Dienstag, 30.10.2018
Dreierbündnis reloaded: Die USA, Kanada und Mexiko bleiben in einem Freihandelsbündnis vereint. Nur trägt dieses jetzt einen neuen Namen: USMCA statt Nafta.

Foto: Marc Bruxelle/iStock/Getty Images Plus

Dreierbündnis reloaded: Die USA, Kanada und Mexiko bleiben in einem Freihandelsbündnis vereint. Nur trägt dieses jetzt einen neuen Namen: USMCA statt Nafta.

Zukunftsmärkte
Standort Mexiko im Wandel

USMCA: Auswirkungen des neuen Freihandelsabkommens

Schon bald soll das United States Mexico Canada Agreement (USMCA) die Nordamerikanische Freihandelszone (Nafta) ersetzen. Für deutsche Automobil-Hersteller und -Zulieferer ergeben sich durch die neuen Ursprungsregeln bedeutende Änderungen.

In Nordamerika gilt bald ein neues Freihandelsabkommen. Nach langen Verhandlungen haben sich die USA und Kanada Anfang Oktober 2018 im vorangegangenen Handelsstreit geeinigt. Die Befürchtung, Kanada bliebe bei einer Neuverhandlung des Nafta-Abkommens außen vor, stellte sich somit als unbegründet heraus.

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Das neue Freihandelsabkommen trägt den Namen United States Mexico Canada Agreement, kurz: USMCA. Diese Neubenennung ist repräsentativ für die Vertragserneuerung: Nichts soll an die alte Vereinbarung erinnern. 

Zollfreiheit cum Protektionismus

Inhaltlich ergeben sich durch die Änderung von Nafta in USMCA einige Änderungen. Zollfreiheit ist zwischen den drei Staaten nach wie vor garantiert, sofern ein Produkt die entsprechenden Ursprungsvoraussetzungen erfüllt. Im Automobilsektor wird aber die protektionistische Politik deutlich, die Donald Trump verfolgt. So steigt der Anteil regionaler Wertschöpfung (Regional Value Content, RVC), den ein Produkt nachweisen muss, künftig von 62,5 Prozent auf 75 Prozent. Ziel des US-Präsidenten ist, dadurch die regionale Fertigung zu unterstützen. 

Des Weiteren legt das neue Abkommen fest, dass alle Automobilproduzenten mindestens 70 Prozent ihrer Stahl- und Aluminiumkäufe aus denjenigen Hochlohnregionen beziehen müssen, deren durchschnittlicher Stundenlohn in der Kfz-Branche bei 16 US-Dollar liegt. Von dem neuen Dreier-Abkommen zwischen Mexiko, USA und Kanada erhofft sich Trump insbesondere die Reduzierung des Handelsbilanzdefizits im Automobilsektor. 

Auch andere Branchen der US-Wirtschaft sollen ihr Handelsdefizit unter Anwendung des USMCA verringern. In der landwirtschaftlichen Branche sollen US-amerikanische Milchbauern beispielsweise künftig besseren Zugang zum kanadischen Markt erhalten. Derzeit schirmte er die einheimischen Farmer durch hohe Zölle ab.

Neue Exportbestimmungen im Automobilsektor in Mexiko

Von den Regelungen sind europäische und asiatische Autobauer in Mexiko besonders betroffen, da viele Unternehmen in dieser Branche regelmäßig Teile auf ihren Heimatmärkten außerhalb Nordamerikas einkaufen. Laut Schätzungen der mexikanischen Regierung erfüllen rund ein Drittel der im Land gefertigten Pkw die neuen Anforderungen nicht. Darunter befinden sich die Volkswagen-Modelle Golf und New Beetle. 

Von deutscher Seite ist derzeit Volkswagen-Tochter Audi in Mexiko stark betroffen, in deren Hallen in San José Chiapa seit 2016 der Q5 für den US-amerikanischen Markt gefertigt wird. Auch BMW und Mercedes-Benz (zusammen mit Nissan) bauen derzeit Werke auf, die bis 2019 den vollen Betrieb aufnehmen sollen. 

Der Standort Mexiko ist für deutsche Automobilproduzenten hauptsächlich wegen seiner zahlreichen Freihandelsabkommen und niedrigen Produktions- und Lohnkosten attraktiv. Mit einem aktuellen Durchschnittslohn pro Stunde in der mexikanischen Automobilbranche von 5 US-Dollar und einem Spitzenlohn an den Bändern von 10 US-Dollar pro Stunde gehört Mexiko aber nicht zu den geforderten Hochlohnregionen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass es als Herkunft von Automobilkomponenten dienen darf. Ob die Automobilbranche künftig stärker in den USA lokalisieren wird, ist aufgrund der unsicheren politischen Lage, die Donald Trump mit seinen neuen Zollerlässen schafft, allerdings ebenfalls fraglich.

USMCA erhöht administrativen Aufwand

Eine weitere Komplikation stellt der administrative Aufwand dar, den USMCA mit sich bringt. Die neuen Regeln führen, wenn sie angewendet werden, für Autobauer zu komplizierteren Ursprungsberechnungen. Deutlich mehr als die Hälfte aller Hersteller stellen den Ursprungsnachweis der produzierten Pkw pauschal für das gesamte Werk aus. 

Aufgrund der höheren Mindestwertschöpfung ist es möglicherweise nötig, die Berechnung künftig für jedes einzelne Modell anzufertigen, um zu belegen, dass diverse Modelle die Vorgaben bereits erfüllen. Dies würde den Verwaltungsaufwand jedoch drastisch steigern. 

Voraussichtlich ab 2020 in Kraft

Wie geht es nun weiter? Unter dem USMCA-Vertragstext fehlt noch die Unterschrift von Enrique Peña Nieto, des Präsidenten Mexikos. Seine Amtszeit endet am 30. November 2018, trotzdem muss er USMCA vorher unterschreiben, damit das Abkommen in Kraft treten kann. 

Wann die Regelungen dann offiziell Anwendung finden, ist jedoch schwer abzuschätzen. Obgleich die Ratifizierung in Mexiko aus juristischen Gründen zeitnah stattfindet, wird sich der Prozess in den USA voraussichtlich bis zum 1. Januar 2020 hinziehen. Ab Zeitpunkt des Inkrafttretens hat der USMCA-Vertrag eine Mindestgültigkeit von 16 Jahren.

Autor

Thomas Wagner ist Geschäftsführer der Beratungsfirma WMP Mexico Advisors mit Sitz in Querétaro.