Dienstag, 06.10.2015

Bildquelle: KfW-Bildarchiv/Ruben Ortiz

Um angesichts des TPP weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, dürfen deutsche Firmen im Ausland nicht mehr nur auf niedrige Lohnkosten setzen.

Zukunftsmärkte
Freihandelsabkommen verabschiedet

TPP zwingt deutsche Firmen zur Strategieanpassung

Für die Vertragsparteien ist das TPP ein wirtschaftspolitischer Erfolg. Deutsche Unternehmen jedoch bleiben in wichtigen Märkten im Regen stehen. Und müssen nun umdenken.

Am Montagabend kam die Eilmeldung: Die Verhandlungen zum transpazifischen Freihandelsabkommen TPP sind abgeschlossen. Deutsche Firmen wurden dadurch überrumpelt. Denn sie sind in entscheidenden Auslandsmärkten nun einen Schritt hinterher. Um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie ihre Auslandsstrategie anpassen.

Mit Mexiko, Chile, Peru, Vietnam, Malaysia, Japan, Australien und den USA zählen wichtige Auslandsmärkte deutscher Firmen zu den Vertragsparteien des TPP. Durch den Wegfall der Zölle zwischen den Unterzeichnern haben deutsche Produkte vor Ort auf einmal einen preislichen Wettbewerbsnachteil. „Genauso bedeutend sind nicht-tarifäre Handelshemmnisse“, meint Manuel Wendle von der Beratungsfirma BDG.

So käme es bei der Einfuhr deutscher Produkte nach Vietnam oder Mexiko nicht selten zu Problemen an der Grenze, weil die Normen von den ortsüblichen abweichen. Auch könnten manche Maschinenteile nicht an lokale Industriekunden verkauft werden, weil die Maße und Standards voneinander abwichen.

TPP verschärft Kampf um günstige Arbeitskräfte

Auch der Kampf um günstige Arbeitskräfte dürfte sich durch das TPP verschärfen. In Vietnam, Malaysia und Mexiko sind viele produktionsintensive Industrien angesiedelt. Je mehr ausländische Investitionen in die Länder strömen, desto knapper werden die Arbeitskräfte hierfür. „Grundsätzlich ist es natürlich eine gute Entwicklung, wenn es viel Bedarf für Arbeitskräfte gibt“, meint Wendle. „Aber deutsche Unternehmen müssen sich bereits bei Erschließung der Märkte auf steigende Lohnkosten einstellen.“

Etwa indem sie gleich von Beginn an ein solides Produktivitätswachstum im Auge haben, wenn sie in weniger lohnintensive Märkte gehen. „Firmen, die nur wegen der niedrigen Lohnkosten in neue Märkte gehen, können dort aufgrund der schneller als erwartet voranschreitenden Lohnsteigerungen enttäuscht werden“, sagt Wendle. Zusätzlich dazu sollten deutsche Unternehmen andere Vorteile der Märkte nutzen. Zum Beispiel wichtige Rohstoffvorkommen, die konsumfreudige Mittelschicht vor Ort oder die geographische Nähe zu anderen wichtigen Absatzmärkten.

Deutsche Vorteile selbstbewusst kommunizieren

„Kunden auf der ganzen Welt sind daran gewöhnt, dass deutsche Produkte teurer sind als andere“, erklärt Wendle. Das sei für deutsche Firmen aber nicht von Nachteil – im Gegenteil. „Denn deutsche Produkte sind auch langlebiger, deutsche Dienstleistungen nachhaltiger.“ Diese Vorteile müssten deutsche Firmen auf Auslandsmärkten selbstbewusst kommunizieren.

„Deutsche Firmen können die Tatsache, dass sie nicht zu den First-Movern gehört haben und Firmen anderer Herkunft früher von Freihandelsabkommen profitieren, so wettmachen“, findet Wendle. Sie seien durch den Abschluss des TPP nun zwar ein bis zwei Schritte hinterher. Doch die Verhandlungen für bilaterale Freihandelsabkommen mit südostasiatischen Ländern laufen ebenso wie eine Überarbeitung des Abkommens mit Mexiko.

„Verhandlungsstrategisch haben die USA das TPP immer vor das TTIP mit der EU gesetzt“, urteilt Wendle. „Dass das transpazifische nun auch vor dem transatlantischen ratifiziert wird, ist daher ein weltpolitisches Signal.“ Die EU wurde ins Abseits gestellt. Es liegt nun an den deutschen Firmen, diese potenziellen Nachteile wieder aufzuholen.