Freitag, 18.12.2015
Vor allem bei Exporten in Schwellenländer müssen Mittelständler Wechselkursschwankungen berücksichtigen und sich gegen Risiken absichern.

Bildquelle: ksbank/Thinkstock/Getty Images

Vor allem bei Exporten in Schwellenländer müssen Mittelständler Wechselkursschwankungen berücksichtigen und sich gegen Risiken absichern.

Zukunftsmärkte
Wechselkursrisiken erschweren Finanzierung

Währungsschwankungen fordern viel Geschick von Exporteuren

2015 war ein schwieriges Jahr für deutsche Exporteure. Durch starke Währungsschwankungen entstanden ihnen in vielen Schwellenländern erhebliche Risiken. Diese Währungen waren besonders betroffen.

Im auslaufenden Jahr hatten Mittelständler in vielen Märkten mit Währungsschwankungen zu kämpfen. Vor allem in Brasilien, Russland und der Türkei schlugen sich kurzfristige Wechselkursänderungen auf die Gewinnmargen von Firmen nieder.

Währungsschwankungen sind ein hochaktuelles Thema im internationalen Warenverkehr. Besonders bei längeren Lieferzeiten und größeren Projekten im Ausland können kurzfristige Währungsschwankungen die Gewinnmarge entscheidend beeinflussen.

Schwellenländer sind von dieser Entwicklung besonders betroffen, da sie empfindlicher gegenüber Finanzmarktspekulationen und Vertrauensverlust durch Investoren sind. Auch sind ihre Währungen oft an US-Dollar oder Euro gekoppelt. Deshalb ist auch für Mittelständler eine frühzeitige Absicherung sinnvoll.

Starke Währungsschwankungen in Schwellenländern

Unter den zehn Ländern mit den größten Währungsschwankungen im Jahr 2015 sind einige Kernmärkte des deutschen Mittelstands. Zu ihnen zählen Brasilien, Südafrika, Malaysia und die Türkei. Das hat der Finanzdienstleister Ebury in einer Studie herausgefunden.

So ist der brasilianische Real aufgrund der nachlassenden Rohstoffnachfrage aus China zuletzt deutlich gefallen. Ein etwas schwächerer Wertverlust war in der Türkei  und Südafrika zu beobachten. Hier hatten besonders die ungewisse politische Entwicklung und der damit einhergehende Vertrauensverlust durch die Investoren eine negative Auswirkung. Auch in Russland können Firmen bei einer Stabilisierung der politischen Lage mit einer Erholung der Währung rechnen. 

Schwacher Euro verteuert Auslandsgeschäft

Eine besondere Herausforderung liegt für den deutschen Mittelstand auch in der Euroschwäche, sagt Heiko Müller, Deutschland-Chef von Ebury. „Dies führt dazu, dass Unternehmensausgaben im Ausland für deutsche Firmen teurer werden“, so Müller weiter.

Besonders stark sei etwa die Reisebranche betroffen, die hohe Ausgaben in den Zielländern habe, ihre Produkte in Deutschland aber in Euro vertreiben. Genauso bekämen Unternehmen aus anderen Branchen mit Niederlassungen im Ausland diese Auswirkungen zu spüren. Vom niedrigen Euro profitieren dagegen Unternehmen, die im Exportgeschäft tätig sind.

Damit Währungsschwankungen auch bei längeren Lieferzeiten nicht die Gewinnmarge auffressen, sollten sich auch Mittelständler bereits zu Beginn eines Auslandsgeschäft Gedanken über eine Absicherung gegen Währungsrisiken machen, meint Müller: „Ab einem siebenstelligen Auftragsvolumen pro Jahr im Ausland ist eine Absicherung empfehlenswert.“ Spezialisierte Finanzdienstleister stehen dabei in Verbindung zu einem Pool von teils ausländischen Banken, mit denen sie Geschäfte in der jeweiligen Fremdwährung abwickeln können.

US-Zinserhöhung setzt Währungen unter Druck

Mittelfristig sagt Müller eine weitere Euroschwäche voraus, denn die Leitzinserhöhung in den USA setze den Euro weiter unter Druck. Auf eine erste Leitzinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte, die Mitte Dezember bekannt gegeben wurde, sollen weitere allmähliche Steigerungen folgen. Eine Erhöhung des Leitzinses durch die EZB ist dagegen vorerst nicht zu erwarten.

Für den brasilianischen Real und den südafrikanischen Rand ist im Vergleich mit dem schwachen Euro mit einer relativen Erholung des Wechselkurses zu rechnen. Für China erwarten Experten wegen der ständig steigenden Nachfrage nach der Landeswährung Renminbi im internationalen Warenverkehr eine weitere Währungsaufwertung.

Info
Die 10 volatilsten Währungen in Schwellenländern 2015
WährungAuf-/Abwertung
2015
       Exportvolumen
      mit Deutschland
Brasilianischer Real (BRL)      -28,4%        10,3 Mrd. Euro
Kolumbianischer Peso (COP)      -23%        1,7 Mrd. Euro
Türkische Lira (TRY)      -18,75%        19,2 Mrd. Euro
Südafrikanischer Rand (ZAR)      -18%        8,3 Mrd. Euro
Malaysischer Ringgit (MYR)      -17,7%        4,8 Mrd. Euro
Ghanaische Cedi (GHS)      -16,1%        260 Mio. Euro
Chilenischer Peso (CLP)      -14,9%        2,1 Mrd. Euro
Bulgarischer Lev (BGN)      -12,3%        3,3 Mrd. Euro
Argentinischer Peso (ARS)      -12,1%        2,4 Mrd. Euro
Peruanischer Nuevo Sol (PEN)      -11,8%        910 Mio. Euro