Donnerstag, 19.01.2017
Viele US-Straßen sind marode. Der deutsche Mittelstand könnte helfen, sie zu sanieren. Vorausgesetzt, eine US-Niederlassung zählt für Trump als „lokale“ Firma.

Bildquelle: i-Stockr/Thinkstock/Getty Images

Viele US-Straßen sind marode. Der deutsche Mittelstand könnte helfen, sie zu sanieren. Vorausgesetzt, eine US-Niederlassung zählt für Trump als „lokale“ Firma.

Zukunftsmärkte
Niederlassung = US-Firma?

Trumps Infrastrukturprogramm als Projektmotor

Mit einem gewaltigen Infrastrukturprogramm möchte der neue US-Präsident Donald Trump Amerikas Wirtschaft ankurbeln. Für US-Niederlassungen deutscher Firmen entstünden dadurch auch neue Aufträge – wenn Trump sie partizipieren lässt.

Donald Trump hat für die amerikanische Binnenwirtschaft massive Veränderungen angekündigt, die auch für den deutschen Mittelstand relevant sind. So versprach er während des Wahlkampfes umfangreiche Investitionen für den Infrastrukturausbau. Amerikas Straßennetze sind seit Jahren in weiten Teilen marode. Von einer Sanierung würden alle Unternehmen profitieren, die Waren transportieren müssen.

Zudem böte sich reichlich Arbeit für Bauindustriefirmen aus aller Welt – sofern diese für Ausschreibungen zugelassen sind. Während des Wahlkampfes hatte Trump das Infrastrukturprogramm als Wachstums- und Jobmotor für die USA propagiert und unter dem Schlagwort „America first“ angekündigt, lokale Firmen bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugen zu wollen.

„Lokale“ Unternehmen bei Auftragsvergabe bevorzugt

Für deutsche Mittelständler wird wichtig sein, ob ihre Niederlassungen in den USA als lokal gelten oder nicht. „Wir schaffen Arbeitsplätze vor Ort und zahlen dort sämtliche Abgaben“, sagt Pascal Schiefer, Geschäftsführer des Industriekomponenten-Herstellers Leipold Group, dessen US-Werk in Connecticut steht. Demzufolge wäre die Leipold Inc. ein lokales Unternehmen.

Doch auch China macht seit jeher einen feinen Unterschied zwischen ausländisch-investierten Unternehmen und solchen, die aus lokalem Kapital entstanden sind. Von der Beantwortung der Frage, wann ein Unternehmen als amerikanisch gilt, dürfte auch abhängen, ob deutsche US-Niederlassungen die von Trump ebenfalls angekündigten Förderungen beim Produktionsauf- oder -ausbau in Anspruch nehmen können.

Motto „Buy american“ ist nicht neu

Den Trend, lokale Waren über ausländische zu stellen, hält Schiefer nicht für Trump-spezifisch. „Amerikanische Firmen kaufen seit jeher lieber lokal ein“, berichtet er, „auch wenn sie einen höheren Preis zahlen müssen. Das Motto ‚Buy american‘ ist bei Geschäftsverhandlungen üblich.“

Seit dem „Buy American Act“ von 1933 müssen öffentliche Stellen lokale Firmen bei der Vergabe bevorzugen. Damit sollte die damals depressionsgeschüttelte US-Wirtschaft wieder in Schwung kommen. Nun scheinen diese lange Zeit „vernachlässigten“ Grundsätze zu neuer Blüte zu gelangen: Nach Schiefers Berichten ist eine der ersten Fragen von potentiellen Neukunden, ob Leipold Jobs in den USA schaffe. „Dieser Trend wird sich unter einer protektionistischen Regierung noch verstärken“, prognostiziert er.

Sollte künftig feststehen, dass ausländische Firmen mit eigenständiger US-Niederlassung eine Chance im Markt haben, dürfte das große Investitionen nach sich ziehen. „Deutsche Firmen werden durch den Bau von Produktionsstätten die Wirtschaft vor Ort antreiben“, gibt sich Hans Fabian Kruse optimistisch, Präsident des norddeutschen AGA Unternehmensverbandes: „Das wird den Konsum fördern und ihnen wieder in die Hände spielen.“

Am 20. Januar wird Donald Trump als Präsident der USA vereidigt. Welche Folgen das für deutsche Mittelständler hat, beleuchten wir in einem Themenschwerpunkt.

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