Donnerstag, 18.10.2012
Zukunftsmärkte
Türkei

Türkei bremst Wachstum

Die Türkei kann auf ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum zurückblicken. Damit dieses Wachstum auch nachhaltig ist, wird das Tempo nun für die nächsten Jahre zurückgeschraubt.

Laut dem mittelfristigen Programm der türkischen Regierung für 2013 bis 2015 wird die türkische Wirtschaft im Jahr 2013 um 4 Prozent und 2014/15 um jeweils 5 Prozent wachsen. Die Investitionen sollen dabei jährlich um 6 bis 7 Prozent zulegen. Das gegenüber 2010 und 2011 stark reduzierte Wirtschaftswachstum in der Türkei ist notwendig, um das hohe Defizit in der Leistungsbilanz abzubauen und somit die Nachhaltigkeit der Wirtschaftsentwicklung abzusichern.

Strukturschwäche der türkischen Wirtschaft

Das starke Wachstum 2010 (+ 9,2 Prozent) und 2011 (+8,5 Prozent) hatte für die Türkei eine Kehrseite: Das Leistungsbilanzdefizit betrug zuletzt rund 10 Prozent des BIP und störte das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht. Der hohe Fehlbetrag in der Leistungsbilanz ist eine Folge der Strukturschwäche der türkischen Wirtschaft. Um den Bedarf der Türkei zu decken ist das Land bei Energie, Rohstoffen und teils auch bei Halbwaren stark auf Importe angewiesen.

In Zeiten der Hochkonjunktur steigen die Importe somit überproportional und belasten die Handelsbilanz und somit auch die Leistungsbilanz der Türkei. Die konjunkturdämpfenden Maßnahmen der Regierung führten bereits im 1. Halbjahr 2012 zu einem Wachstum von lediglich 3,1 Prozent, der Anteil des Leistungsbilanzdefizits am BIP konnte unter 8 Prozent reduziert werden. Bis 2015 soll der Anteil weiter auf rund 6,5 Prozent zurückgehen.

Günstige Aussichten

Der private Verbrauch in der Türkei soll bis 2013 um 3,1 Prozent und bis 2015 um jeweils 4,4 Prozent zunehmen, ebenso sollen die privaten Investitionen nach einem Minus von 1,7 Prozent 2012 ab 2013 wieder um mindestens 7,0 Prozent expandieren. Die Arbeitslosigkeit soll von 9 Prozent (2012) bis 2015 auf 8,7 Prozent fallen, die Inflation bis 2014 auf 5,0 Prozent gesenkt werden (2012: 7,4 Prozent).

Die Schätzung für den Außenhandel fällt ebenfalls positiv aus. Bis 2015 soll der Exportwert auf etwa 187,1 Milliarden US-Dollar erhöht werden (2012: 148,5 Milliarden. US-Dollar), die Importe sollen im selben Zeitraum von 239,5 Milliarden US-Dollar auf 291,2 Milliarden US-Dollar steigen. Damit werden auch zukünftig hohe Defizite in der Handels- und Leistungsbilanz erwartet, womit die Türkei auch weiterhin in hohem Maße auf ausländische Investitionen bzw. Kapitaleinfuhren angewiesen bleibt.

Im Gegensatz zum Defizit in der Leistungsbilanz wies die Kapitalverkehrsbilanz der Türkei dagegen 2012 einen Überschuss von 49,2 Milliarden US-Dollar auf, die offiziellen Devisenreserven konnten somit deutlich erhöht werden. Zudem soll auch der Anteil des Haushaltsdefizits der Zentralregierung am BIP bis 2015 auf 1,8 Prozent (2012: 2,3 Prozent) gesenkt werden. Mit der geplanten Senkung des Anteils öffentlicher Schulden am BIP von 36, 5 Prozent (2012) auf 31,0 Prozent (2015) erfüllt die Türkei im Haushaltsbereich die Anforderungen der europäischen Stabilitätskriterien.

Quellen: GTAI, Markt und Mittelstand

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