Freitag, 27.09.2013
Chinas Exporte ziehen wieder an.

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Chinas Exporte ziehen wieder an.

Zukunftsmärkte
China im Aufwind

Wachstumscomeback für China

Die Wachstumsdelle in China scheint überwunden, Export und Binnennachfrage ziehen wieder an. Auch die Stimmung in der chinesischen Wirtschaft hellt sich auf. Nur ein Zwischenhoch oder nachhaltige Erholung?

Aufatmen in China. Nach zuletzt enttäuschenden Wachstumszahlen deutet sich eine Trendwende in der Volkrepublik ab. Der neue Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC stieg im September auf 51,2 Punkte und erreichte damit seinen höchsten Stand seit März diesen Jahres. Der Index lag somit bereits den zweiten Monat in Folge über der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird. Auch die chinesischen Exporte legten zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder zu, der entsprechende Index stieg sogar auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Abgerundet werden die guten Nachrichten von einem Anstieg der Binnennachfrage, die Auftragseingänge waren so hoch wie seit fünf Monaten nicht mehr.

Nachdem das Wachstum in China zuletzt in zwölf von 14 Quartalen nachgelassen hatte, sorgten die neuen Werte für eine entsprechend große Erleichterung und führten gerade an den asiatischen Börsen zu Kursgewinnen. Auch das chinesische Wachstumsziel von 7,5 Prozent scheint angesichts der aktuellen Entwicklung wieder in Reichweite. Bernhard Esser, Volkswirt bei HSBC, sieht verschiedene Gründe für die unerwartete Erholung: „Die chinesischen Exporte wurden vor allem von einer gestiegenen Nachfrage aus den USA und Asien getrieben. Gleichzeitig hat die Regierung mit einem Mini-Konjunkturprogramm die Wirtschaft angekurbelt, dieses betraf aber vor allem den Binnenmarkt mit Schwerpunkten auf sozialem Wohnungsbau und dem Ausbau des Glasfaserkabelnetzes.“

Nachaltiges Wachstum in China?

Obwohl die Zeichen auf Erholung und neuerliches Wachstum stehen, bleibt die Frage wie nachhaltig der chinesische Aufschwung wirklich ist. Hat die Volksrepublik die Trendwende geschafft, oder nur eine kurze Verschnaufpause erhalten? Bernhard Esser warnt vor überzogenen Erwartungen: „Die aktuellen Maßnahmen werden vermutlich ausreichen, um das dritte und vierte Quartal anzutreiben und sie dürften auch noch in das kommende Jahr ausstrahlen. Für ein nachhaltiges und langfristiges Wirtschaftswachstum muss China aber seine gesamte Wirtschaft neu strukturieren, und das ist ein sehr langwieriger Prozess, der sich noch Jahre hinziehen wird.“ Trotzdem geht Esser davon aus, dass China seine psychologisch wichtigen Wachstumsziele für 2013 dank der eingeleiteten Maßnahmen erreichen wird. Darüber hinaus zeichnen sich weitere Erfolge ab: So konnte der Arbeitsmarkt stabilisiert werden, und auch die durchschnittlichen Einkommen der chinesische Haushalte wurden gesteigert.

Obwohl der Volksrepublik damit ein wichtiger Schritt hin zu neuerlichem Wachstum gelungen ist, verweist Bernhard Esser auf die großen Aufgaben, die dem Land noch bevorstehen: „Das chinesische Wachstum kann nur dann nachhaltig sein, wenn dem Land der Umbau der Volkswirtschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft mit starkem Binnenmarkt gelingt. Eine solche Transformation ist allerdings langwierig und nicht binnen weniger Jahre zu schaffen.“

Deutscher Mittelstand kaum betroffen

Auch für deutsche Unternehmen ist China längst zu einem zentralen Absatzmarkt geworden, und entsprechend aufmerksam wurden die Zahlen der vergangenen Monate beobachtet. HSBC-Experte Esser rechnet jedoch nicht mit massiven Auswirkungen im Fall einer erneuten Konjunktureintrübung: „Betroffen wären vor allem Rohstofflieferanten, wenn China weniger Kohle oder Erze benötigt. Deutschland liefert aber vor allem Maschinen, und in diesem Bereich war die Nachfrage auch zuletzt ungebrochen hoch, da die zeitweilige Wachstumsdelle nicht wirklich durchgeschlagen hat.“ Die aktuelle Erholung wird die Nachfrage eher noch antreiben, so dass für den deutschen Mittelstand erst einmal kein Grund zur Sorge besteht. Spannender wird es nach Ansicht von Bernhard Esser erst, wenn der Umbau der chinesischen Volkswirtschaft abgeschlossen ist. Wenn China selbst in der Lage ist hochwertige Maschinen herzustellen, dürfte es sich noch stärker als bisher vom Absatzmarkt zum Konkurrenten wandeln – bis es soweit ist dürften allerdings noch mehrere Jahre vergehen.

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