Dienstag, 02.02.2016
Ölraffinerien gibt es im Iran schon zu Genüge, jetzt will die Regierung mehr industrielle Wertschöpfung ansiedeln. Deutsche Firmen müssen das im Handel mit dem Land beachten.

Bildquelle: Phattana/Thinkstock/Getty Images

Ölraffinerien gibt es im Iran schon zu Genüge, jetzt will die Regierung mehr industrielle Wertschöpfung ansiedeln. Deutsche Firmen müssen das im Handel mit dem Land beachten.

Zukunftsmärkte
Nicht vorschnell agieren

Risiken beim Iran-Handel

Bei aller Euphorie nach der Öffnung müssen Mittelständler im Handel mit dem Iran auch einige Risiken beachten. Denn eine anspruchsvolle Wirtschaftspolitik und der brachliegende Finanzsektor verkomplizieren die Verhandlungen mit lokalen Partnern.

Deutsche Firmen, die jetzt Geschäftschancen im Iran nutzen möchten, sollten auf einige Fallstricke vorbereitet sein. Gestärkt durch die Krise, sind sowohl Politik als auch Unternehmer selbstbewusster und fordernder. Der Wettbewerbsdruck hat sich deutlich gesteigert. Die Marktregeln haben sich dadurch gegenüber der Zeit vor dem Embargo deutlich verändert.

Vor allem Firmen, die einen Wiedereintritt prüfen, müssen Geschäftsmodelle, Partner und Netzwerke daher genau prüfen. Im Iran ist der direkte Kontakt zur Entscheiderebene der Schlüssel zum Geschäftserfolg. Auch hier hat sich mit der neuen Regierung viel geändert.

Iran-Handel: Fabriken statt Importware

Volker Klosowski ist Geschäftsführer von WB & K Iran Consulting

Bildquelle: WB & K Iran Consulting

Volker Klosowski ist Geschäftsführer von WB & K Iran Consulting

Der neue wirtschaftspolitische Ansatz der iranischen Regierung besteht nicht nur im Import von Produkten. Iran will, dass deutsche Unternehmen vor Ort produzieren und so Arbeitsplätze schaffen. Das soll die Rolle des Irans als attraktiven Handelspartner in den bevölkerungsreichen umliegenden Regionen stärken und damit die zurzeit hohe Abhängigkeit von der Ölpreisentwicklung relativieren.

Mit geschätzten 100 Milliarden US-Dollar Währungsreserven verfügt der Iran zwar über genügend Geld, um die überfälligen Investitionen zu bezahlen. Allerdings liegt der Finanzsektor in Folge der Sanktionen danieder und es bedarf größter Anstrengungen, um weltweiten Geschäftsverkehr sicher zu gewährleisten. Die Diskussion über strategische Investitionen dominiert häufig die Projektverhandlungen.