Mittwoch, 09.11.2016
Donald Trump: Mittelstandsverbände sehen das Wahlergebnis kritisch.

Bildquelle: AP Photo Jelswick

Donald Trump: Mittelstandsverbände sehen das Wahlergebnis kritisch.

Zukunftsmärkte
US-Präsidentenwahl

Wahlsieg Trumps stößt auf Sorge im Mittelstand

Der Wahlsieg des US-Republikaners Donald Trump stößt in der deutschen Wirtschaft auf Skepsis und Sorge. Markt und Mittelstand hat die wichtigsten Stimmen zur „Nachricht des Tages“ gesammelt.

VDMA: Schaden durch Protektionismus

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) befürchtet einbrechende Importquoten für deutsche Maschinen in die USA. Donald Trump habe im Wahlkampf eine Kehrtwende in der amerikanischen Handelspolitik angekündigt und wolle Zölle und andere Handelshemmnisse wieder aufbauen, schreibt der VDMA in einer Pressemitteilung. Diese protektionistischen Vorschläge würden sich direkt auf das Investitionsklima in den USA auswirken – und damit auch auf die Maschinenimporte aus Deutschland. „Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt“, betonte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. Die USA sind der wichtigste Export-Einzelmarkt für deutsche Maschinenbauer.

AmCham: Partnerschaft bleibt Priorität

Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham) fordert vom neuen US-Präsidenten, die europäisch-amerikanische Zusammenarbeit stärken. Trump solle auch den Abschluss der Verhandlungen zur Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) vorantreiben. „Die USA brauchen ein umsetzbares und zukunftsfähiges Wirtschaftsprogramm, das Investitionen in Bildung, Ausbildung und Infrastruktur fördert und den fairen und freien Handel ermöglicht. Protektionistische Maßnahmen sind in einer globalisierten Welt keine Lösung“, sagte AmCham-Präsident Bernhard Mattes (zugleich Deutschland-Chef von Ford). Die Weiterführung der positiven Partnerschaft erhalte zudem das nötige Vertrauen in die Märkte.

Ifo: Rückschlag für wirtschaftliche Entwicklung

Das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) befürchtet durch den Wahlsieg Donald Trumps einen Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung der USA. „Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß. In Deutschland hängen 1,5 Millionen Arbeitsplätze vom US-Geschäft ab, die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands.“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Zwar könne Trump die Handelspolitik nicht allein bestimmen, sondern brauche die Zustimmung des US-Kongresses. Doch der Abschluss neuer Abkommen wie TTIP werde unter ihm deutlich schwieriger. „Europa sollte trotzdem versuchen, TTIP zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen“, fügte Fuest hinzu. 

BDI: Globaler Führungsrolle gerecht werden

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert vom Wahlsieger Donald Trump, seine isolationistische Wahlkampfrhetorik zu beenden. „Trump ist gut beraten, die amerikanische Wirtschaft nicht von der Welt abzuschotten. Sonst wird die Unklarheit über den künftigen Kurs zu erheblichen negativen Effekten für die Weltwirtschaft führen“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. Ihr globales Engagement müssten die USA auf Basis bestehender Verträge, Institutionen und Bündnisse fortsetzen, so Grillo weiter. Trotz großer innen- und gesellschaftspolitischer Herausforderungen müssten die USA ihrer globalen Führungsrolle gerecht werden. Die deutsche Industrie werde sich indes weiterhin für ein faires TTIP mit guten Regeln für beide Seiten einsetzen.

BVMW: Keine tiefgreifenden Änderungen

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) erwartet nicht, dass sich die Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump grundsätzlich ändert. „Trump, der ja aus der Wirtschaft kommt, ist an stabilen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zur Europäischen Union und insbesondere zu Deutschland als stärkster Volkswirtschaft in Europa interessiert“, erklärt Mario Ohoven, Präsident des BVMW: „Die USA können sich weder Protektionismus noch einen Handelskrieg mit EU oder China leisten. Das weiß auch Donald Trump.“ 

Am 20. Januar wird Donald Trump als Präsident der USA vereidigt. Welche Folgen das für deutsche Mittelständler hat, beleuchten wir in einem Themenschwerpunkt.

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