Freitag, 27.07.2012
Zukunftsmärkte
Solarmarkt

Solarbranche droht Handelskrieg

Europäische Solarunternehmen haben Anti-Dumping-Klage gegen ihre chinesischen Wettbewerber eingereicht. Diese drohen im Gegenzug mit einem Handelskrieg. Die Europäische Kommission hat nun 44 Tage Zeit, um über eine Klageannahme zu entscheiden.

Am Mittwoch reichten 25 europäische Solarfirmen bei der Europäischen Kommission Klage gegen die Solar-Dumping-Preise aus China ein. Der Zusammenschluss EU Pro Sun der 25 Solarunternehmen verkörpert die für eine Klage notwendigen 25 Prozent der Jahresproduktion in Europa.  „Der desaströse Preiskampf muss gestoppt werden", sagt Initiator und Solarworld-Chef Frank Asbeck. Denn trotz hoher Verluste in der Branche bieten die chinesischen Konkurrenten ihre Produkte für äußerst niedrige Preise an und wollen davon auch künftig nicht abgehen. Mögliche Strafzölle auf Solarimporte aus China würden „einen umfassenden Handelskrieg zwischen der EU und China auslösen, der auf beiden Seiten nur zu enormen Verluste führen wird“, erklärte Wang Yinyu, Chef des chinesischen Solarkonzerns Yingli.

EU-Kommission entscheidet über Strafzölle

Die EU-Kommission entscheidet in den nächsten Wochen aber zunächst über Annahme oder Ablehnung der Klage. Ein Urteil in Form von Strafzöllen wäre frühestens 2013 zu erwarten. In den USA wurde in diesem Fall zugunsten der eigenen Industrie entschieden. Dort gibt es nun Sonderzölle auf chinesische Solarimporte. Grund für diese Maßnahmen sind zum einen die fehlenden staatlichen Förderkürzungen und zum anderen der Preisverfall und damit einhergehende rote Zahlen. Die Gefahr von Pleiten steigt. In China hingegen, so lautet der Vorwurf, würden die Unternehmen von Staat und Kommunen künstlich am Leben erhalten. Beispielsweise über zinslose Kredite und andere Hilfen bei hohen Schulden.

Geteilte Meinungen

In Wirtschaft und Politik gehen die Meinungen über die Klage auseinander. Während  Milan Nitzschke, der Sprecher der Initiative EU Pro Sun erklärt: „Die Klage wird von der Mehrheit der europäischen Industrie unterstützt“ und Bundesumweltminister Peter Altmaier Einfuhrzölle unterstützen möchte, gibt es auch Kritiker. Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, bezeichnet die Klage und den drohenden Handelskrieg mit China als „Harakiriprogramm“. Anti-Dumping-Klagen behinderten die Energiewende, weil sie einen weiteren Preisrutsch der Module ausbremsten, womit auch die schnelle Entwicklung sich selbsttragender Märkte behindert werde. In China sind die Fronten hingegen klar: „Wir werden bei der Regierung alle nötigen Maßnahmen einfordern, um die legitimen Interessen der chinesischen Solarindustrie zu schützen“, sagte Yingli-Chef Wang Yiyu.

Quelle: Handelsblatt, Markt und Mittelstand

2022 © Markt und Mittelstand · Alle Rechte vorbehalten.

Der Newsletter für Unternehmer – jeden Donnerstag in Ihr Postfach

NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN