972 an. 1974 treten sie dann auf der Spielwarenmesse in Nürnberg auf. Die Resonanz in der Branche ist verhalten. Doch Kinder sind sofort begeistert. Die Figuren starten durch. Das Unternehmen, das damals Kindermöbel aus Kunststoff herstellt, kann die Nachfrage gut gebrauchen, kämpft es doch wegen der Ölkrise mit Problemen. 

Ende der 80er bekommen Playmobil-Figuren unterschiedliche Körperformen, seither tragen sie unterschiedliche Kleidungsstücke. Und sie haben dank Punkt, Punkt und Strich ohne Komma immer ein freundliches Gesicht. „Sie sollten lächeln“, soll Brandstätter einmal gesagt haben. 

1994 schützt das Landgericht Nürnberg-Fürth die Figuren als Werke der Kunst urheberrechtlich. Rund vier Milliarden von ihnen bevölkern heute rund 100 Länder weltweit und seit 25 Jahren auch den Playmobil-Freizeitpark am Firmensitz. Neun von zehn Bundesbürgern kennen Playmobil. Es ist die bekannteste Spielwarenmarke Deutschlands. Geobra Brandstätter ist dank der Erfindung von Beck einer der bedeutendsten Spielwarenhersteller weltweit. 

Seit ein paar Jahren ist auch – fiktive – Prominenz im Playmobil-Universum dabei: Asterix, Obelix und die anderen Gallier aus dem Dorf, Römer und Römerlager zum Beispiel. Heidi gibt es, Scooby-Doo, Naruto und die Playmobilleute aus Star Wars. Und das Lizenzgeschäft blüht, etwa jüngst mit US-Spielzeughersteller Mattel für Monster High, eine Reihe von Modepuppen, die sich an Horrorfilmen und Schauerliteratur orientieren. Sammlerfiguren wie etwa Martin Luther, Maler Albrecht Dürer oder die gesamte männliche Fußball-Nationalmannschaft. 

Dass sich die Parallelwelten im Kinderzimmer verbinden, wissen Eltern seit langem, jetzt hat auch das Unternehmen diese Wurmlöcher entdeckt. In der Kampagne zur neuen Dachmarkenstrategie ruft mittlerweile auch die Prinzessin bei der Feuerwehr an, um eine Katze vom Dach retten zu lassen oder die Piraten finden ihren Schatz völlig überraschend auf dem Playmobil-Bauernhof. Das Ziel: Kinder inspirieren, ihre Fantasie und Neugierde beflügeln, ihr Selbstbewusstsein stärken. „Mit Playmobil sind Kinder Regisseure und Schauspieler ihrer eigenen Geschichte“, sagt Firmenvorstand Bahri Kurter. 

Als Firmenpatriarch Horst Brandstätter 2015 stirbt, durchlebt das zuvor über Jahre ungebrochen erfolgreiche Unternehmen mehrere Krisen, streicht nach dem ersten Verlust der Firmengeschichte 700 der weltweit 4000 Stellen. Inzwischen läuft es wieder. Oder fährt, wie das Piratenschiff. 

 

Auf eien Blick: 50 Jahre Playmobil

Playmobil ist ein weltweit bekanntes Systemspielzeug mit 7,5 cm großen Figuren und modularen Spielwelten – von Ritterburg bis Raumstation, von Bauernhof bis Monster High. Das Spielprinzip: Kinder gestalten ihre eigenen Geschichten.

Fakten kompakt

  • Gründung der Marke: 1974 auf der Spielwarenmesse Nürnberg

  • Erfinder: Hans Beck, gelernter Möbeltischler

  • Hersteller: Geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG (Zirndorf, Bayern)

  • Markenbekanntheit: 90 % der Deutschen kennen Playmobil

  • Produktionsmenge: Über 4 Milliarden Figuren weltweit

  • Export: in über 100 Länder

  • Freizeitparks: z. B. Playmobil-FunPark seit 1999 in Zirndorf

  • Slogan: „Sammlungen für das Kind in dir“

Spielwelten & Wandel

  • Erste Figuren: Bauarbeiter, Ritter, Indianer

  • Heute: Prinzen & Prinzessinnen, Meerjungfrauen, Feuerwehr, Raumfahrt, Piraten & mehr

  • Lizensierte Serienhelden: Asterix, Naruto, Heidi, Scooby-Doo, Star Wars, Monster High

  • Sondereditionen: Luther, Albrecht Dürer, Fußball-Nationalelf

Was macht Playmobil so besonders?

  • Designprinzip: Einfaches, freundliches Gesicht (Punkt, Punkt, Strich – kein Mund)

  • Rechtlicher Schutz: Figuren gelten seit 1994 als urheberrechtlich geschützte Kunstwerke

  • Spielphilosophie: Kinder als Regisseure ihrer eigenen Geschichten

  • Neue Markenstrategie: Spielerische Crossover (z. B. Prinzessin ruft Feuerwehr)

Krise & Comeback

  • 2015: Tod von Horst Brandstätter

  • 2018: Erstmals Verluste – Abbau von 700 Stellen weltweit

  • Heute: Wieder auf Wachstumskurs durch Lizenzgeschäfte, digitale Angebote und globale Expansion

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