Dienstag, 19.04.2016
Weltweit steigt die Zahl der Insolvenzen. Für deutsche Firmen bedeutet das im schlimmsten Falle Zahlungsausfälle beim Export.

Bildquelle: Photick/James Hardy/Thinkstock/Getty Images

Weltweit steigt die Zahl der Insolvenzen. Für deutsche Firmen bedeutet das im schlimmsten Falle Zahlungsausfälle beim Export.

Zukunftsmärkte
Euler-Hermes-Studie

Steigende Insolvenzen bedrohen Auslandsgeschäft des Mittelstands

Voraussetzung für die Exporterfolge deutscher Mittelständler sind zahlungsfähige Kunden in aller Welt. Laut neuesten Zahlen von Euler Hermes bedrohen steigende Insolvenzen diese Geschäftsgrundlage. In welchen Märkten deutsche Firmen besonders lang auf ihr Geld warten müssen.

Weltweite Verkäufe sind der Wachstumsmotor der deutschen Unternehmen. Um mehr als 100 Milliarden Euro soll der Güterexport in den Jahren 2016 und 2017 in Summe zulegen, meint Ludovic Subran, Chefvolkswirt des Kreditversicherers Euler Hermes. Der Löwenanteil entfällt auf Frankreich, die USA, die Niederlande und die Tschechische Republik sowie auf die Branchen Maschinenbau, Chemie und Fahrzeugbau.

Doch wer verkauft, will auch bezahlt werden. Deswegen könnten die steigenden Insolvenzen den Exporterfolg trüben. Während in Frankreich und den Niederlanden die Zahl der Insolvenzen nach Einschätzung von Euler Hermes 2016 sinkt, zeigen die USA und Großbritannien eine Zunahme der Pleiten. Dramatisch sieht das Bild in China aus, wo die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen um 20 Prozent steigen wird – nach einer Zunahme um 24 Prozent 2015.

Erste Hinweise auf steigende Ausfallrisiken liefern die Laufzeiten der bestehenden Forderungen. Die durchschnittliche Zahl der Tage bis zur Begleichung der Rechnung für Lieferungen, die sogenannten Days Sales Outstanding (DSO), sind in China in den vergangenen fünf Jahren von 45 auf mehr als 90 gestiegen.

Insolvenzzunahme: Brasilien an der Spitze

Besonders bedenklich ist, dass die zunehmenden Insolvenzen auf eine gegenteilige Periode folgen. Mehrere Jahre lang gingen die Insolvenzen weltweit zurück. Nun steigen die Insolvenzzahlen in China sowie in den auf diesen Markt spezialisierten Tigerstaaten und Rohstofflieferanten wieder.

An der Spitze des Rankings liegt aber Brasilien, wo die Zahl der Insolvenzen nach Einschätzung von Euler Hermes 2016 um 22 Prozent zulegen dürfte. Dort sowie in Russland und Griechenland drohen deutschen Unternehmen Umsatzeinbußen von zusammen 3,3 Milliarden Euro. In China sind dagegen weiterhin 2,3 Milliarden zusätzlicher Exporte möglich.

Entwicklung Insolvenzen weltweit

Bildquelle: Euler Hermes

Gefahr durch Kapitalverkehrskontrollen

Der Trend zu mehr Insolvenzen ist jedoch nur eine von vielen unliebsamen Entwicklungen, die Ludovic Subran für 2016 im Auslandsgeschäft erwartet. Er warnt vor Kapitalverkehrskontrollen in einigen Schwellenländern, politischer Unsicherheit und sozialen Unruhen beispielsweise in Thailand, Brasilien und der Türkei.

In der Europäischen Union hätte ein Austritt Großbritanniens gravierende Folgen. Über ihn wird in wenigen Wochen per Referendum entschieden. Entschiede sich das britische Volk für den EU-Austritt, müsste die deutsche Wirtschaft mit Einbußen von rund 5 Milliarden Euro rechnen.

Positive Effekte könnte dagegen der Abschluss der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) für die deutschen Exporteure haben, meint Subran. Wenn gleichzeitig der Brexit erfolgen würde, könnten der britischen Konkurrenz Marktanteile abgenommen werden. Das Auslandsgeschäft bleibt für den deutschen Mittelstand also spannend.

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