Mittwoch, 02.11.2016
Maschinenteile, etwa für die Produktion von Fahrzeugen, können potentiell auch in militärische Anlagen eingebaut werden. Daher fallen sie unter die Dual-Use-Vorgaben und müssen beim Export nach Russland gesondert angemeldet werden.

Bildquelle: Thossaphol/Thinkstock/Getty Images

Maschinenteile, etwa für die Produktion von Fahrzeugen, können potentiell auch in militärische Anlagen eingebaut werden. Daher fallen sie unter die Dual-Use-Vorgaben und müssen beim Export nach Russland gesondert angemeldet werden.

Zukunftsmärkte
Sanktionen verlängert

Russland: keine Angst vor Dual Use

Viele Industrie-Vorprodukte fallen beim Export nach Russland unter die Dual-Use-Regelungen der EU. Das verzögert Lieferungen an russische Kunden, schadet dem Ansehen deutscher Firmen vor Ort jedoch nicht.

Die politische Stimmung zwischen der EU und Russland bleibt angespannt, im Sommer hat Brüssel die Sanktionen gegen den einstigen Partner nochmals verlängert. Sämtliche Beschränkungen zur Einfuhr von Dual-Use-Gütern bleiben somit länger bestehen.

Das Ansehen des deutschen Mittelstands bei russischen Kunden wird dies aber nicht beschädigen, meint Andreas Knaul, Leiter des Russland-Geschäfts von Rödl & Partner. Auch aus den vergangenen Monaten des Sanktionsregimes gingen deutsche Firmen nahezu unbeschadet hervor.

Zwar kämpfen Exportfirmen mit den Importbeschränkungen für Dual-Use-Güter. Demnach müssen alle Güter, die nicht nur für zivile, sondern auch für militärische Zwecke eingesetzt werden könnten, speziell über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) angemeldet werden. Das betrifft nicht nur Rüstungsgüter, sondern auch Motoren-Komponenten und andere Industrie-Vorprodukte. 

Deutscher Mittelstand in Russland sehr beliebt

„Aufgrund der Dual-Use-Vorgaben werden Lieferungen an der Grenze sorgfältig geprüft, was mehr Zeit in Anspruch nimmt als normale Einfuhren“, erklärt Russland-Experte Knaul. „Für russische Kunden ist das problematisch, denn sie brauchen feste Zusagen, wann ein Teil eintrifft.“ Und der deutsche Lieferant riskiert sein zuverlässiges Image, wenn er diese Zusagen nicht einhalten kann.

Auf die Bestellvolumina russischer Firmen in Deutschland hat das jedoch keine Auswirkung. „Das Ansehen deutscher Produkte und die Nachfrage nach ihnen bleibt ungebrochen hoch“, so Knaul. Aufgrund der verhängten Sanktionen vonseiten der EU hat die russische Regierung versucht, stärker asiatische Zulieferer im russischen Markt zu platzieren, erzählt er weiter. „Doch es hat sich herausgestellt, dass die Mentalität und Interessen zu unterschiedlich sind. Chinesen haben kein Interesse an einer Technologiepartnerschaft, wie sie zwischen Russland und Deutschland besteht. Daher bleiben Vertreter des deutschen Mittelstands in Russland sehr gern gesehen."

Markteintritt in Russland trotz Hürden vorbereiten

Deutsche Firmen, die noch nicht in Russland aktiv sind, können dieses hohe Ansehen auch während bestehender Sanktionen nutzen, um in den Markt einzusteigen. „Russland hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert, was das Ease-of-doing-business-Rating angeht, daran ändern weder politische Eiszeit noch wirtschaftliche Krise etwas“, rät Knaul.

Im Gegenteil: Russische Behörden freuten sich über jedes Unternehmen, das ein Vertriebsbüro oder ein Werk eröffnen möchte und ebnen bestmöglich den Weg. „Auch von dem Wettbewerb der Standorte können deutsche Firmen nur profitieren.“