Donnerstag, 05.12.2013
Zukunftsmärkte
Forderungsmanagement

Risiko Zahlungsausfall in Brasilien und Mexiko

In Lateinamerika müssen im Vergleich zu Europa Unternehmen besonders häufig Forderungen abschreiben. Der Zahlungsausfall hat in Brasilien und Mexiko jedoch unterschiedliche Gründe.

Mittelständler müssen in Brasilien und Mexiko besonders mit einem Zahlungsausfall ihrer Kunden rechnen. Beide Länder liegen bei der Einbringlichkeit von Forderungen am unteren Ende des aktuellen Zahlungsmoralbarometers, das der Kreditversicherer Atradius regelmäßig veröffentlicht. Sowohl in Nordamerika als auch in Europa zahlen Kunden deutlich zuverlässiger (siehe Grafik). In Brasilien sind hingegen knapp 8 Prozent aller inländischen Forderungen ein Totalausfall, in Mexiko sind es „nur“ 6,4 Prozent. Nicht beglichene Forderungen aus dem Ausland belaufen sich in Brasilien auf 7,3 Prozent und in Mexiko auf 5,5 Prozent. Die Gründe für den Zahlungsausfall sind neben mangelnder Export-Erfahrung und Sprachbarrieren auch die schwache Wirtschaftskraft und Zahlungsmoral der Schuldner. Daneben gibt es noch landesspezifische Besonderheiten.

Zahlungsausfall-Risiko in unterschiedlichen Regionen

Zahlungsausfall-Risiko in unterschiedlichen Regionen im Vergleich.

Zahlungsausfall: Brasilien-Kosten mitverantwortlich

In Brasilien führen fehlende Liquiditätsversorgung am Markt sowie sehr formalistische Anforderungen an Zahlungsansprüche zu den hohen Ausfallraten. Die Liquiditätsprobleme brasilianischer Firmen hängen eng mit den hohen Kosten im Land, mit unzureichenden Investitionen in die Infrastruktur sowie politischen Spannungen zusammen. Auch im Doing Business Index 2014 tritt das Land an der Stelle. „Die allgemeine Wahrnehmung Brasiliens als Boomland der vergangenen Jahre kann nicht über die noch bestehenden strukturellen Probleme des Landes hinwegtäuschen“, sagt Justus Vitinius, Direktor Lateinamerika bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Dieser Umstand führt unter anderem dazu, dass es für brasilianische Firmen schwierig ist, Bankkredite zu einem vernünftigen Zinssatz zu erhalten.

Protest und schwarze Liste gegen Ausfall

Andreas Meister Ergomat

Andreas Meister ist Geschäftsführer von Ergomat.

Dementsprechend ist die Nachfrage nach Lieferantenkrediten in Brasilien größer als anderswo. „Mehr als die Hälfte aller Forderungen wird auf Ziel gewährt“, erklärt Thomas Langen, Senior Regional Director bei Atradius. Im Schnitt liegt dieses Zahlungsziel in Brasilien bei 30 Tagen, in Europa sind es 33 Tage. Zwischen Zahlungsziel und tatsächlicher Zahlung klafft jedoch nochmals eine Lücke. „In der Regel dauert es zwischen 45 und 60 Tage, bis Bankfinanzierungen unserer Kunden auf unserem Konto eintreffen“, schildert Andreas Meister, Geschäftsführer von Ergomat, eines in São Paulo ansässigen Herstellers von Drehautomaten.

In der Praxis sind Unternehmer in Brasilien bei der Begründung neuer Forderungen daher vorsichtig. Dass eine Zahlung komplett ausfällt, damit hatte Ergomat in der Vergangenheit wenige Probleme. Wer nicht zahlt, gegen den wird protestiert, erfolgt auch danach noch keine Zahlung, wird der Schuldnername in eine vom Markt einsehbare Schuldnerliste eingetragen. „Diese Firmen kommen dann außerdem auf eine interne schwarze Liste, auf der aktuell nicht mehr als eine Hand voll Kunden stehen“, sagt der Geschäftsführer Andreas Meister. Ersatzteile für Maschinen gibt es dann nur mehr, wenn offene Rechnungen beglichen werden.

Fehlende Transparenz fördert Zahlungsausfall in Mexiko

Die bessere Zahlungsmoral in US-amerikanischen oder europäischen Unternehmen kommt in stärkerer Form Mexiko zugute. Mexiko fördert den Freihandel, die Unternehmen im Land sind traditionell stärker Export-orientiert als in Brasilien, was Mexiko auch als Wachstumsmarkt für deutsche Mittelständler attraktiv macht. Der Zahlungsausfall einer ausländischen Forderung ist in Mexiko mit 5,5 Prozent geringer als beispielsweise in den USA und in Kanada (siehe Grafik oben). Allerdings beträgt das durchschnittliche Zahlungsziel in Mexiko der Atradius-Studie zufolge auch 47 Tage und ist damit um mehr als ein Drittel länger als in Brasilien. Bis die Zahlungen tatsächlich auf dem Bankkonto eingehen, vergehen im Schnitt weitere 8 Tage.

Was in Mexiko das Forderungsmanagement der Mittelständler erschwert, ist die mangelnde Transparenz über den finanziellen Zustand von Unternehmen und Privatpersonen. Während es in Brasilien öffentliche Register sowie Auskunfteien gibt, die einen ersten Eindruck über den Geschäftspartner geben können, fehlen in Mexiko solche Instrumentarien weitgehend. Für Unternehmen besteht keinerlei Veröffentlichungspflicht über Finanzdaten. Dementsprechend ist für Mittelständler eine gute und lückenlose Dokumentation von Verhandlungen, Kundengesprächen oder Vertragsabschlüssen erforderlich, um sich gegen Zahlungsausfälle schon im Vorfeld zu schützen.

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