Dienstag, 20.02.2018
Die Liste der wirtschaftlichen Missstände in Südafrika ist lang. Geht es nach dem deutschen Mittelstand, soll der neue Präsident Cyril Ramaphosa sie schnellstmöglich beheben.

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Die Liste der wirtschaftlichen Missstände in Südafrika ist lang. Geht es nach dem deutschen Mittelstand, soll der neue Präsident Cyril Ramaphosa sie schnellstmöglich beheben.

Zukunftsmärkte
Cyril Ramaphosa

Südafrika: Neuer Präsident steht vor Mammutaufgabe

Seit Mitte Februar ist Cyril Ramaphosa neuer Präsident Südafrikas. Um die angeschlagene Wirtschaft fit zu machen, muss er schnell liefern. Südafrika-Experte Jose Campos Nave erklärt im Interview, was für eine erfolgreiche Präsidentschaft notwendig ist.

Schon lange hoffte die internationale Wirtschaft auf einen Machtwechsel in Südafrika, nun ist er vollzogen: Jacob Zuma trat Mitte Februar als Präsident zurück, der neue Mann an der Spitze des Staates heißt Cyril Ramaphosa. Auf ihm ruhen schier unmenschliche Hoffnungen, meint Jose Campos Nave, Fachanwalt und Südafrika-Experte bei Rödl & Partner. Denn die Liste der Missstände ist lang.

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In welchem Zustand hinterlässt Jacob Zuma Südafrika?
Um es ganz klar zu sagen: Zuma hat das Land zugrunde gerichtet. Er hat Investitionsprogramme gestoppt oder auslaufen lassen, sich gegenüber ausländischen Einflüssen abgeschottet und die öffentlichen Kassen geplündert. Deswegen wenden sich deutsche Firmen immer häufiger vom Standort ab.

Jose Campos Nave ist Fachanwalt und Südafrika-Experte bei Rödl & Partner.

Bildquelle: Rödl & Partner

Jose Campos Nave ist Fachanwalt und Südafrika-Experte bei Rödl & Partner.

Kaum ist der neue Präsident im Amt, schon herrscht Aufbruchsstimmung. Der südafrikanische Leitindex legte zu, der Rand wertete auf. Was erhofft sich die Wirtschaft konkret?
Wirtschaftsvertreter erwarten, dass Ramaphosa aufräumt und die grassierende Vetternwirtschaft stoppt. Die öffentliche Auftragsvergabe muss transparenter werden, Programme zur Sanierung der Verkehrs- und Telekommunikations-Infrastruktur sollte er neu auflegen und das Bankenwesen modernisieren, um Unternehmertum zu ermöglichen. Wichtig ist, dass Investoren neues Vertrauen in den Standort gewinnen.

Mittelständische Unternehmer klagen in Südafrika unter anderem über die Gesetze der Teilhaberschaft farbiger Südafrikaner (BBBEE). Wird Ramaphosa daran festhalten?
Die Idee hinter BBBEE ist ja richtig, nur hat die Praxis sie pervertiert. Laut Gesetz muss eine gewisse Menge von Unternehmensanteilen in Hand farbiger Gesellschafter sein. Alle Firmen, die in Südafrika an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen möchten, müssen diese Vorschrift erfüllen. Leider nutzen einige wenige Familien das System aus und sitzen in den Vorständen vieler Firmen. Dort halten sie lediglich die Hand auf, anstatt unternehmerisch mitzuwirken. Ramaphosa muss auch hier aktiv werden und Missbrauch zu verhindert suchen. Das Programm ganz abzuschaffen, hielte ich aber für falsch.

Auch die südafrikanische Visapolitik wird von deutschen Unternehmen immer wieder kritisiert.
In der Tat. Auch wir haben anderthalb Jahre gebraucht, um das Visum für unsere neue Mitarbeiterin am Standort zu erhalten, das ist absurd. Praktikanten bekommt man gar nicht ins Land. Dass Südafrika es qualifizierten Menschen so schwer macht, ins Land zu kommen, ist wirtschaftsschädigend. Noch ein Punkt also, den der neue Präsident schnell angehen muss.

Wie schnell kann Ramaphosa all das schaffen?
Es ist eine Mammutaufgabe. Im Grunde genommen, muss er den gesamten Beamtenapparat austauschen, Gesetze ändern und diese dann auch noch umzusetzen. Das kann dauern. Doch die Zeit drängt, denn 2019 sind Parlamentswahlen in Südafrika, und wenn Ramaphosa bis dahin keine Erfolge – oder zumindest konkrete Ansätze – vorweisen kann, wird er nicht gewählt werden.

Wie glaubwürdig ist Ramaphosas Reformeifer?
Auch Ramaphosa war Teil von Zumas System. Er ist in ihm groß geworden. Die Vermutung, dass auch er nicht ganz sauber ist, liegt daher nahe. Doch schlimmer kann es eigentlich nicht werden, und ich denke, dass er Südafrika die richtigen Impulse gibt.