Montag, 25.11.2013
Bei der Wahl eines Geschäftspartners kann eine Investigative Due Diligence viel Ärger ersparen.

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Bei der Wahl eines Geschäftspartners kann eine Investigative Due Diligence viel Ärger ersparen.

Zukunftsmärkte
Investigative Due Diligence vor der Wahl neuer Partner

Risiken bei der Partnerwahl

Wie kann man sicher sein, dass der potentielle Geschäftspartner auch der ist, der er vorgibt zu sein? Und wie kann man das Risiko einer bösen Überraschung minimieren? Eine investigative Due Diligence kann helfen.

Bei der Suche nach neuen Geschäftspartnern wird deren finanzielle Solidität in der Regel gründlich durchleuchtet und auf potentielle Risiken hin untersucht. Aber reicht das? Gerade bei Geschäften mit ausländischen Kunden und Zulieferern drohen zahlreiche Risiken, die sich oft erst bei einem noch genaueren Hinschauen identifizieren lassen. Immer mehr Unternehmen stellen sich deshalb bei der Wahl ihrer Geschäftspartner neue Fragen: Wie ist der öffentliche Ruf des neuen Geschäftspartners? Über welche Kontakte und Hintergründe verfügen die zentralen Entscheidungsträger? Sind die Firma oder ihre Mitarbeiter früher mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, oder laufen womöglich aktuell Verfahren? Und stimmen die öffentlich präsentierten Informationen überhaupt?

Unbekannte oder neue Geschäftspartner verkaufen sich in der Regel sehr gut, die Frage ist deshalb wie genau man hinter die Fassade schaut. „Ein Schnellcheck bei Google kann erste Antworten bringen, aber mit dem nötigen Aufwand kann man auch diesen entsprechend beeinflussen“, warnt Jörn Weber, ehemaliger Kriminalhauptkommissar und Geschäftsführer der Ermittlungsagentur Corma.

Investigative Due Diligence

Jörn Weber warnt vor allzu großer Sorglosigkeit.

Um sich vor bösen Überraschungen zu schützen, setzen immer mehr Unternehmen auf umfassendere Analysen ihrer potentiellen Geschäftspartner. Und was bei Banken und vielen Großkonzernen bereits zum Alltag gehört, hält auch im Mittelstand Einzug. „Wir nennen dieses Verfahren Investigative Due Diligence. Hierbei stehen nicht die Finanzen im Mittelpunkt, sondern es wird beispielsweise geprüft, ob es die angegebene Geschäftsadresse wirklich gibt, ob die vorgelegten Informationen der Wahrheit entsprechen und ob es beispielsweise Hinweise dafür gibt, dass es sich bei dem Geschäftspartner um eine Scheinfirma handeln könnte“, erläutert Weber. Um Risiken möglichst gründlich zu eliminieren, empfiehlt er fünf Schritte. Zunächst sollten Unternehmen Gefahrenpotenziale identifizieren und priorisieren, bevor sie im Anschluss einen entsprechenden Fragebogen für Selbstauskünfte entwickeln können. Als weitere Schritte sollten dann eine Plausibilitätsprüfung der verfügbaren Informationen, eine Datenbankrecherche sowie zu guter Letzt eine Vor-Ort-Recherche erfolgen.

Besonders bei Geschäften mit ausländischen Partnern ist die investigative Due Diligence durch einen externen Dienstleister immer gefragter, was meist damit zu tun hat, dass eine eigenständige Untersuchung in diesen Fällen schwieriger ist. Ohne ein Netzwerk aus vertrauenswürdigen Partnern ist es häufig schwer an die notwendigen Informationen zu kommen, oder deren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Dass Betrüger nicht nur in China oder anderen Schwellenländern lauern, weiß Weber aus eigener Erfahrung: „Wir hatten einmal einen Fall, in dem ein angeblicher Schweizer Großkunde im Solarbereich seine Aktivitäten mit einem sehr professionell aufgemachten Newsletter belegen wollte. Eine genauere Analyse der Bilder hat dann aber ergeben, dass diese von den Websites insolventer Hersteller kopiert waren und das Unternehmen im Grunde gar nicht wirklich existierte.“

Optionen für den Mittelstand

Wie umfangreich die eine investigative Due Diligence ausfällt, hängt in der Regel von zwei zentralen Faktoren ab: Der Bedeutung des angestrebten Geschäfts und den finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens. Gerade der Mittelstand scheut dabei häufig die Kosten eines externen Prüfers, oder setzt lieber auf ein abgespecktes, günstigeres Prüfverfahren. Doch selbst kleinere Maßnahmen sind besser als gar keine, erklärt  Weber: „Auch eine einfach Creditreform-Auskunft kann schon wichtige Erkenntnisse bringen, doch selbst die wird häufig nicht eingeholt. Und wenn Unternehmen die Kosten eines externen Partners scheuen, dann können sie verschiedene Prüfschritte auch selbst durchführen und unternehmensintern entsprechende Checklisten erstellen. Und wenn ein solcher Eigencheck entsprechende Verdachtsmomente generiert, kann man immer noch einen Experten hinzuziehen.“

Generell gilt aber: Je wichtiger und kostenintensiver ein Projekt ist, desto stärker sollten Unternehmen sich die Frage stellen, ob sie nicht doch eine gründlichere Prüfung durchführen lassen wollen. Gerade im Mittelstand fehlt es dabei allerdings häufig noch am nötigen Ri8sikobewusstsein, auch wenn ein umfangreicheres Risikomanagement stetig an Bedeutung gewinnt.