Freitag, 09.03.2012
Zukunftsmärkte
Standort Österreich

Tor zum Osten

Wien gilt als Tor zum Osten, Steuervorteile und Forschungsförderung machen Österreich zu einem attraktiven Standort. Fachkräfte sind allerdings nicht leicht zu finden, und die Löhne sind hoch.

Österreich ist kein Flächenriese. Allein in Bayern wohnen mehr Menschen als im gesamten Nachbarland, wo rund 8,5 Millionen Menschen zuhause sind. Trotzdem ist Österreich für deutsche Investoren attraktiv, die Vorzüge sind klein, aber zahlreich. Und die Marktbearbeitung ist dank der gemeinsamen Sprache nicht kompliziert.

„Für uns waren die zentralen Gründe nach Österreich zu gehen, dass es einfacher ist, den österreichischen Markt vor Ort zu bearbeiten, die Nähe zum Osten, dass wir dort Mitarbeiter gefunden haben und die attraktive Forschungsförderung“, zählt Geschäftsführer Christian Graf von Bentzel-Sternau die Gründe auf, aus denen das Softwareunternehmen Tachoeasy zusätzlich zur deutschen AG eine GmbH in Österreich gründete.

Nachdem vor fünf Jahren der Digitale Tachograph für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen in der EU Pflicht geworden war, beschloss das Unternehmen, das Marktpotential direkt vor Ort zu bearbeiten. Von Bentzel ist überzeugt: „Die Österreicher kaufen lieber bei Österreichern, die Marktbearbeitung geht deutlich besser, seit wir direkt vor Ort sind.“ Einen anderer Grund für die Standortwahl lieferte der Zufall: Über gute Kontakte konnte Tachoeasy ein achtköpfiges Entwicklerteam übernehmen, so dass die, auch in Österreich, immer schwieriger werdende Suche nach geeigneten Fachkräften kein Problem darstellte. In Österreich herrscht Vollbeschäftigung und obwohl die großen Universitäten viele Maschinenbauer und Ingenieure ausbilden, ist der Kampf um die besten Talente längst entbrannt. Das Lohnkostenniveau liegt nach Angaben des Wirtschaftsforschungsunternehmens Global Insight geringfügig unter den deutschen Werten.

Sparen im Kleinen

„Ein Bonus für Unternehmen ist das österreichische Steuersystem“, ist Steuerberater Klaus Makovec, der in Wien bei Rödl & Partner arbeitet, überzeugt. Die Gruppenbesteuerung ermöglicht es, Verluste innerhalb einer Gruppe schnell zu verwerten, auch wenn die Gewinne und Verluste von Gruppenmitgliedern in verschiedenen Ländern erwirtschaftet werden. „Der entscheidende Vorteil einer solchen Zusammenfassung besteht darin, dass die positiven und negativen Ergebnisse sämtlicher Gruppenmitglieder ohne betragliche Begrenzung steuerlich miteinander aufgerechnet werden“, erklärt Makovec. „Auch im M&A-Bereich kann die Gruppenbesteuerung vorteilhaft sein, weil sie bei Share Deals eine Firmenwertabschreibung zulässt und dadurch Teile der Anschaffungskosten von Beteiligungen sofort steuermindernd wirken“, ergänzt er.

Österreich gehört zu den Hochsteuerländern. Der Körperschaftsteuersatz beträgt 25 Prozent, es fallen allerdings keine Gewerbesteuern und kein Solidaritätszuschlag an (siehe Beispielrechnung). Eine Erbschaftssteuer kennt Österreich nicht, was für Familienunternehmen vorteilhaft ist. Und auch, was die Lohnsteuer angeht, kann das Nachbarland punkten: „In Österreich werden jährlich 14 Gehälter ausgezahlt, wobei das 13. und 14. Gehalt mit nur 6 Prozent besteuert werden“, verrät Makovec. Verdient ein Manager also beispielsweise 100.000 Euro im Jahr zahlt er in Deutschland über 46 Prozent Steuern und Sozialversicherung. Diese Abgabenquote beträgt in Österreich etwa 40 Prozent.

Flink vor Ort

Tachoeasy kam die Forschungsförderung des Landes zugute, Österreich fördert forschende Unternehmen auf Bundes- und Landesebene: „Wir haben unsere Software vollständig in Österreich entwickelt“, sagt von Bentzel. Das Burgenland, wo Tachoeasy sich angesiedelt hat, förderte die Entwicklungsinvestition mit 20 Prozent. „Außerdem bekommt die GmbH nochmal 10 Prozent der Bruttogehälter der F&E-Mitarbeiter zurückgezahlt“, erklärt der Geschäftsführer.

Das Unternehmen ist aber längst noch nicht am Ende, derzeit werden weitere Internationalisierungsstrategien geschmiedet. „Von der Nähe zum Osten profitieren wir definitiv“, sagt von Betzel. „Es ist leichter, von dort aus weitere Niederlassungen aufzumachen.“ Der Mittelständler ist nicht der einzige, der so denkt. Konzerne wie Siemens, Henkel, Metro und jüngst auch BMW haben ihre Osteuropa-Zentralen vor Ort. Dass aus Wien zahlreiche kleinere osteuropäische Städte angeflogen werden hilft.

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