Freitag, 03.11.2017
Zukunftsmärkte
Wir sind Mittelstand

Schätzen Sie den Standort Deutschland?

„Made in Germany“ ist weltweit immer noch ein Qualitätssiegel – oder? In manchen Statistiken hat Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Wir haben Unternehmer gefragt, wie sie den Standort Deutschland einschätzen.

Die deutsche Volkswirtschaft hat im internationalen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt: Aktuell landet die Bundesrepublik im Ranking des IMD World Competitiveness Center auf Platz 13 von 63. Das ist ein Rang schlechter als im Vorjahr. Steuerpolitik und die hohen Lohnnebenkosten für Arbeitgeber führten zur Abwertung.

Wie sie den Standort Deutschland einschätzen, haben wir einige Unternehmer gefragt.

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Nikolai Ensslen, Gründer und Vorstand, Synapticon GmbH, Schönaich „Der Vorteil vom Standort Deutschland ist zugleich seine wohl größte Schwäche: Kontinuität. Die Stabilität und die etablierten Strukturen sind sicher ein großes Plus. Andererseits sehe ich aber auch, dass der Fokus auf diesen Aspekt eine mächtige Innovationsbremse sein kann. So wandelt sich die Branche der Robotik und Automatisierung mehr und mehr in einen Sektor, der von Software und vernetzten Ansätzen dominiert wird. Hier mangelt es Deutschland an agiler Mentalität und an Risikobereitschaft.“<b>Nikolai Ensslen, Gründer und Vorstand, Synapticon GmbH, Schönaich</b><br>
„Der Vorteil vom Standort Deutschland ist zugleich seine wohl größte Schwäche: Kontinuität. Die Stabilität und die etablierten Strukturen sind sicher ein großes Plus. Andererseits sehe ich aber auch, dass der Fokus auf diesen Aspekt eine mächtige Innovationsbremse sein kann. So wandelt sich die Branche der Robotik und Automatisierung mehr und mehr in einen Sektor, der von Software und vernetzten Ansätzen dominiert wird. Hier mangelt es Deutschland an agiler Mentalität und an Risikobereitschaft.“Monika Tonne, Vorstandsmitglied und Mitinhaberin, Couplink Group AG, Aldenhoven „Im weltweiten Vergleich leben und arbeiten wir in Deutschland in einem gerechten und für Unternehmen rechtssicheren Land. An unserem Hauptsitz in der Nähe von Aachen finden wir sehr viel Unterstützung durch unseren Bürgermeister und unsere Region. Die Bürokratie bringt ein Unternehmen dennoch manchmal an Grenzen, da kann man sicher noch für Vereinfachung sorgen. Hier hilft uns der regionale Rückhalt, die bürokratischen Steine aus dem Weg zu räumen, etwa bei unserem geplanten Bau eines Firmengebäudes.“<b>Monika Tonne, Vorstandsmitglied und Mitinhaberin, Couplink Group AG, Aldenhoven</b><br>
„Im weltweiten Vergleich leben und arbeiten wir in Deutschland in einem gerechten und für Unternehmen rechtssicheren Land. An unserem Hauptsitz in der Nähe von Aachen finden wir sehr viel Unterstützung durch unseren Bürgermeister und unsere Region. Die Bürokratie bringt ein Unternehmen dennoch manchmal an Grenzen, da kann man sicher noch für Vereinfachung sorgen. Hier hilft uns der regionale Rückhalt, die bürokratischen Steine aus dem Weg zu räumen, etwa bei unserem geplanten Bau eines Firmengebäudes.“Uwe Reißenweber, Geschäftsführer, Docufy GmbH, Bamberg „Hohe Innovationskraft, gut ausgebildetes Fachpersonal, Rechtssicherheit und gute Infrastruktur sind Deutschlands herausragenden Vorteile. Wenn es uns gelingt, den demografischen Wandel mit einer geschickten Integrationspolitik zu kompensieren, bleibt Deutschland auch in Zukunft einer der attraktivsten Standorte der Welt. Die zunehmende Automatisierung wird dazu führen, dass trotz unseres hohen Lohnniveaus industrielle Fertigung in Deutschland bleibt und sogar ausgelagerte Kapazitäten wieder nach Deutschland zurückkehren.“<b>Uwe Reißenweber, Geschäftsführer, Docufy GmbH, Bamberg</b><br>
