Dienstag, 28.01.2014
Zukunftsmärkte
Notenbank hat Sondersitzung einberufen

Währungsverfall belastet das Türkei-Geschäft

Keine guten Zeiten für Investitionen in Schwellenländern. Die Währungen vieler Wachstumsmärkte verlieren drastisch an Wert. In der Türkei gibt es dazu heute eine Sondersitzung.

Die wirtschaftliche Lage in der Türkei ist ernst. Die türkische Lira gehört aktuell zu den Währungen, die am stärksten abwerten. Im vergangenen Jahr hat sie gegenüber dem Dollar ein Fünftel ihres Wertes verloren. Anfang des Jahres 2014 setzte sich dieser Negativtrend fort. Vorläufiger Tiefpunkt war ein Wert von 2,39 zum Dollar am gestrigen Montag. Der Verfall der Währung führt dazu, dass Importe ins Land teurer werden. Das trifft auch deutsche Mittelständler, die bei ihrem Türkei-Geschäft hauptsächlich auf Waren-Export aus Deutschland setzen.

Den Währungsverfall besonders zu spüren bekommt der türkische Energiesektor. Das Land ist stark von Energie-Importen abhängig. Da diese in Dollar gehandelt werden, muss die Türkei hohe Summen dafür ausgeben. Allein in der ersten Januar-Woche soll der Verlust im Sektor dadurch einen Wert von 2 Milliarden Dollar erreicht haben. Weitere Verluste seien zu erwarten, wie der türkische Energieminister Taner Yıldız gegenüber dem Nachrichtenportal Haberler.com meint. Die hohen Import-Ausgaben vergrößern das ohnehin schon hohe Handelsbilanz-Defizit der Türkei noch weiter.

Türkei: Lira soll stabilisiert werden

 

Die Regierung sowie die Notenbank haben umgehend reagiert. Die türkische Notenbank hält noch heute eine Sondersitzung ab, in der die weitere Strategie zur Abwehr des Währungsverfalls festgelegt werden soll. Angedacht ist wohl eine Erhöhung des Leitzinses, der aktuell bei 4,5 Prozent liegt. Damit soll dem weiteren Verfall der Währung entgegen gewirkt werden. Doch Experten sind unsicher, ob diese Erhöhung auch tatsächlich stattfinden wird.

Die Türkei ist seit Jahren für deutsche Mittelständler ein attraktiver Wachstumsmarkt, nicht nur für Einkauf und Beschaffung, sondern auch als Drehscheibe nach Afrika sowie den Nahen Osten. Es bietet ausländischen Unternehmen etwa spezielle Investitionszonen für ihre Geschäfte oder auch Freihandelszonen.

Auch andere Schwellenländer kämpfen

Mit dem Verfall der Landeswährung steht die Türkei allerdings nicht alleine da. Auch andere Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien oder Indonesien kämpfen mit zunehmender Geldabwertung. Hintergründe sind politische Risiken, das Wiedererstarken der Wirtschaft in den entwickelten Industrieländern sowie die Zurückhaltung der US-Notenbank bei der Bereitstellung frischen Geldes für die Wachstumsmärkte. In der Türkei finden in diesem Jahr zwei Wahlen statt, was den Druck auf die Regierung Erdogan noch weiter erhöht. Nicht nur deshalb wird die Entscheidung der türkischen Notenbank auch in anderen, von Währungsabwertung betroffenen Ländern mit Spannung erwartet.

Nach Aussage von EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn sollten die Währungsprobleme in den Schwellenländern daran erinnern, die Regulierung der Finanzmärkte weiter voranzutreiben. „Die jüngsten Turbulenzen bei Währungen und Aktienmärkten, in den aufstrebenden Volkswirtschaften sollten als Mahnung dienen, dass die Risiken noch immer präsent sind“, erklärte der EU-Kommissar gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg gestern in Brüssel.