Dienstag, 17.01.2017
Auf mexikanischen Baustellen kommen häufig deutsche Maschinen zum Einsatz. Ihrem Geschäft wird Trump mit seinen Parolen nicht schaden.

Bildquelle: milanklusacek/Thinkstock/Getty Images

Auf mexikanischen Baustellen kommen häufig deutsche Maschinen zum Einsatz. Ihrem Geschäft wird Trump mit seinen Parolen nicht schaden.

Zukunftsmärkte
Faktenlage sticht Wahlkampfparolen

Trump kann Beziehungen zu Mexiko nicht kappen

Nafta werde er aufkündigen, den mexikanischen Warenverkehr mit den USA zurückfahren, gelobte Donald Trump während seines Wahlkampfes. Realistisch sind diese Drohungen nicht.
Bei der Ankündigung wirtschaftspolitischer Maßnahmen macht Donald Trump nicht an der eigenen Haustür Halt. Einige seiner politischen Vorhaben haben auch direkte oder indirekte Auswirkungen auf Drittländer, die wichtig sind für den deutschen Mittelstand – allen voran Mexiko.

Neben Kanada und den USA ist Mexiko Mitglied des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta). Im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, die Nafta-Verträge aufzukündigen und höhere Zölle auf Einfuhren aus Mexiko zu erheben. Die formale Kompetenz hierfür hätte er: Der Nafta-Vertrag sieht eine Kündigungsmöglichkeit vor, die sechs Monate nach einfacher schriftlicher Notiz an die Partnerländer in Kraft tritt.

Stark vernetzte Wirtschaftssysteme

Beobachter rechnen jedoch damit, dass die praktische Faktenlage Wahlkampfparolen aussticht. Denn de facto sind die US-amerikanische und die mexikanische Wirtschaft so vernetzt, dass ein Rückbau der Beziehungen in dem Maße, wie von Trump vorgeschlagen, auch die USA empfindlich träfe, erklärt Marc Kloepfel, Geschäftsführer der gleichnamigen Einkaufsberatung. Die Lieferketten, unter anderem der Automobilindustrie, verlaufen grenzüberschreitend. Sie zu kappen, gefährde Tausende Arbeitsplätze in den USA.

In den vergangenen Jahren hat sich Mexiko durch den Ausbau seiner Industrie einen Platz unter den Top 25 der deutschen Exportmärkte erarbeitet. 2015 nahmen laut VDMA allein die Maschinenlieferungen nach Mexiko um 40 Prozent zu, da lokale Produktionsstätten, unter anderem US-amerikanischer Unternehmen, mit enormer Schnelligkeit ausgebaut wurden. 

Rückverlagerung schüfe Chance für deutsche Exporteure

„Natürlich könnten sich auch aus der Rückverlagerung der Industrie in die USA wieder Aufträge für deutsche Exporteure ergeben“, meint Ulrich Ackermann, Abteilungsleiter für Außenwirtschaft beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Dies sei etwa der Fall, wenn Fabrikausrüstung umgezogen werde oder Anlagen in den USA neu errichtet und dafür Komponenten oder Maschinen aus Deutschland bestellt würden. Einen Dämpfer erhielte das deutsche Mexiko-Exportgeschäft dennoch.

Momentan zeigen sich deutsche Unternehmen von den Drohungen Trumps gegenüber Mexiko weitgehend unbeeindruckt. Wie eine Umfrage der Deutsch-Mexikanischen Handelskammer (Camexa) kürzlich ergab, planen sie weiterhin Investitionen im Markt. Aktuell verhandeln zudem die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villarreal über ein Update der gemeinsamen Freihandelsverträge.

Am 20. Januar wird Donald Trump als Präsident der USA vereidigt. Welche Folgen das für deutsche Mittelständler hat, beleuchten wir in einem Themenschwerpunkt.

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