Freitag, 09.05.2014
Für welche Unternehmen lohnt sich der Transport auf der Schiene?

Deutsche Bahn

Für welche Unternehmen lohnt sich der Transport auf der Schiene?

Zukunftsmärkte
Wann sich der Transport auf der Schiene lohnt

Von China nach Europa

Die Zugverbindung von China nach Europa ist wieder im Dienst. Aber für welche Unternehmen lohnt sich der Transport auf der Schiene? Und wie steht es um die Sicherheit während der langen Reise?

Nachdem technische Probleme zuletzt den Betrieb gestört hatten, ist die Bahnlinie Wuhan-Xijiang-Europa seit vergangener Woche wieder in Betrieb. Ein erster Güterzug mit 41 der großen 40-Fuß-Container befindet sich auf dem Weg nach Europa. An Bord befinden sich vor allem Produkte von Hon Hai/Foxconn, dem weltgrößten Vertragshersteller von Elektronikartikeln, der in seiner Fabrik in Wuhan (Provinz Hubei) unter anderem Produkte für Apple, Sony und Nokia produziert. Die Waren an Bord des Zugs sind insgesamt rund 9 Millionen Euro wert.

Die Eisenbahnlinie von Wuhan nach Europa ist bereits seit Oktober 2012 in Betrieb, sie muss jedoch wegen Problemen mit dem Zoll zwischenzeitlich unterbrochen werden. Seit Oktober vergangenen Jahres besitzt Wuhan jedoch ein eigenes Eisenbahnzentrum mit direkter Zollabfertigung, wodurch die Probleme gelöst wurden. „Exportunternehmen können ihre Waren jetzt direkt beim Zoll im Eisenbahnzentrum Wuhan anmelden. Das reduziert sowohl ihre Kosten als auch die Risiken, die sie tragen müssen, in beachtlichem Umfang“, erklärte Xia Huanyun, der stellvertretende Direktor des Transportkomitees von Wuhan dazu.

Bahn als Logistik-Alternative zu Schiff und Flugzeug

Der Eisenbahntransport ist zwar günstiger als ein Transport per Flugzeug, aber nach wie vor deutlich teurer als ein Transport auf dem Seeweg. Er bietet sich aber dennoch für bestimmte Produkte an, die schneller als mit dem Schiff und günstiger als mit dem Flugzeug transportiert werden sollen. Gerade für Elektrogeräte kann dies attraktiv sein, da deren Preise meist schon binnen kurzer Zeit deutlich zurückgehen. Wie der Elektrohersteller Foxconn erklärte, sinkt der Wert von Elektrogeräten binnen eines Monats in der Regel um rund 2 Prozent. Umgerechnet auf die Ladung des vergangene Woche abgefahrenen Zuges wären das rund 180.000 Euro – was den Preisnachteil der Zugverbindung gegenüber dem Transport zur See bereits ausgleicht. „Der Landweg auf der Schiene rechnet sich vor allem bei Produkten, die schnell und preislich günstiger als zu Luftfrachtraten transportiert werden sollen. Dazu zählen insbesondere Elektronikgeräte, Industriegüter, Komponenten für die Automobilindustrie sowie Aktionswaren der Bekleidungsindustrie“, bestätigt Peter Sauer, Pressesprecher bei DB Schenker.

Darüber hinaus bieten manche Logistikunternehmen weitere Zusatzleistungen an, die den Transport per Zug attraktiver machen: „Bei unseren Chinazügen gehören neben dem Transport auf der Schiene auch die Vor- und Nachläufe per Lkw, die Containergestellung, sämtliche administrativen Prozesse sowie ein umfangreiches Sicherheitssystem zum „Door-to-Door“-Angebot für den Kunden“, erklärt Peter Sauer.

Risiken bei Logistik auf der Schiene

Der lange Schienenweg entlang der alten Seidenstraße hat anders als Schiff und Flugzeug mit ganz eigenen Problemen und Risiken zu kämpfen, darunter Temperaturunterschiede und der potentielle Verlust von Transportgütern. Auch für die Logistikfirmen stellt dies eine Herausforderung dar, vor allem beim Transport von kostspieligen Gütern wie Elektrogeräten. „Wir haben damit begonnen, temperaturgeführte Transporte zu erproben. Für die Sicherheit sorgt die DB Schenker Smartbox, die über das Internet die Echtzeit-Überwachung der Container nach GPS-Koordinaten ermöglicht. Auch Parameter wie Temperatur, Feuchtigkeit, Beschleunigungskraft, Bewegung, Erschütterung und Neigungswinkel werden ständig kontrolliert und das Gerät meldet jeden Versuch, den Container zu öffnen“, erklärt Peter Sauer.