„Hohe Innovationskraft, gut ausgebildetes Fachpersonal, Rechtssicherheit und gute Infrastruktur sind Deutschlands herausragenden Vorteile. Wenn es uns gelingt, den demografischen Wandel mit einer geschickten Integrationspolitik zu kompensieren, bleibt Deutschland auch in Zukunft einer der attraktivsten Standorte der Welt. Die zunehmende Automatisierung wird dazu führen, dass trotz unseres hohen Lohnniveaus industrielle Fertigung in Deutschland bleibt und sogar ausgelagerte Kapazitäten wieder nach Deutschland zurückkehren.“ Carsten Brockmeyer, Vorstand und CEO, Formycon AG, Martinsried bei München „Für uns als Biosimilar-Entwickler bietet der Standort München/Martinsried mehrere Vorteile. Neben anderen Healthcare-Unternehmen gibt es hier wichtige wissenschaftliche Einrichtungen aus Medizin und Biotechnologie. Zusätzlich zum regen Wissensaustausch finden wir damit hier die Spezialisten, die wir für die Entwicklung unserer Nachfolgearzneimittel brauchen. Wir arbeiten mit vielen ausländischen Unternehmen zusammen; in der Biotechnologie ist die globale Vernetzung sehr wichtig.“<b>Carsten Brockmeyer, Vorstand und CEO, Formycon AG, Martinsried bei München</b><br>
„Für uns als Biosimilar-Entwickler bietet der Standort München/Martinsried mehrere Vorteile. Neben anderen Healthcare-Unternehmen gibt es hier wichtige wissenschaftliche Einrichtungen aus Medizin und Biotechnologie. Zusätzlich zum regen Wissensaustausch finden wir damit hier die Spezialisten, die wir für die Entwicklung unserer Nachfolgearzneimittel brauchen. Wir arbeiten mit vielen ausländischen Unternehmen zusammen; in der Biotechnologie ist die globale Vernetzung sehr wichtig.“Thomas Widmann, CEO, WidasConcepts GmbH, Wimsheim „Deutschland als Wirtschaftsstandort hat stets durch einen sehr gut aufgestellten Mittelstand gepunktet. Die fehlende Digitalisierung und der Fachkräftemangel werden jedoch zunehmend zum Problem. Um weiter im Driver-Seat zu bleiben, müssen Mittelstand und Investoren umdenken und neue Geschäftsmodelle kreieren. Neues versuchen, solange es in der Wirtschaft gut läuft – Big Data und IoT sind dafür Schlüsseltechnologien, die die IT bietet. Nur so wird ‚Made in Germany‘ weiter ein Qualitätssiegel sein.“<b>Thomas Widmann, CEO, WidasConcepts GmbH, Wimsheim</b><br>
„Deutschland als Wirtschaftsstandort hat stets durch einen sehr gut aufgestellten Mittelstand gepunktet. Die fehlende Digitalisierung und der Fachkräftemangel werden jedoch zunehmend zum Problem. Um weiter im Driver-Seat zu bleiben, müssen Mittelstand und Investoren umdenken und neue Geschäftsmodelle kreieren. Neues versuchen, solange es in der Wirtschaft gut läuft – Big Data und IoT sind dafür Schlüsseltechnologien, die die IT bietet. Nur so wird ‚Made in Germany‘ weiter ein Qualitätssiegel sein.“Roman Gorovoy, Geschäftsführer, Electrostar/starmix GmbH, Reichenbach/Fils „Ein Vorteil des Wirtschaftsstandortes Deutschland ist die hohe Rechtssicherheit. Durch qualifizierte, leistungsfähige Mitarbeiter erreichen wir hohe Standards und Produktivität. Die sehr gute Infrastruktur, ein starker Binnenmarkt und das international hohe Standing von ‚Made in Germany‘ sind Erfolgsfaktoren. Aufholen muss die Bundesrepublik in der Digitalisierung und im Netzausbau. Weitere Herausforderungen sind der unflexible Arbeitsmarkt und der Fachkräftemangel, den der Mittelstand spürt.“<b>Roman Gorovoy, Geschäftsführer, Electrostar/starmix GmbH, Reichenbach/Fils</b><br>
„Ein Vorteil des Wirtschaftsstandortes Deutschland ist die hohe Rechtssicherheit. Durch qualifizierte, leistungsfähige Mitarbeiter erreichen wir hohe Standards und Produktivität. Die sehr gute Infrastruktur, ein starker Binnenmarkt und das international hohe Standing von ‚Made in Germany‘ sind Erfolgsfaktoren. Aufholen muss die Bundesrepublik in der Digitalisierung und im Netzausbau. Weitere Herausforderungen sind der unflexible Arbeitsmarkt und der Fachkräftemangel, den der Mittelstand spürt.“Michael Jackl, Geschäftsführender Gesellschafter, Reichhart Logistik GmbH, Gilching „Wir sind ein Land des Fortschritts – insbesondere im Bereich Logistik. Tag für Tag erleben wir wie Deutschland hier Impulse für Europa setzt. Ein Grund dafür sind vor allem die Premium-Automobilhersteller im Land. Ihre hochkomplexen Lieferketten prägen die Industrie und verlangen ein Höchstmaß an Professionalität, Präzision und Innovation.Dank unserer erstklassigen Fachkräfte können wir diesen Ansprüchen genügen.Auf der Autobahnstrecke zwischen München und Ingolstadt läuft beispielsweise ein Pilotprojekt, um autonomes Fahren voranzutreiben. Solche Initiativen werden uns weiter einen Platz an der Spitze der Weltwirtschaft sichern.“<b>Michael Jackl, Geschäftsführender Gesellschafter, Reichhart Logistik GmbH, Gilching</b><br>
„Wir sind ein Land des Fortschritts – insbesondere im Bereich Logistik. Tag für Tag erleben wir wie Deutschland hier Impulse für Europa setzt. Ein Grund dafür sind vor allem die Premium-Automobilhersteller im Land. Ihre hochkomplexen Lieferketten prägen die Industrie und verlangen ein Höchstmaß an Professionalität, Präzision und Innovation.Dank unserer erstklassigen Fachkräfte können wir diesen Ansprüchen genügen.Auf der Autobahnstrecke zwischen München und Ingolstadt läuft beispielsweise ein Pilotprojekt, um autonomes Fahren voranzutreiben. Solche Initiativen werden uns weiter einen Platz an der Spitze der Weltwirtschaft sichern.“Jürgen Biffar, Vorstand, DocuWare GmbH, Germering „Wir sind mittelständischer Anbieter von Lösungen für Dokumentenmanagement und Automation von Büroprozessen. Wir wachsen von unserem Hauptsitz aus in der Nähe von München seit Jahren kontinuierlich und machen mittlerweile die Hälfte unserer Umsätze in den USA. Der Standort Deutschland ist perfekt. Er bietet einen ausreichend großen Heimatmarkt, sehr gut qualifizierte Mitarbeiter und aufgrund der weltoffenen Einstellung der Menschen beste Voraussetzungen für internationalen Erfolg.“<b>Jürgen Biffar, Vorstand, DocuWare GmbH, Germering</b><br>
„Wir sind mittelständischer Anbieter von Lösungen für Dokumentenmanagement und Automation von Büroprozessen. Wir wachsen von unserem Hauptsitz aus in der Nähe von München seit Jahren kontinuierlich und machen mittlerweile die Hälfte unserer Umsätze in den USA. Der Standort Deutschland ist perfekt. Er bietet einen ausreichend großen Heimatmarkt, sehr gut qualifizierte Mitarbeiter und aufgrund der weltoffenen Einstellung der Menschen beste Voraussetzungen für internationalen Erfolg.“Ronald Herkert, Gründer und Beiratsvorsitzender, Forum Media Group GmbH, Merching „Was mich am Wirtschaftsstandort Deutschland beeindruckt, ist das hohe Qualifikationsniveau des hiesigen Arbeitsmarktes. Unser duales System der beruflichen Ausbildung ist international einzigartig, die Weiterbildungsquote seit Jahren steigend. 2016 hat mehr als jeder zweite Erwerbstätige an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Die Bereitschaft der Bundesbürger zum lebensbegleitenden Lernen ist einer der wichtigsten Faktoren für den zukünftigen Wohlstand unseres Landes.“<b>Ronald Herkert, Gründer und Beiratsvorsitzender, Forum Media Group GmbH, Merching</b><br>
„Was mich am Wirtschaftsstandort Deutschland beeindruckt, ist das hohe Qualifikationsniveau des hiesigen Arbeitsmarktes. Unser duales System der beruflichen Ausbildung ist international einzigartig, die Weiterbildungsquote seit Jahren steigend. 2016 hat mehr als jeder zweite Erwerbstätige an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Die Bereitschaft der Bundesbürger zum lebensbegleitenden Lernen ist einer der wichtigsten Faktoren für den zukünftigen Wohlstand unseres Landes.“

Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 11/2017. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.